Lidia Martini

Lidia Martini (* 2. Juni 1921 in Torre di Mosto; † 20. September 2011 in Padua) war eine italienische Partisanin und Widerstandskämpferin.

Gemeinsam mit ihren Schwestern Teresa, Carla Liliana und Renata beteiligte sich Lidia Martini aktiv an dem Netzwerk, das mit Pater Placido Cortese und Armando Romani verbunden war. Ziel dieses Netzwerks war die Rettung von Juden, alliierten Kriegsgefangenen, die aus den Gefangenenlagern geflohen waren, sowie italienischen Militärangehörigen, die sich weigerten, der Italienischen Sozialrepublik zu dienen. Über Mailand und die neutrale Schweiz wurden Hunderte von Menschen in Sicherheit gebracht. Die National Archives in London bewahren umfangreiche und bedeutende Dokumentationen über diese Ereignisse sowie über die sogenannte „Rettungskette“ (Catena di salvezza), wie sie später von Carla Liliana Martini in ihrem Buch bezeichnet wurde.[1]

Biografie

Lidia Martini wurde in Torre di Mosto in der Provinz Venedig geboren. Sie besuchte das naturwissenschaftliche Gymnasium in Rovigo und zog anschließend mit ihrer großen Familie (Vater, Mutter und zwölf Kinder) nach Padua, wo sie in einem großen Haus in der Via Galileo Galilei im historischen Stadtzentrum lebten.

Während ihres Studiums an der Fakultät für Naturwissenschaften kam sie mit Pater Placido Cortese in Kontakt, einem Konventualen des Franziskanerordens und Direktor der Zeitschrift Il Messaggero di Sant’Antonio. Dieses Zusammentreffen wurde durch Armando Romani, einen Offizier der italienischen Luftwaffe, vermittelt, der über einen weiteren Offizier, Vittorio Duse, mit Lidia bekannt gemacht worden war, nachdem dieser sie um Unterricht in Botanik gebeten hatte.

Pater Cortese, istrischer Herkunft, widmete sich nach dem Überfall auf Jugoslawien am 6. April 1941 der Unterstützung zahlreicher Kriegsgefangener aus diesem Gebiet, die im Gefangenenlager Chiesanuova am Stadtrand von Padua interniert waren.

Nach dem Waffenstillstand von Cassibile vom 8. September 1943 und der deutschen Besetzung befanden sich in Padua und Umgebung zahlreiche alliierte Kriegsgefangene sowie italienische Soldaten, die sich der Einberufung entzogen hatten, Deserteure und andere schutzbedürftige Personen. Sie alle waren ständig der Gefahr ausgesetzt, von den deutschen Besatzern oder den Behörden der Italienischen Sozialrepublik verhaftet zu werden.

Pater Cortese stand in Verbindung mit dem Nationalen Befreiungskomitee in Mailand, insbesondere mit dem Latinisten Ezio Franceschini, der gemeinsam mit Concetto Marchesi, dem späteren Rektor der Universität Padua, das Netzwerk „FRAMA“ gründete.

Das Netzwerk hatte seine Basis in der Päpstlichen Basilika des Heiligen Antonius, die über einen extraterritorialen Status verfügte. Dort verwendete Lidia Martini im Beichtstuhl eine verschlüsselte Sprache, um mit Pater Cortese zu kommunizieren (beispielsweise stand das Wort „Besen“ für Personen, die in Sicherheit gebracht werden sollten). Gleichzeitig wurden Fotografien von Ex-voto-Gaben der Pilger zur Herstellung gefälschter Dokumente genutzt, auch mit Unterstützung wohlgesinnter Mitarbeiter der Präfektur.

Ab Dezember 1943 organisierte das Netzwerk zahlreiche Zugreisen, um ehemalige alliierte Kriegsgefangene, Juden und andere vom Nationalsozialismus verfolgte Personen in die Schweiz zu begleiten. Die Schwestern Martini nahmen an vielen dieser Reisen teil und setzten sich dabei immer wieder großen Gefahren aus, um die ihnen anvertrauten Menschen in Sicherheit zu bringen.

Nach der Verhaftung von Liliana und Teresa am 14. März 1944 tauchte Lidia, die der Razzia entgangen war, da sie sich auf der Rückreise von einer dieser Missionen befand, für mehrere Monate in der Brianza unter. Anschließend kehrte sie nach Padua zurück und wurde dort am 17. Januar 1945 ebenfalls verhaftet.

Sie wurde zunächst in das Gefängnis von Venedig gebracht, anschließend in Isolationshaft nach Verona überstellt und schließlich in das Konzentrationslager Bozen (Gries) deportiert. Dort wurde ihr die Wahl gelassen, entweder die Büros der deutschen Behörden zu reinigen – da sie die Sprache beherrschte – oder die Wäsche der Häftlinge mit Ätznatron zu waschen. Sie entschied sich bewusst für die zweite Möglichkeit, auch um das Risiko zu vermeiden, unter Druck belastende Aussagen zu machen. Über diese Zeit sagte sie später: „Die Kraft der Auflehnung in mir war stärker als die Angst.“ Sie blieb bis zu ihrer Befreiung am 3. Mai 1945 in Bozen und kehrte danach über eine lange Reise durch die Schweiz nach Padua zurück.

Lidia Martini wurde offiziell als „partigiana combattente“ (kämpfende Partisanin) der Brigata Pierobon anerkannt.

Im Jahr 1951 heiratete sie und bekam vier Kinder. Anschließend widmete sie sich der Tätigkeit als Lehrerin für Naturwissenschaften und Geografie an verschiedenen weiterführenden Schulen in Padua.

Ab den frühen 2000er-Jahren entschloss sie sich, zahlreiche Zeugnisse über ihre eigenen Erlebnisse sowie über jene ihrer Schwestern und des verstorbenen Pater Cortese abzulegen, der 1944 von den Nationalsozialisten zu Tode gefoltert worden war. Diese Berichte richteten sich vor allem an Schülerinnen und Schüler, in der Hoffnung, die Erinnerung an diese Ereignisse bei den jungen Generationen wachzuhalten.

Am 5. Oktober 2008 wurde in der Stadt Padua ein „Garten der Gerechten der Welt“ eingeweiht, in dem eine Gedenktafel an „Pater Placido Cortese und seine Gruppe“, einschließlich der Schwestern Martini, erinnert.

Lidia Martini starb am 20. September 2011 in Padua.[2]

Literatur

  • Carla Liliana Martini: Catena di salvezza: solidarietà nella lotta contro la barbarie nazifascista. Edizioni Messaggero, Padua 2005, ISBN 978-88-250-1551-5.
Commons: Lidia Martini – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Catena di salvezza
  2. Heute die Beerdigung von Lidia Martini, Heldin der Shoah. 23. September 2011, abgerufen am 20. Februar 2025.