Linda Murri

Teodolinda „Linda“ Murri (* 12. September 1871 in Fermo; † 4. Dezember 1957 in Rom) war eine italienische Prominente. Sie war zu Beginn des 20. Jahrhunderts in einen der bekanntesten Kriminalfälle Italiens verwickelt, der auch internationales Aufsehen erregte.

Leben

Linda Murri war das erste von zwei Kindern des italienischen Arztes, Universitätsprofessors und Politikers Augusto Murri und dessen Gattin Giannina Murri.[1] Ihr Bruder Tullio kam zwei Jahre nach ihr auf die Welt.[2]

Am 17. Oktober 1892 heiratete Linda Murri den konservativen Grafen Francesco Bonmartini. Der als gewalttätig beschriebene Ehemann versuchte mehrmals vergeblich, aus der Heirat Kapital für seine Karriere zu schlagen. Die unglücklich verlaufende Ehe, aus der zwei Kinder hervorgingen, wurde schließlich 1899 gesetzlich geschieden. In der Folge ging Linda Murri ein Verhältnis mit einem Schüler ihres Vaters, Dr. Carlo Secchi ein, den sie bereits seit ihrer Jugendzeit kannte.[3]

Am Morgen des 2. September 1902 wurde Francesco Bonmartini erstochen in seiner Wohnung in Bologna aufgefunden, die er formell noch gemeinsam mit Linda Murri bewohnte. Er hatte seine Ex-Frau mit den gemeinsamen Kindern nur wenige Tage zuvor in ihrem Urlaubsort Venedig zurückgelassen und war alleine nach Bologna zurückgekehrt. Vom Verwesungsgeruch aufmerksam gemacht, benachrichtigen die Nachbarn den Arzt Augusto Murri, der zugleich der ehemalige Schwiegervater des Toten war. Nach ersten Untersuchungen der Polizei, war Bonmartini Opfer eines Raubmords geworden, zumindest deutete die durchwühlte Wohnung darauf hin.[4]

Nach einigen Tagen war es Augusto Murri, der seinen eigenen Sohn, den Rechtsanwalt, Angehörigen des Gemeinderats und Direktor der sozialistischen Zeitschrift La Squilla Tullio Murri (1873–1930), der Tat bezichtigte. Im anschließenden Prozess wurden Tullio Murri wegen Mordes und seine Schwester wegen Mittäterschaft verurteilt.[5] Auch Carlo Secchi, der Liebhaber Linda Murris, wurde wegen Mittäterschaft zu einer zehnjährigen Freiheitsstrafe verurteilt, verstarb aber bereits 1910 an den Folgen einer Lungenentzündung. Als Komplize erhielt ebenfalls ein spielsüchtiger und verschuldeter Freund Tullio Murris eine Freiheitsstrafe von 30 Jahren. Ferner wurde die Haushälterin und Geliebte Tullio Murris wegen Mittäterschaft zu einer siebenjährigen Freiheitsstrafe verurteilt.[4]

Der Fall sorgte seinerzeit für nationales und internationales Aufsehen. Die katholische Tageszeitung L’Avvenire d’Italia nutzte ihn als Vorwand, um Augusto Murri, den Laizismus, den Sozialismus und die Freimaurerei anzugreifen.[1]

Linda Murri wurde anders als die anderen Verurteilten nach einer kurzen Haftzeit 1906 vom italienischen König Viktor Emanuel III. begnadigt und legte anschließend ein Buch über ihre Kerkerhaft vor. Vier Jahre später heiratete sie den Universitätsprofessor Francesco Egidi. Sie lebte fortan zurückgezogen, zunächst auf ihrem Landgut in Porto San Giorgio, später in Rom, und trat als Autorin parapsychologischer Arbeiten in Erscheinung. Die letzten Jahre ihres Lebens war Linda Murri gelähmt. Sie starb 1957 in Rom.[3]

Der Film Affäre Murri (im Original Fatti di gente perbene), der sich auf die Vorgänge bezieht, ist ein Drama von Mauro Bolognini aus dem Jahr 1974. In ihm wurde Linda Murri von der französischen Schauspielerin Catherine Deneuve verkörpert.

Werke (Auswahl)

  • Linda Murri: Das Verhängnis meines Lebens, Aufzeichnungen aus dem Kerker. 1906

Literatur

Commons: Linda Murri – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

  1. a b Alessandra Gissi: Linda Murri. In: Dizionario Biografico degli Italiani (DBI).
  2. Daniela Schiavina: Murri Tullio. In: storiaememoriadibologna.it. Abgerufen am 19. Januar 2021 (italienisch).
  3. a b Daniela Schiavina: Murri Linda. In: storiaememoriadibologna.it. Abgerufen am 19. Januar 2021 (italienisch).
  4. a b Delitto Murri. In: storiaememoriadibologna.it. Abgerufen am 19. Januar 2021 (italienisch).
  5. Los Angeles Herald, Volume XXIX, Number 352, 20 September 1902