Leopold von Plawenn

Leopold von Plawenn OSB (* um 1620 in Innsbruck; † 8. März 1682 in Urspring) war ein Tiroler Benediktiner, Komponist und Musikverleger.

Leben

Er entstammt dem Tiroler Adelsgeschlecht der Herren von Plawenn. Sein Vater Andreas von Plawenn wirkte in Innsbruck als erzherzoglicher Rat im Diensten von Claudia de’ Medici. Der Name Leopold war sein Ordensname. Da sein Taufname bislang nicht ermittelt werden konnte, ist seine genaue genealogische Zuordnung nicht gesichert. Er könnte Andreas’ zweiter Sohn Franz Ulrich gewesen sein, oder aber sein jüngster Sohn Friedrich.

Er trat zu einem unbekannten Zeitpunkt als Benediktiner in das Kloster Zwiefalten ein. Er hatte seine Profess bereits abgelegt, als er 1647 in der Abtei Marienberg eintraf,[1][2][3] die nur wenige Kilometer vom Stammsitz seiner Familie im Vinschgau gelegen ist. Vielleicht nahm er dort Zuflucht vor den Wirren des Dreißigjährigen Kriegs. Auch dürfte Plawenn dort mit Alfons I. Stadlmayr zusammengetroffen sein, dem Sohn von Johann Stadlmayr und späteren Abt von Weingarten, der einen prägenden Eindruck auf sein kompositorisches Schaffen gehabt haben könnte. Nach zwei Monaten kehrte Plawenn nach Zwiefalten zurück, wo er ab 1655 die Klosterschule leitete.[4] 1662 wechselte er als Prior und Beichtvater an das Benediktinerinnen-Kloster Urspring, wo er 1682 starb.

Der Rotula Leopolds sowie dem Zwiefaltener Nekrologium zufolge galt Leopold von Plawenn seinen zeitgenössischen Mitbrüdern, als „ausgezeichneter Musikus, der sehr gut Vokalwerke komponierte“ („musicus insignis, magna cum laude cantiones composuit“).[5] Plawenns Werke waren in Mitteleuropa weit verbreitet und stießen sogar im protestantischen Umfeld auf Interesse. So wurden seine Messen in Leipzig aufgeführt, und der Stockholmer Hofkapellmeister Gustav Düben schuf Bearbeitungen von einigen Motetten Plawenns.[6]

Werk

Plawenn komponierte 90 Motetten, je vier Messen, Requiems und Marianische Litaneien, eine Antiphon (Asperges), fünf instrumentale Fugen und eine Phantasia.[6] Seine Werke gab er zwischen 1659 und 1679 in vier Sammeldrucken heraus, von denen nur das vierte vollständig, die ersten drei nur fragmentarisch erhalten sind. Alle Drucke sind mit dem poetischen Titel Sacrae nymphae duplicium aquarum überschrieben, eine Huldigung an das Gnadenbild des Klosters Zwiefalten, das die Gottesmutter Maria als Quellnymphe am Zusammenfluss der beiden Flüsse von Zwiefalten deutet. Er griff damit einen Titel auf, den eine Generation vor ihm schon der Zwiefaltener Organist Johann Brandstetter (möglicherweise Plawenns Lehrer) verwendet hatte.[7]

Werke

  • Sacrae nymphae duplicium aquarum in dei et divorum laudes, a 3. 4. 5. & 6. vocibus & instrumentis animatae. [Innsbruck, Michael Wagner]. 1659; urn:nbn:de:bvb:12-bsb00094141-9, urn:nbn:de:bvb:12-bsb00072621-6.[8]
  • Sacrae nymphae duplicium aquarium in dei, deiparae et divorum laudes, a 3. 4. 5. 6 vocibus & instrumentis animatae, liber secundus. [Innsbruck, Michael Wagner]. 1669; Digitalisat auf Gallica.[9]
  • Sacrarum nympharum duplicium aquarum. Opus Tertium. | Missis 4.4.5.6.7 & 8. Vocibus ac Instrumentis 2. ne-|cessarijs caeteris vnà cum Choro vocali | ad placitum. | AVCTORE | R. P. BENEDICTI Sacerdote | Professo Zvvifaltensi | Cantus I. | Cum Facultate Superiorum, | Typis Ducali Monasterij Campidonensis | Per Rudolphum Dreher, Anno M. DC. LXXII. op. 3. 1672; urn:nbn:de:bvb:12-bsb00093420-3, Digitalisat in der Google-Buchsuche.[10]
  • Sacrae nymphae duplicium aquarum in dei, deiparae et divorum laudes, | A 3. 4. 5. & 6. Vocibus ac Instrumentis | Animatae | Opus Quartum. | Auctore | R. P. LEOPOLDO á PLAWENN, | Ordinis S. P. BENEDICTI Sacerdote Pro- | fesso Zwifaltensi. | BASSUS Generalis. | Cum Facultate Superiorum. | Sumptibus AUTHORIS, Typis KÜHNIANIS. | Anno. M. DC. LXXIX. op. 4. 1679.[11]

Aufnahmen/Tonträger

  • Tiroler Passions- und Osterkonzert 2000. Darin: Fugen Nr. 1 und 2 aus Sacrae nymphae duplicium aquarum op. 3. Institut für Tiroler Musikforschung Innsbruck, 2001.
  • Tyrol Baroque. Barocke Highlights aus Tirol. Darin: Sacrae nymphae op. 4, Fuge Nr. 1. Affetti Musicali. Ernst Kubitschek (Dir.). Klingende Kostbarkeiten Aus Tirol – 50. Institut für Tiroler Musikforschung Innsbruck.
  • Leopold von Plawenn – Sacrae Nymphae Op. 4. Tiroler Tage für Kirchenmusik 2010 Stift Stams. Neue Innsbrucker Hofkapelle, Jörg-Andreas Bötticher (Dir.). Klingende Kostbarkeiten Aus Tirol – 75. Institut für Tiroler Musikforschung Innsbruck, 2010.[12]
  • Wie der Hirsch schreit nach frischem Wasser. Motetten & Canzonen Tiroler Barockkomponisten. Leopold von Plawenn, Ingenuin Molitor, Johann Stadlmayr. Sabine Neumann, Satoshi Mizukoshi, Peter Kooij, Vita & Anima, Peter Waldner (Orgelpositiv u. Ltg.). Musikmuseum – 6. Tiroler Landesmuseen – CD13005, 2011.

Literatur

  • François-Joseph Fétis: Biographie universelle des musiciens et bibliographie générale de la musique. 2. Auflage. Band 7. Firmin-Didot, Paris 1864, S. 74; Textarchiv – Internet Archive.
  • Robert Eitner: Biographisch-Bibliographisches Quellen-Lexikon der Musiker und Musikgelehrten der christlichen Zeitrechnung bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts . Band 7. Breitkopf & Härtel, Leipzig 1902, S. 471 f.; Textarchiv – Internet Archive.
  • Kurt Drexel: Musikgeschichte Tirols: Von der Frühen Neuzeit bis zum Ende des 19. Jahrhunderts. Band 2. Universitätsverlag Wagner, Innsbruck 2001, ISBN 3-7030-0389-8.

Hörproben

Einzelnachweise

  1. Peter Waldner: Musik und Musikpflege des 17. Jahrhunderts im Benediktinerkloster Marienberg. In: Rainer Loose (Hrsg.): Neunhundert Jahre Benediktinerabtei Marienberg. Tappeiner, Lana 1996, ISBN 88-7073-215-0, S. 347–366, hier S. 360 f.; eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche.
  2. Rainer Loose: Marienberg und Tirol. 900 Jahre Benediktinerabtei (Schuls-)Marienberg 1096–1996. In: Studien und Mitteilungen zur Geschichte des Benediktiner-Ordens und seiner Zweige, Band 108, 1997, ISSN 0303-4224, S. 97–111, hier S. 107; eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche.
  3. Daniela Sadgorski: Marienberg. In: Oesterreichisches Musiklexikon. Online-Ausgabe, Wien 2002 ff., ISBN 3-7001-3077-5; Druckausgabe: Band 3, Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 2004, ISBN 3-7001-3045-7.
  4. Konrad Küster: Zwiefalter Klostermusik und oberschwäbische Musikgeschichte. In: Hermann Josef Pretsch (Hrsg.): 900 Jahre Benediktinerabtei Zwiefalten. Süddeutsche Verlagsgesellschaft, Ulm 1990, ISBN 3-88294-119-7, S. 229–242, hier S. 235 f.; freidok.uni-freiburg.de (PDF; 2,1 MB).
  5. Pirmin Lindner: Professbuch der Benediktiner-Abtei Zwiefalten. Commissions-Verlag von Jos. Kösel, Kempten ; München 1910. Zitiert nach: Hildegard Hermann-Schneider: Leopold von Plawenn OSB: ein „ausgezeichneter Musicus“ und „sehr guter Komponist“ In: Leopold von Plawenn. Abendmusiken in der Predigerkirche Basel, 9. August 2020 (PDF; 15,4 MB)
  6. a b Hildegard Hermann-Schneider: Leopold von Plawenn OSB: ein „ausgezeichneter Musicus“ und „sehr guter Komponist“ In: Leopold von Plawenn. Abendmusiken in der Predigerkirche Basel, 9. August 2020 (PDF; 15,4 MB)
  7. Axel Beer: Brandstetter, Johann. In: Ludwig Finscher (Hrsg.): Die Musik in Geschichte und Gegenwart. Zweite Ausgabe, Personenteil, Band 3 (Bjelinski – Calzabigi). Bärenreiter/Metzler, Kassel u. a. 2000, ISBN 3-7618-1113-6 (Online-Ausgabe, für Vollzugriff Abonnement erforderlich)
  8. RISM ID: 990050036
  9. RISM ID: 990050037
  10. RISM ID: 990050038
  11. RISM ID: 990050039
  12. Johan van Veen: CD reviews: Sacred music of the 17th century in Tirol. In: musica Dei donum. 2013, abgerufen am 19. Oktober 2025 (englisch).