Life at the Donaueschingen Music Festival
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| Livealbum von Archie Shepp | ||||
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Veröffent- |
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Aufnahme |
21. Oktober 1967 | |||
| Label(s) | SABA, Polydor, MPS | |||
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Format(e) |
LP, CD, Download | |||
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Titel (Anzahl) |
2 | |||
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44:03 | ||||
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Besetzung |
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Aufnahmeort(e) |
Donaueschinger Musiktage | |||
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Life [sic!] at the Donaueschingen Music Festival ist ein Musikalbum von Archie Shepp. Die am 21. Oktober 1967 live bei den Donaueschinger Musiktagen entstandenen Aufnahmen erschienen 1967 in Deutschland auf SABA sowie 1969 in Japan bei MPS und in Großbritannien unter dem Titel One for the Trane bei Polydor.
Hintergrund
Nach 1954, wo Rolf Liebermanns Concerto for Jazzband and Symphony Orchestra uraufgeführt wurde, und 1957, wo André Hodeir und das Modern Jazz Quartet neben der Band von Eddie Sauter auftraten, wurde erst 1967 wieder Jazz bei den Donaueschinger Musiktagen präsentiert – seitdem regelmäßig jedes Jahr.[1][2] Am 21. Oktober 1967 ab 16 Uhr fand in der Stadthalle Donaueschingen ein dreistündiges Konzert als „SWF-Jazz-Session“ statt. Präsentiert wurde neben der Begegnung Jazz Meets India (mit einer Band um Manfred Schoof, Barney Wilen, Irène Schweizer und Keshav Sathe) sowie dem Globe Unity Orchestra (für das Alexander von Schlippenbach einen Kompositionsauftrag erhalten hatte) aus den USA die Archie Shepp Group.[3] Shepp hatte ebenfalls einen Kompositionsauftrag erhalten; seine Komposition One for the Trane war John Coltrane gewidmet, der ein Vierteljahr zuvor am 17. Juli 1967 an Leberkrebs verstorben war.[4]
Der Saxophonist und Komponist Archie Shepp führte dieses Werk in Donaueschingen mit den beiden Posaunisten Grachan Moncur III und Roswell Rudd, dem Bassisten Jimmy Garrison und dem Schlagzeuger Beaver Harris auf. Der Auftritt, Shepp trug dabei afrikanische Gewänder und keinen Anzug, schockierte einen Teil des Neue-Musik-Zirkels im Publikum und auch den Festivalleiter Heinrich Strobel; Joachim Ernst Berendt zufolge, der das resultierende Album gemeinsam mit Hans Georg Brunner-Schwer produzierte, machte, wie er in den Liner Notes betonte, dieses Konzert deutlich, dass gegenüber dem Free Jazz nun die Neue Musik in allen ihren Ausprägungen zum Establishment zählte.[4]
Titelliste
- Archie Shepp: Life at the Donaueschingen Music Festival (SABA 15 148 ST)[5]
- One for the Trane, Part I 22:00
- One for the Trane, Part II 21:45
Die Kompositionen stammen von Archie Shepp.
Rezeption
Das dem Album zugrundeliegende Konzert wurde von Joachim E. Berendt „als Anerkennung für den Jazz als Hochkultur“ gewertet, was aus heutiger Sicht allerdings voreilig war. Schon die Meinungen der anwesenden Musikkritiker waren, wenn sie nicht „jovial wohlwollend“ taten, durchaus negativ (wie etwa eine Besprechung von Karlheinz Ludwig Funk in der Frankfurter Rundschau zeigte).[1]
Scott Yanow verlieh dem Album in Allmusic viereinhalb Sterne und lobte, dies sei ein wirklich aufregendes Album. Diese Gruppe würde sich vor einem begeisterten Publikum bei einem deutschen Musikfestival durch das 43,5-minütige „One for the Trane“ austoben. Obwohl er sehr frei und intensiv improvisiere, habe Shepp das Publikum gegen Ende dieses denkwürdigen Auftritts mit einer abgehobenen Version von „The Shadow of Your Smile“ überrascht. Insgesamt repräsentiere dieser temperamentvolle Mitschnitt Avantgarde-Jazz auf seinem Höhepunkt und Archie Shepp in Bestform.[6]
Einzelnachweise
- ↑ a b Julia Neupert: Don’t Call Me Jazz – I’m Music! Jazz bei den Donaueschinger Musiktagen. In: Björn Gottstein, Michael Rebhahn (Hrsg.): Gegenwärtig. 100 Jahre Neue Musik. Die Donaueschinger Musiktage. Henschel, 2021, S. 130–147.
- ↑ Joachim Ernst Berendt: Jazz in Donaueschingen 1954–1994. Versuch eines Rückblicks. In: Josef Häusler (Hrsg.): Spiegel der neuen Musik: Donaueschingen. Chronik, Tendenzen, Werkbesprechungen. Bärenreiter, 1996, S. 408–416.
- ↑ SWF-Jazz-Session Donaueschinger Musiktage 1967. In: SWR. Abgerufen am 26. Oktober 2025.
- ↑ a b Guerrino Mazzola, Paul B. Cherlin: Flow, Gesture, and Spaces in Free Jazz: Towards a Theory of Collaboration. Springer, 2009, S. 9.
- ↑ Archie Shepp: Life at the Donaueschingen Music Festival. In: Discogs. Abgerufen am 26. Oktober 2025 (englisch).
- ↑ Besprechung des Albums von Scott Yanow bei AllMusic (englisch). Abgerufen am 24. Oktober 2025.