Ligyrophobie

Ligyrophobie (von altgriechisch λιγυρός ligyrós, deutsch 'laut tönend' oder 'vom durchdringenden, scharfen Ton'[1], und φόβος phóbos, deutsch ‚Furcht‘) beschreibt eine spezifische Phobie, die sich durch die Aversion oder panische Angst vor plötzlichen, lauten Geräuschen (insbesondere Knallgeräuschen) auszeichnet.[2][3] Eine Klassifizierung nach ICD-10 oder DSM-5 besteht nicht.

Abgrenzung

Die Ligyrophobie ist nur schwer von der Phonophobie und anderen auf Geräusche bezogene Phobien (Sonophobie, Akustikophobie) abzugrenzen. Deshalb werden diese in der Literatur oft als synonym angesehen.[4][5][6]

Die Ligyrophobie wird in der Literatur als antizipatorische Angst definiert, bei der betroffene Personen Angst erleben und Situationen vermeiden, bei denen bestimmte laute Geräusche auftreten können. Das Unwohlsein wird dabei nicht durch das Geräusch selbst erzeugt.[7] Betroffene Personen zeigen starke Reaktionen des limbischen und autonomen Nervensystems ohne dass dabei jedoch, wie bei Hyperakusis, eine signifikante Aktivierung des auditorischen Systems auftritt.[6]

Die Ligyrophobie bzw. Phonophobie wurde von Forschern als eine extreme Form der Misophonie beschrieben. Allerdings gibt es auch Studien, die die Phonophobie von der Misophonie abgrenzen, da bei den untersuchten Patienten durch misophone Stimuli zwar starke Emotionen hervorgerufen wurden, jedoch keine panische Angst.[8]

In der Psychiatrie haben solche Bezeichnungen von spezifischen Phobien kaum noch Bedeutung, siehe dazu Liste von Phobien.

Symptome

Betroffene Personen können durch laute Geräusche unmittelbare Reaktionen wie erhöhte Angst oder Panik erleben. Die Angst kann während des Geräuschs, bevor es passiert oder nachdem es aufgehört hat, auftreten.[3] Oft handelt es sich dabei um Umgebungsgeräusche, die dem Menschen und dessen Gehör keinen Schaden zufügen können. Betroffene Personen fürchten beispielsweise das Zerplatzen von Luftballons oder knallende Sektkorken. Besonders stark leiden diese Menschen zu Silvester unter den abgefeuerten Raketen und kleineren Feuerwerkskörpern wie Böllern.[2][9]

Die Symptome variieren in ihrer Schwere von Person zu Person und können Angst, Panik, Kurzatmigkeit, erhöhten Herzschlag, Schwitzen, Schwindel, Ohnmacht und Brustschmerzen umfassen. Um die Stimuli zu vermeiden, treffen Betroffene im Alltag häufig besondere Vorkehrungen. Sowohl die Symptome als auch die Vermeidungsstrategien können Stress auslösen und die Fähigkeit beeinträchtigen, alltäglichen Aktivitäten nachzugehen.[3]

Einzelnachweise

  1. Wilhelm Pape: Handwörterbuch der griechischen Sprache. Band 2. Braunschweig 1914, S. 43.
  2. a b Ligyrophobie auf psylex.de
  3. a b c Marino F, Doria G, LoPresti A, Gismondo S, Failla C and Pioggia G (2024) Case report: Advances in treating ligyrophobia with third-generation ACT approach. Front. Psychiatry 15:1425872. doi:10.3389/fpsyt.2024.1425872
  4. Fear of Loud Noises Phobia – Ligyrophobia or Phonophobia auf fearof.net (englisch)
  5. Hypersensitivity of Hearing (Hyperacusis, misophonia, phonophobia and recruitment - decreased sound tolerance) Jonathan Hazell, Director Tinnitus and Hyperacusis Centre, London UK 2002 auf www.tinnitus.org
  6. a b Zamzil Amin Asha'ari, Nora Zain, Ailin Razali: Phonophobia and Hyperacusis: Practical Points from a Case Report. In: The Malaysian journal of medical sciences : MJMS. 2010 (englisch).
  7. James Henry, Sarah Theodoroff, Catherine Edmonds, Idalisse Martinez, Paula Myers, Tara Zaugg, Marie-Christine Goodworth: Sound Tolerance Conditions (Hyperacusis, Misophonia, Noise Sensitivity, and Phonophobia): Definitions and Clinical Management. In: American Journal of Audiology. 2022, doi:10.1044/2022_AJA-22-00035.
  8. Schröder A, Vulink N, Denys D (2013) Misophonia: Diagnostic Criteria for a New Psychiatric Disorder. PLoS ONE 8(1): e54706. https://doi.org/10.1371/journal.pone.0054706
  9. Mike Bryant, Peter Mabbutt: Hypnotherapie für Dummies. John Wiley & Sons (2012)