Lew Solomonowitsch Galperin
Lew Solomonowitsch Galperin (russisch Лев Соломонович Гальперин, wissenschaftliche Transliteration Lev Solomonovič Gal’perin; * 20. Januar 1889 in Bronewka, Kreis Proskurow, Gouvernement Podolien, Russisches Kaiserreich; † 5. Februar 1938) war ein russisch-sowjetischer Künstler. Sein Werk ist stark vom Kubismus beeinflusst.[1]
Leben
Galperin wurde am 20. Januar 1889 im Dorf Bronewka im Kreis Proskurow als Sohn einer reichen jüdischen Familie geboren. Die Familie war 1896/97 in die Gegend gezogen. Er wurde von einem Hauslehrer unterrichtet.[1]
1908–09 studierte er Skulptur in Odessa. 1910 zog er nach Paris, wo er für eineinhalb Jahre abends an einer Kunstschule Unterricht nahm, vor allem in Bildhauerei. Er besuchte zudem die Russische Akademie von Marie Vassilieff (1911/12 bis 1914), sowie die Académie de la Grande Chaumière unter Antoine Bourdelle und besaß ab 1912 sein eigenes Atelier, in dem er als Bildhauer arbeitete. Innerhalb der Russischen Akademie wurde er 1913 ein gewähltes Mitglied und ihr Sekretär, zudem arbeitete er an der Zeitschrift Helios, die sie herausgab.[1]
Während des ersten Weltkrieges besuchte er das heutige Griechenland und die Türkei und lebte von 1914 bis 1919 in Alexandria, wo er als Bildhauer arbeitete und Privatunterricht gab. Seine finanzielle Lage in Alexandria war prekär. 1919 zog er nach Palästina und schloss sich der Künstlergruppe Ha’Tamar (Palme) in Jaffa an. Diese war von Künstlern aus Odessa gegründet worden, die nach Jaffa ausgewandert waren. Nach ihrer ersten Ausstellung in Tel Aviv organisierten fünf Künstler der Gruppe, darunter Galperin, eine Wanderausstellung, die in Jaffa, Jerusalem, sowie in Kairo und Alexandria Station machte.[1]
Im Herbst 1920 zog Galperin nach Wien und Ende 1921[2] nach Moskau. 1922 wurde er Mitglied und Sekretär der Jüdischen Kulturbunds, ab Frühling 1923 arbeitete er für die Zeitschrift Schisn Natzionalnostej (Шисн Национальностей). Kurz darauf begann er für den Zentralverlag der Völker der UdSSR zu arbeiten, zuletzt als Grafiker. 1928 zog er nach Leningrad, wo er als Grafiker und Maler arbeitete. In der 1932 stattfindenden Ausstellung Künstler der RSFSR: 15 Jahre zeigte er Gemälde von 1928 bis 1929, wobei es sich hauptsächtlich um Porträts handelte. Zwischen 1930 und 1932 arbeitete er als Lektor für die Zeitschrift Nauka i technika (Наука и техника) und anschließend wieder als Künstler. In der Zeit von 1932 bis 1934 war er eng verbunden mit einer Gruppe von Studenten von Kasimir Malewitsch. Im September 1934 begann er Unterricht an der Kunstschule für Kinder im Bezirk Wyborski in Leningrad zu geben.[1]
Am 26. Dezember 1934 wurde Galperin verhaftet, etwa zeitgleich mit anderen Künstlern wie Wera Jermolajewa. Andere Künstler hatten in Verhören angegeben, Galperin hätte „anti-sowjetische politische Ansichten“ und zeige „anti-sowjetisches Aktivitäten“. In einem Verhör 1935 gestand er nackte Porträts von Lenin und Stalin gemalt zu haben, wobei er damit zeigen wollte, dass neben der heroischen Darstellung in der Presse, diese auch nur normale Menschen sind. Er wurde unter Artikel 58-10 des sowjetischen Strafgesetzbuches verurteilt und „als gefährliches soziales Element“ für fünf Jahre für ein Arbeitserziehungslager vorgesehen. Galperin war im Arbeitslager Karlag inhaftiert, von wo er am 5. Oktober 1936 ins Lager Dmitlag in der Nähe Moskaus transferiert wurde, wo er bis 1937 blieb. Am 25. Januar 1938 wurde ihm erneut Vergehen nach Artikel 58-10 wegen anti-sowjetischer Agitation unter den Gefangenen und Lob gegenüber dem deutschen Faschismus vorgeworfen. Er verweigerte ein Geständnis und wurde am 5. Februar 1938 aufgrund eines Beschlusses der Troika erschossen.[1]
Galperin wurde posthum am 20. August 1989 von seiner ersten und am 21. Oktober 1993 von seiner zweiten Verurteilung rehabilitiert.[1]
Werke (Auswahl)
- Auf seinen Knien, zwischen 1922/27, Gouache auf Papier, 28,5 × 19 cm, Nukus, Kunstmuseum der Republik Karakalpakistan „I. W. Sawizki“
- Porträt einer Bourgeoisin, zwischen 1922/27, St. Petersburg, Russisches Museum
- Kinderspiele, zwischen 1922/27, St. Petersburg, Russisches Museum
- Imaginäre Stadt, frühe 1930er Jahre, Tempera und Öl auf Leinwand, 59 × 71 cm, St. Petersburg, Sammlung Juri L. Krol
Literatur
- Yuri Krol: Galperin, Lev Solomonovich. In: Homage to Savitsky. Collecting 20th-Century Russian and Uzbek Art. Stuttgart 2015, S. 76–79 (siehe auch die Kurzbiografie auf S. 205).
Einzelnachweise
- ↑ a b c d e f g Yuri Krol: Galperin, Lev Solomonovich. In: Homage to Savitsky. Collecting 20th-Century Russian and Uzbek Art. Stuttgart 2015, S. 76–79 (siehe auch die Kurzbiografie auf S. 205).
- ↑ Die Kurzbiografie in Homage to Savitsky, S. 205 nennt 1917 als Rückkehrdatum nach Moskau. Die ausführliche Biographie von Juri Krol beschreibt für diesen Zeitraum aber den Aufenthalt in Alexandria und Palästina und scheint daher schlüssiger.