Lilla Durham
Alice Lilian (Lilla) Durham (* 1871 in Mayfair, London; † 25. Oktober 1935 in West Chiltington, Sussex) war eine englisch-britische Musikerin und Suffragette.
Leben
Durham war die Tochter von Arthur Edward Durham (1833–1895), einem Chirurgen am Guy’s Hospital in London, und Mary, geborene Ellis, Tochter des Ökonomen und Schulgründers William Ellis. Sie war eines von neun Geschwistern, darunter Edith Durham, Herbert Durham, Florence Margaret Durham sowie Frances Hermia Durham.[1]
Durham absolvierte eine Ausbildung zur Geigerin an der Royal Academy of Music und bei Andreas Moser in Berlin und arbeitete als Musiklehrerin an der Saint Felix School in Southwold.[2] Außerdem fertigte sie eine englische Übersetzung von Mosers deutscher Biografie über den Geiger Joseph Joachim an, die 1901 veröffentlicht wurde.[3]
Im Juli 1911 gründete Durham zusammen mit Muriel Sackville und ihrer Tochter Marie Corbett sowie deren Töchtern Margery und Cicely sowie Helen MacRae und anderen die East Grinstead Suffrage Society (EGSS), um für das Wahlrecht für Frauen zu kämpfen.[4] Die EGSS war eine Suffragistengruppe, die sich der National Union of Women’s Suffrage Societies (NUWSS) anschloss, die sich zum Ziel gesetzt hatte, dafür mit legalen Mitteln zu kämpfen. Durham hatte ein Haus in Hartfield, einem Dorf in der Nähe von East Grinstead.[5]
Ebenfalls 1911 trat Durham der militanten Women’s Social and Political Union (WSPU) bei und half bei der Gründung einer neuen Ortsgruppe in Royal Tunbridge Wells. Als im November 1911 Premierminister H. H. Asquith ankündigte, in der sogenannten Conciliation Bill 1911 ein erweitertes Männerwahlrecht einem Frauenwahlrecht vorziehen zu wollen, führte die WSPU am 21. November 1911 eine „offizielle Fenstereinschlagaktion“ entlang der Whitehall und Fleet Street durch. Ziele waren Büros der Zeitungen sowie die offiziellen Residenzen oder Häuser führender liberaler Politiker. Der Gesetzentwurf wurde daraufhin ganz fallen gelassen. Durham gehörte zu den Beteiligten und wurde verhaftet.[5][6] Sie wurde am 28. November zusammen mit Maud Joachim, der Nichte des Pianisten, vor dem Bow Street Magistrates' Court angeklagt und zu 14 Tagen Haft im Holloway Prison verurteilt, aus dem sie am 11. Dezember wieder entlassen wurde.[5][7][8]
Anfang März 1912 beteiligte sich MacRae zusammen mit über 100 anderen Frauen an einer Protestaktion der WSPU in Form von Einschlagen von Schaufenstern im Zentrum Londons. Die Frauen verbargen große Steine und Hämmer unter ihren Röcken und zerstörten in einer koordinierten Aktion Schaufenster in der Regent Street, der Oxford Street und in der Umgebung.[9]
Durham wurde bei einer Probekampagne am 1. März 1912 verhaftet, weil sie drei Schaufenster in der Regent Street zerstört hatte. Eine Freilassung gegen Kaution wurde abgelehnt und sie wurde in das Holloway Prison überstellt.[5][7] Sie wurde am 26. März vor dem Inner London Crown Court angeklagt und für nicht schuldig befunden.[10]
Durham starb 1935 im Alter von 64 Jahren in West Chiltington, West Sussex.[11]
Einzelnachweise
- ↑ Marcus Tanner: Albania’s Mountain Queen: Edith Durham and the Balkans. Bloomsbury, London 2018, ISBN 978-0-85772-374-1, S. 8–9, 256–257.
- ↑ Violin Lessons – Miss Lilla Durham. In: The Athenaeum. Band 1, Nr. 3845, 6. Juli 1901, S. 1 (archive.org).
- ↑ Observations. In: The Violin Times. Band VIII, Nr. 93, 15. Juli 1901, S. 140–141.
- ↑ The East Grinstead Suffragists. East Grinstead Museum, 20. September 2018, abgerufen am 10. Januar 2026.
- ↑ a b c d Anne Carwardine: Disgusted Ladies: The women of Tunbridge Wells who fought for the right to vote. Troubador Publishing, Market Harborough 2018, ISBN 978-1-78803-288-9, S. 152, 154, 164, 169, 172–178.
- ↑ Diane Atkinson: Rise up, women! : the remarkable lives of the suffragettes. Bloomsbury, London 2018, ISBN 978-1-4088-4404-5, S. 269–270, 275.
- ↑ a b Suffragettes: Amnesty of August 1914: index of people arrested, 1906-1914. In: HO 45/24665. The National Archives, abgerufen am 20. Dezember 2025.
- ↑ The Suffrage Prisoners at Bow Street. In: Votes For Women. V (New Series), Nr. 195, 1. Dezember 1911, S. 144, 148 (lse.ac.uk).
- ↑ Jennifer Godfrey: Secret Missions of the Suffragettes: Glassbreakers and Safe Houses. Pen and Sword History, Barnsley 2024, ISBN 978-1-399-01399-4, S. 47 f. (google.com).
- ↑ Newington Sessions March 26th, 1912. In: Votes For Women. V (New Series), Nr. 212, 29. März 1912, S. 414 (lse.ac.uk).
- ↑ Deaths. In: The Times. Nr. 47206, 28. Oktober 1935, S. 1.