Lia Timmermans

Cecilia „Lia“ Timmermans (* 9. August 1920 in Lier; † 14. Juni 2002 in Ostende) war eine flämische Schriftstellerin.

Leben

Lia Timmermans wuchs als älteste Tochter des Schriftstellers Felix Timmermans und von Marieke Timmermans mit ihren jüngeren Schwestern Clara und Antoinette „Tonet“ in der Provinz Antwerpen auf. Sie studierte Kunstgeschichte und Archäologie an der K.U. Leuven und war ab 1946 verheiratet mit dem Reeder Lou Apeslagh. Das Paar zog im selben Jahr nach Ostende, wo sie mehrere Jahre unterrichtete und zahlreiche Bücher schrieb.[1][2]

1961/1962 übersetzte Lia Timmermans Königin Fabiolas Märchen „Los doce cuentos maravillosos“ unter dem Titel „De twaalf wonderlijke sprookjes“ ins Niederländische.[3] Sie wurde ihre „erste Hofdame“ und begleitete die Königin von 1962 bis 2000 regelmäßig zu kulturellen Veranstaltungen.[1]

Ein historischer Roman über die Azoren, an dem Lia Timmermans jahrelang gearbeitet hatte, blieb unvollendet.[2] Lia Timmermans starb 2002 in ihrem Haus in der Jozef II straat 25 in Ostende und wurde auf dem Friedhof Stuiverstraat beigesetzt.[4] Königin Fabiola nahm an der Trauerfeier in der St. Peter-und-Paul-Kirche in Ostende teil.[1][3]

Das Letterenhuis in Antwerpen bewahrt aus dem Nachlass von Lia Timmermans mehrere Skripte, Hörspielmanuskripte, Korrespondenz mit dem Verleger Pieter Nicolaas van Kampen, Porträtfotos, Ankündigungen von Vorträgen und Buchveröffentlichungen sowie Material aus ihren Kontakten mit Königin Fabiola auf.[1][3]

Schriftstellerisches Wirken

Im Jahr 1949 erschien Lia Timmermans Märchensammlung „Vertelselkens van ons land“ (Geschichten aus unserer Heimat). Danach veröffentlichte sie für eine erwachsene Leserschaft 1951 „Mijn vader“ (Mein Vater), ein Buch über Felix Timmermans, für das Lia Timmermans 1952 mit dem Literaturpreis der Provinz Antwerpen ausgezeichnet wurde, 1955 die satirische Erzählung „De ridder en zijn gade“ (Der Ritter und seine Frau), eine ironische Darstellung des Kleinbürgertums, und 1959 „Verloren zomerdag“ (Der verlorene Sommertag) über zwei Mädchen, die sich in einen jungen Ingenieur verlieben. Das Buch wurde ins Deutsche übersetzt, in der 25-teiligen Reihe „Zilveren Kompas“ veröffentlicht, als Hörspiel und Schulausgabe adaptiert und in den Schullehrplan aufgenommen.[1] Mit ihrem 1963 erschienenen Roman „Sabine Mardagas“ über eine Liebesgeschichte aus der Sicht einer jungen Frau, die im historischen Brügge mit seinen strengen Traditionen spielt,[3] gewann Lia Timmermans den Preis der Katholischen Schriftgelehrten.[1]

In ihrer weiteren schriftstellerische Tätigkeit konzentrierte Lia Timmermans sich hauptsächlich auf Kinderliteratur. Sie schrieb Abenteuerreihen wie „Janneke en Mieke“ (1963–1967) und „Widdel en Waddel“ (1968–1972). Illustriert wurden die Bände von ihrer jüngeren Schwester Antoinette „Tonet“ Meyer-Timmermans. 1966 gewann Lia Timmermans mit „Janneke en Mieke en het geheimachtige blauwe duifje“ (Janneke und Mieke und die geheimnisvolle blaue Taube) den Referendumspreis für Kinderbücher (den Vorläufer des Boekenleeuw).[1][3]

Auszeichnungen

  • 1952: Literaturpreis der Provinz Antwerpen für „Mijn vader“
  • 1963: Prijs der Scriptores Catholici für „Sabine Mardagas“
  • 1965: Literaturpreis der Provinz Antwerpen(Kinder- und Jugendbuch) für „Janneke en Mieke en de slimme rode kraai“
  • 1966: Referendumprijs voor het Kinderboek (Vorläufer des Bücherlöwens) für „Janneke en Mieke en het geheimachtige blauwe duifje“[3]

Werke (Auswahl)

  • Widdel en Waddel. 1968–1972, Kinderbuchserie in sechs Bänden
  • Janneke en Mieke. 1963–1967, Kinderbuchserie in neun Bänden (deutsch: Jan und Mie)
  • Kerstvertellingen. 1964
  • Sabine Mardagas. Van Kampen, Amsterdam 1963
  • Sterretje. 1961
  • #Een hartje van roos bordpapier. 1960
  • Van kat tot poes. 1960
  • Verloren zomerdag. Van Kampen, Amsterdam 1959
  • De ridder en zijn gade. Desclée de Brouwer, Brügge 1955
  • Tante Martha komt. 1954
  • Het kleine album van Martha. 1954
  • Mijn vader. Desclée de Brouwer, Brügge 1951
  • Vertelselkens van ons land. 1949[3]

Auf Deutsch erschienene Bücher:

  • Jan und Mie und der kluge rote Rabe. Pustet, Regensburg 1966
  • Jan und Mie und der Wunderhirsch. Pustet, Regensburg 1966
  • Weihnachtserzählungen. Matari Verlag, Hamburg 1965
  • Sabine Mardagas. Bibliotheca Christiana, Bonn 1964
  • Verlorener Sommertag. Bibliotheca Christiana, Bonn 1961
  • Noblesse oblige. Verlag Bonner Buchgemeinde, Bonn 1956
  • Mein Vater. Ein Erinnerungsbuch an Felix Timmermans. Insel-Verlag, Leipzig 1952[3]

Einzelnachweise

  1. a b c d e f g Lia Timmermans - biografie. In: letterenhuis.be. Abgerufen am 22. September 2025
  2. a b Anneleen van Offel: Lia Timmermans x Anneleen Van Offel. In: letterenhuis.be. Abgerufen am 22. September 2025
  3. a b c d e f g h Biografie von Lia Timmermanns (niederländisch)
  4. Begraafplaats Stuiverstraat. In: Begraafplaats Stuiverstraat. Abgerufen am 22. September 2025