Lilias Ashworth Hallett

Lilias Sophia Ashworth Hallett (* 18. April 1844 in Poynton, Cheshire; † 28. Januar 1922 in Bath, Somerset) war eine englisch-britische Frauenrechtlerin und Suffragette. Sie war eine führende Organisatorin und Geldgeberin der frühen Aktivitäten zum Frauenwahlrecht. Sie stand den militanten Methoden der Suffragetten in den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg skeptisch gegenüber, räumte aber ein, dass damit Fortschritte erzielt wurden, die sie selbst jahrelang vergeblich angestrebt hatte.[1]

Leben

Ashworth war die zweite Tochter von Thomas Ashworth und seiner Frau Sophia, geborene Bright, die kurz nach Ashworths Geburt starb.[1] Ihre Mutter stammte aus einer einflussreichen Quäkerfamilie, zu deren bekannten Mitgliedern Margaret Bright Lucas, John Bright, Jacob Bright und Priscilla Bright McLaren gehörten.[2] Ashworth war reich und bezog Einkünfte aus dem Nachlass ihres Vaters. Mit Blick auf das eigentumsabhängige Wahlrecht (für Männer) zu ihrer Zeit, scherzte Ashworth, dass ihr Vermögen ihr sieben Stimmen einbringen sollte.[3]

1867 trat sie der London Society for Women's Suffrage bei. Zu ihren Freundinnen dort zählte Lydia Becker.[4] Sie war eine beeindruckende Rednerin zum Thema Frauenwahlrecht und wurde mit ihrem Onkel Jacob Bright verglichen.[5]

Von 1870 bis 1894 war Ashworth eine der ehrenamtlichen Sekretärinnen der Bristol & West of England Society for Women's Suffrage mit Sitz in Bristol.[6] 1871 war sie als Rednerin auf einer großen Tournee tätig, die von der Society im West Englands organisiert wurde, um öffentliche Unterstützung für die Frauenwahlrechtsbewegung zu gewinnen. Ashworth schrieb Berichte über ihre frühen Vortragsreisen[7] und reflektierte später, dass schon „die Neuheit, weibliche Rednerinnen zu hören, die Menschenmassen zu den Versammlungen lockte“.[8] In einem Rückblick auf die Bristoler Bewegung von 1918 kommentiert der Autor einen Presseartikel:

In those days it was an almost unheard of thing for women, and especially such young women, to speak in public, and strange comments were made in the public press. One Editor, in moving a vote of thanks, said: He had «never heard ladies speak before, and could not help thinking that those who could be so interesting and amusing on a platform must be very pleasant, good comrades to live with at home.»

„Damals war es für Frauen, insbesondere für so junge Frauen, fast undenkbar, in der Öffentlichkeit zu sprechen, und in der Presse wurden dazu seltsame Kommentare geschrieben. Ein Redakteur sagte schrieb – durchaus als Dank gemeint – er habe «noch nie zuvor Frauen sprechen hören und könne sich des Eindrucks nicht erwehren, dass diejenigen, die auf einer Bühne so interessant und unterhaltsam sein könnten, auch zu Hause sehr angenehme und gute Gefährtinnen sein würden».“[6]

Zu dieser Zeit lebte Ashworth mit ihrer Schwester außerhalb von Bath. Beide spendeten große Summen an die Frauenwahlrechtsvereinigung in Bristol.[9] In Bath war Ashworth Mitglied der Ortsgruppe Bath der National Union of Women’s Suffrage Societies (NUWSS).[10] Sie sprach sich in Bath „sehr entschieden“ dafür aus, dass die Parteipolitik keinen Einfluss auf die Frauenwahlrechtsbewegung nehmen dürfe.[11]

1877 heiratete Ashworth Thomas Hallett, der 1876 zum Dozenten für politische Ökonomie an der University of Bristol ernannt worden war.[12]

1903 wurde Ashworth Hallett Mitglied des Exekutivkomitees der NUWSS.[1] 1906 trat sie der Women’s Social and Political Union (WSPU) bei und wurde eine der Geldgeberinnen der WSPU. Ab 1906 spendete sie über 160 Pfund für deren Kosten in den Jahren 1907 und 1908.[3] Sie organisierte Feierlichkeiten im Savoy Hotel für aus dem Holloway Prison entlassene Suffragetten. In den Anfangsjahren der WSPU warb die Organisation mit der Unterstützung durch Ashworth und andere Quäkerinnen.[2]

Ashworth Hallett wurde 1910 nach Eagle House, dem Haus von Emily und Mary Blathwayt in Batheaston in Somerset, eingeladen. Sie war bereits 1908 dort gewesen, um eine Sitzung zu leiten. Eagle House war wegen seiner Unterstützung für die Bewegung auch als „Suffragette’s Rest“ bekannt. Wie andere Suffragetten wurde Ashworth Hallett eingeladen, im Garten von Eagle House, Annie’s Arboretum genannt, einen Baum zu pflanzen, um ihrem Einsatz für ihre Sache zu gedenken. Ashworth Hallett pflanzte am 19. März 1910 einen Stechpalmenstrauch.[1][13] Wie die Blathwayts hatte Ashworth Hallett gemischte Gefühle gegenüber der Militanz innerhalb der Suffragettenbewegung. Emily Blathwayt schrieb in ihr Tagebuch, sie sei durch die Militanten „krank geworden“, aber Ashworth Hallett sagte auch, dass es die Militanten waren, die den Fortschritt erzielten, den sie selbst viele Jahre lang vergeblich angestrebt hatte.[3]

Ashworth Hallett starb 1922.[1]

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Einzelnachweise

  1. a b c d e John Simkin: Lilias Ashworth Hallett. In: Women’s Suffrage. Spartacus Educational, Oktober 2022, abgerufen am 13. Oktober 2025.
  2. a b Sandra Stanley Holton: Quaker Women: Personal Life, Memory and Radicalism in the Lives of Women Friends, 1780–1930. Routledge, London 2007, ISBN 978-0-415-28143-0, S. 22, 203 (google.com).
  3. a b c Elizabeth Crawford: The Women’s Suffrage Movement: A Reference Guide 1866–1928. Routledge, London 2003, ISBN 1-135-43401-8, S. 742–746 (google.com).
  4. Joanna M. Williams: The Great Miss Lydia Becker: Suffragist, Scientist & Trailblazer. Pen and Sword History, Barnsley 2022, ISBN 978-1-399-01481-6 (google.com).
  5. John Simkin: Central Committee of the National Society for Women's Suffrage. In: Women’s Suffrage. Spartacus Educational, November 2023, abgerufen am 13. Oktober 2025.
  6. a b S. J. Tanner: How the Women's Suffrage Movement began in Bristol Fifty Years ago. Carlyle Press, Bristol 1918, S. 10–13, 22 (archive.org).
  7. Ian Bild: Bristol’s Other History. Bristol Broadsides, 1983, ISBN 978-0-906944-16-5, S. 101 (google.com).
  8. June Purvis: Women’s History: Britain, 1850–1945: An Introduction. Routledge, London 2008, ISBN 978-1-135-36710-7, S. 188 (google.com).
  9. Lilias Ashworth und Urijah Thomas: Report of the Bristol & West of England Society for Women's Suffrage, 1875. Bristol & West of England Society for Women's Suffrage, Bristol 1876, S. 8 (archive.org).
  10. Elizabeth Crawford: The Women's Suffrage Movement in Britain and Ireland: A Regional Survey. Routledge, London 2013, ISBN 978-1-136-01054-5, S. 138 (google.com).
  11. Madge Dresser und Philip Ollerenshaw: The Making of Modern Bristol. Redcliffe Press, Bristol 1996, ISBN 978-1-900178-25-9, S. 197.
  12. Charles Knighton (Hrsg.): Bristol University: Conception to Foundation. Band 71. Bristol Record Society publications, Bristol 2019, S. 43 (archive.org).
  13. Cynthia Imogen Hammond: Architects, Angels, Activists and the City of Bath, 1765–1965: Engaging with Women's Spatial Interventions in Buildings and Landscape. Taylor & Francis, London 2017, ISBN 978-1-351-57612-3, S. 262 f.