Linda Reynolds

Linda Karen Reynolds (* 16. Mai 1965 in Perth) ist eine australische Soldatin und Politikerin (Liberal Party of Australia). Zwischen 2019 und 2022 war sie in verschiedenen Ressorts Ministerin im Kabinett von Scott Morrison.

Werdegang

Beruflich

Reynolds ist die Enkelin von Alfred Reynolds (1894–1976), einem ehemaligen Abgeordneten im Parlament von Western Australia.[1] 1984 trat sie nach ihrem Schulabschluss in die australische Armee ein. Hier diente sie in verschiedenen Funktionen, unter anderem als Ausbildungsoffizierin und später als Kommandeurin des 5. Combat Service Support Battalion, als Direktorin für Strategieentwicklung bei Raytheon Australia, Direktorin des Accountability Model Implementation Project und Direktorin des Army Strategic Reform Program. In ihrer Zeit in der Armee erwarb Reynolds einen Bachelor-Abschluss in Betriebswirtschaft an der Curtin University sowie postgraduelle Abschlüsse in Ausbildung und Entwicklung an der Southern Cross University und in Strategischen Studien am Australian Defence College. 2011 wurde wegen „außergewöhnlicher Leistungen“ als Direktorin des Army Strategic Reform Program das Conspicuous Service Cross verliehen.[2] Im folgenden Jahr wurde sie zum Brigadier befördert, womit sie zur ersten Frau in der australischen Armee wurde, die diesen Rang erreichte.[3]

Politisch

Bereits 1987 war Reynolds der Liberal Party of Australia beigetreten und bekleidete in der Folge verschiedene Positionen. Unter anderem leitete sie den Wahlkampf bei diversen Wahlen in den Wahlbezirken Pearce und Hasluck. Von 2001 bis 2003 war sie Stabschefin und leitende Beraterin des Justizministers Chris Ellison und fungierte von 2006 bis 2008 als stellvertretende Bundesdirektorin ihrer Partei. Bei der Parlamentswahl in Australien 2013 wurde sie über einen Listenplatz als Senatorin für Western Australia in den Australischen Senat gewählt.[4] Auch bei der vom High Court of Australia angeordneten Wiederholungswahl blieb sie erfolgreich, und ihre Amtszeit im Senat begann am 1. Juli 2014. In der Folge konnte sie ihren Sitz im Senat auch bei den Wahlen 2016 und 2019 verteidigen. Reynolds wurde hier dem zentristischen Flügel der Liberal Party zugeordnet.[5]

Im August 2018 wurde Reynolds im ersten Kabinett Morrison zur stellvertretenden Ministerin für Innere Angelegenheiten unter Peter Dutton ernannt. Im März 2019 stieg sie als Ministerin für Verteidigungsindustrie in das Kabinett auf; diese Ernennung sollte nach dem Rücktritt des bisherigen Verteidigungsminister Christopher Pyne ihren Aufstieg zur Verteidigungsministerin einleiten.[6] Zudem wurde sie zur Ministerin für Notfallmanagement und den Wiederaufbau von Nord-Queensland ernannt.[7]

Nach dem Wahlsieg im Mai 2019 wurde Reynolds zur Verteidigungsministerin ernannt. Hier war sie unter anderem verantwortlich für eine Neuausrichtung der australischen Verteidigungspolitik, weg von Auslandseinsätzen hin zu einem Fokus auf die Verteidigung des australischen Kontinents.[8] Zudem wurden unter ihrer Ägide Spezialeinheiten für die Weltraum- sowie Cyber- und Informationskriegsführung eingerichtet.[9]

Im März 2021 wurde Reynolds zur Ministerin für Regierungsdienste und zur Ministerin für das nationale Invalidenversicherungssystem (NDIS) herabgestuft, nachdem im Februar 2021 berichtet worden war, dass Brittany Higgins, eine junge Mitarbeiterin in Reynolds’ Büro, im Jahr 2019 nachts in Reynolds’ Büro von einem Berater der Ministerin vergewaltigt worden sein soll.[10] In der Folge wurden zwischen Reynolds auf der einen und Higgins und deren Partner auf der anderen Seite diverse Rechtsstreitigkeiten wegen wechselseitiger Beleidigungen und Verleumdungen geführt, die erst im Sommer 2025 einen vorläufigen Abschluss fanden.[11]

Bei der Wahl 2022 verlor das Regierungsbündnis von Scott Morrison die Mehrheit im Parlament und Reynolds erhielt in der neuen Regierung von Anthony Albanese keinen Posten mehr. Sie war in der Folge wieder ausschließlich als Senatorin tätig und leitete ab August 2022 als Vorsitzende den Senatsausschuss für die Interessen der Senatoren. Im Februar 2024 gab sie bekannt, bei der Wahl 2025 nicht erneut antreten zu wollen.[12] Sie schied damit mit Ende ihrer Amtszeit am 30. Juni 2025 aus dem Amt.

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Einzelnachweise

  1. Simpson legend annoyed medic, abgerufen am 24. Dezember 2025 (englisch).
  2. CONSPICUOUS SERVICE CROSS (CSC), S. 377, abgerufen am 24. Dezember 2025 (englisch).
  3. Linda Reynolds appointed to defence industry and cabinet, abgerufen am 24. Dezember 2025 (englisch).
  4. Meet Linda Reynolds: The unluckiest person in Australian politics, abgerufen am 24. Dezember 2025 (englisch).
  5. How Scott Morrison’s shattering defeat has fractured Liberal Party factions, abgerufen am 24. Dezember 2025 (englisch).
  6. Scott Morrison moves Linda Reynolds into cabinet after more high-profile departures, abgerufen am 24. Dezember 2025 (englisch).
  7. Scott Morrison insists he's not distracted by ministerial exodus as Christopher Pyne bows out of politics, abgerufen am 24. Dezember 2025 (englisch).
  8. Launch of Defence Transformation Strategy, abgerufen am 24. Dezember 2025 (englisch).
  9. ADF Looks to Build Virtual Cyber Training Capabilities, abgerufen am 24. Dezember 2025 (englisch).
  10. Staffer Brittany Higgins allegedly raped in office of senior government minister Linda Reynolds inside Parliament House, abgerufen am 24. Dezember 2025 (englisch).
  11. Ex-Australian senator wins defamation case against Brittany Higgins, abgerufen am 24. Dezember 2025 (englisch).
  12. WA senator Linda Reynolds set to retire from Senate in mid 2025, abgerufen am 24. Dezember 2025 (englisch).