Lilja Kedrowa
Lilja Kedrowa, international bekannt als Lila Kedrova, (russisch Лиля Кедрова, Geburtsname Елизавета Николаевна Кедрова Jelisaweta Nikolajewna Kedrowa; * 9. Oktober 1909 in Sankt Petersburg; † 16. Februar 2000 in Sault Ste. Marie, Ontario) war eine französisch-russische Schauspielerin. Für ihre Darstellung in dem Film Alexis Sorbas wurde sie 1965 mit dem Oscar als Beste Nebendarstellerin ausgezeichnet.
Leben
Über lange Jahre war das Geburtsdatum von Kedrowa nicht bekannt und unter anderem wurde 1918 in der Presse genannt, inzwischen kann aber 1909 als wahrscheinlich gelten. Kedrowa entstammt einer Musikerfamilie: ihr Vater Nikolai Kedrow senior (1871–1940) war ein bekannter Komponist liturgischer Musik, ihre Mutter Sofia Gladkaya (1871–1940) eine Opernsängerin und später Gesangslehrerin am Pariser Konservatorium. Auch ihr Bruder Nikolai Kedrow junior († 1981) und ihre Schwester Irene Kedroff († 1989) waren professionelle Sänger.[1] Um 1922, mehrere Jahre nach der Oktoberrevolution, zog die Familie aufgrund politischer Verfolgung[2] von Sankt Petersburg nach Berlin und schließlich 1928 nach Frankreich.
Lilja Kedrowa erlernte zwar das Klavierspiel, schlug aber im Gegensatz zu ihrer Familie eine Laufbahn als Schauspielerin ein. Sie erwarb sich insbesondere durch ihre zahlreichen Auftritte an Pariser Bühnen ein Renommee als Charakterdarstellerin; in Theaterstücken wie Die tätowierte Rose oder A Taste of Honey spielte sie dabei oft tragisch angelegte Frauenrollen.[3] Beginnend mit Ultimatum aus dem Jahr 1938 trat sie auch in einer Reihe französischer Filme auf, jedoch ohne zunächst größere Bekanntheit zu erlangen.
Ihr internationaler Durchbruch kam mit ihrem ersten englischsprachigen Film: Sie übernahm die Rolle der Madame Hortense in der Literaturverfilmung Alexis Sorbas an der Seite von Anthony Quinn und Alan Bates, obgleich ihre Englischkenntnisse bis dahin schlecht waren und sie für den Film die Sprache weiter erlernen musste.[4] Auf der Oscarverleihung 1965 wurde sie für ihre Darstellung mit dem Oscar als Beste Nebendarstellerin ausgezeichnet. 1984 gewann sie für die gleiche Rolle in einer Theaterfassung von Alexis Sorbas am Broadway den Tony Award.
In Erinnerung bleibt auch ihre Verkörperung der in der DDR festsitzenden Gräfin Kuchinska in Alfred Hitchcocks Thriller Der zerrissene Vorhang (1966) neben Paul Newman und Julie Andrews. In der Londoner Inszenierung des Musicals Cabaret wirkte sie 1968 als Fräulein Schneider mit. In den 1970er-Jahren folgten für Kedrowa unter anderem Nebenrollen in Roman Polańskis Thriller Der Mieter und an der Seite von Romy Schneider in Die Liebe einer Frau von Costa-Gavras. Insgesamt umfasst ihr filmisches Schaffen mehr als 60 Film- und Fernsehproduktionen bis einschließlich 1993.
Lilja Kedrowa war vom 16. Februar 1968 bis zu ihrem Tod mit Richard Howard verheiratet. Sie starb nach längerer Erkrankung an Alzheimer im Jahr 2000 in ihrem kanadischen Sommersitz in Sault Ste. Marie, Ontario an einer Lungenentzündung.[5]
Filmografie (Auswahl)
- 1938: Ultimatum
- 1953: Weg ohne Umkehr
- 1954: Weiße Sklavinnen für Tanger (Les impures)
- 1954: Der Abtrünnige (Le défroqué)
- 1955: Razzia in Paris (Razzia sur la chnouf)
- 1956: Hauptstraße (Calle Mayor)
- 1956: Hyänen unter sich (Jusqu’au dernier)
- 1958: Montparnasse 19 (Les Amants de Montparnasse)
- 1958: Ein Weib wie der Satan (La femme et le pantin)
- 1959: Jons und Erdme
- 1963: Verflucht und vergessen (La mort d’un tueur)
- 1964: Alexis Sorbas (Zorba The Greek)
- 1965: Sturm über Jamaika (A high wind in Jamaica)
- 1965: Penelope
- 1966: Der zerrissene Vorhang (Torn Curtain)
- 1966: Maigret und der Würger von Montmartre (Maigret à Pigalle)
- 1968: Das Mädchen, das nicht ja sagen konnte (Il suo modo di fare)
- 1970: Der Brief an den Kreml (The Kremlin Letter)
- 1971: Das Pariser Appartement (A Time for Living)
- 1971: Rak
- 1973: Weiche Betten, harte Schlachten (Soft Beds, hard Battles)
- 1975: Spuren auf dem Mond (Le orme)
- 1976: Der Mieter (Le locataire)
- 1977: Fetzig, frei und endlich high (Moi, fleur bleue)
- 1978: Edouard, der Herzensbrecher (Le cavaleur)
- 1979: Der Weg ins Paradies (Les égouts de paradis)
- 1979: Die Liebe einer Frau (Clair de femme)
- 1981: Blood Tide
- 1981: Liebe ein Leben lang (Tell me a riddle)
- 1983: Das letzte Testament (Testament)
- 1984: Camelot – Der Fluch des goldenen Schwertes (Sword of the Valiant – The Legend of Gawain and the Green Knight)
- 1988: Some Girls
- 1993: La prossima volta il fuoco
Weblinks
- Lilja Kedrowa bei IMDb
Einzelnachweise
- ↑ Irene Kedroff (Soprano) - Short Biography. Abgerufen am 25. November 2025.
- ↑ Vera Rule: Lila Kedrova. In: The Guardian. 24. April 2000, ISSN 0261-3077 (theguardian.com [abgerufen am 25. November 2025]).
- ↑ Vera Rule: Lila Kedrova. In: The Guardian. 24. April 2000, ISSN 0261-3077 (theguardian.com [abgerufen am 25. November 2025]).
- ↑ Vera Rule: Lila Kedrova. In: The Guardian. 24. April 2000, ISSN 0261-3077 (theguardian.com [abgerufen am 25. November 2025]).
- ↑ Tony Winner Lila Kedrova, of Zorba, is Dead. In: Playbill. Abgerufen am 25. November 2025 (englisch).