Leopold von Gudenus

Leopold Graf von Gudenus (* 15. September 1843 auf Schloss Mühlbach, Gemeinde Hohenwarth-Mühlbach am Manhartsberg[1]; † 1. Oktober 1913 auf Schloss Ulrichskirchen[2]) war ein österreichischer Diplomat, Landmarschall von Niederösterreich, zuletzt Oberstkämmerer des Kaisers und Abgeordneter zum Österreichischen Abgeordnetenhaus[3] aus der Adelsfamilie Gudenus.

Leben

Herkunft und Familie

Er war der Sohn des Gabriel Johann Georg Johann Baptist Virgil Anton Freiherr von Gudenus (1795–1879), sowie seiner Gemahlin Ludovika Theresia Ghislaine Freiin von Bartenstein (1814–1878)[4]. Die Deszendenz des 1879 verstorbenen Gabriel Freiherrn von Gudenus wurde durch Allerhöchste Entschließung von Kaiser Franz Joseph am 16. August 1907 in Ischl in den österreichischen Grafenstand erhoben. Das Diplom wurde am 22. Oktober 1907 in Wien ausgestellt. Als eines von 64 gräflichen Geschlechtern erhielt die Familie am 14. Juni 1907 einen erblichen Sitz im Herrenhaus, dem Oberhaus des österreichischen Reichsrates.

Der Großvater war Johann Baptist Heinrich Franz de Paula Vinzenz Ferrer Josef Alexander Franz von Sales Albert Laurenz Freiherr von Gudenus (1753–1838), welcher mit der Schwester des Fürsten Koháry, Mária Anna Gabriela Magdalena Theresia Dominica (1768–1822), verheiratet war.[5]

Leopolds ältere Brüder waren Heinrich Johann Baptist Graf von Gudenus (1839–1915), österreichischer Gutsbesitzer in Waidhofen an der Thaya etc., sowie Politiker (erbliches Mitglied des Herrenhauses) und Josef Graf von Gudenus (1841–1919), österreichischer Gutsbesitzer (Mühlbach) und Politiker (Landmarschall von Niederösterreich).[4] Er war der Schwiegersohn von Josef Fürst Colloredo-Mannsfeld und der Schwager von Hieronymus Graf Mannsfeld und Franz Graf Colloredo-Mannsfeld.

Ausbildung und Karriere

Leopold Graf von Gudenus ging auf das Jesuitenkonvikt Leuven (Belgien) und von 1858 bis 1861 auf das Jesuitenkolleg Stella Matutina in Feldkirch (Vorarlberg). Danach studierte Rechtswissenschaften an der Universität Bonn (1864) und Wien (1863–1866). Er war kurz im aktiven Militärdienst, machte als Ulanenleutnant an der Schlacht bei Königgrätz mit,[6] wurde aber schon im November 1866 als Unterleutnant außer Dienst gestellt. 1868 trat er in den diplomatischen Dienst als Attaché in Rom ein. 1870 wurde er Legationssekretär in Paris und 1872 in St. Petersburg. Im Jahr 1875 ging er in Disponibilität und ab 1878 (als Erbe der Mutter) wurde er Mitbesitzer des Guts Ulrichskirchen.

Im Jahr 1877 heiratete er Ida Gräfin Colloredo-Mansfeld, Tochter des Fürsten Josef Franz Hieronymus von Colloredo-Mannsfeld. Das Paar hatte eine Tochter und einen Sohn, der jung starb. Seine Tochter Theresia Karolina Ludovika (1880–1930) heiratete 1899 in Wien den Johann Maximilian Alexius Aloys Maria Graf zu Hardegg auf Glatz und in Machlande (1870–1945).[4]

Von 1884 bis 1894 war er im niederösterreichischen Landtag (V. und VI. Wahlperiode), als Abgeordneter des Großgrundbesitzes und bekleidete im Jahr 1893 und 1894 das Amt des Landmarschalls von Niederösterreich.

Vom 22. September 1885 bis zu seinem Rücktritt am 19. April 1893[7] war er Abgeordneter des Abgeordnetenhauses im Reichsrat (VII. und VIII. Legislaturperiode) und war dort für die Kurie Niederösterreich, Großgrundbesitz zuständig. Aufgrund der Ernennung zum Landmarschall von Niederösterreich trat er aus dem Abgeordnetenhaus zurück.

Leopold Graf von Gudenus war 1885 Mitglied im Deutschösterreichischen Klub und ab dem 6. November 1888 bei den Vereinigten Deutschen Linken (Verfassungstreuer Großgrundbesitz).

1894 wurde er Obersthofmeister der Kronprinzessin-Witwe Stephanie[8], darauf folgte von 1897 bis 1904 sein Dienst als Oberstjägermeister[9], anschließend wurde er bis zu seinem Tode 1913 Oberstkämmerer des Kaisers[10].

Als Präsident des Patriotischen Hilfsvereins vom Roten Kreuz für Niederösterreich und Bundes-Vizepräsident der österreichischen Gesellschaft vom Roten Kreuz war er 1904 bis 1909 aktiv.

Er starb am 1. Oktober 1913 im Alter von 70 Jahren laut Sterbebuch an „Verschluss der Gallenwege, Magenentartung“.

Ehrungen

Leopold von Gudenus war Träger der folgenden österreichischen Orden:[11][10][12]

Er war auch Träger zahlreicher nicht-österreichischer Orden:

Literatur

Einzelnachweise

  1. Matricula Online – Muehlbach am Manhartsberg, Taufbuch, 1825–1864, Seite 54, 1. Zeile
  2. Matricula Online – Ulrichskirchen, Sterbebuch, 1899–1935, Seite 101, Eintrag Nr. 23, 5. Zeile
  3. Gudenus, Leopold Freiherr, Graf (1907) von, Kurzbiographie auf den Webseiten des österreichischen Parlaments, abgerufen am 23. Dezember 2025.
  4. a b c Stammbaum gräfliche Linie. Abgerufen am 25. November 2019.
  5. Stammbaum Stammlinie. Abgerufen am 25. November 2019.
  6. Oberstkämmerer Graf Leopold Gudenus †. In: Fremden-Blatt, 2. Oktober 1913, S. 6–7 (online bei ANNO).Vorlage:ANNO/Wartung/fdb
  7. Mandatsniederlegung In: Stenographische Protokolle des Abgeordnetenhauses des Reichsrates 1861–1918, Jahrgang 0011, XI. Session, S. 11106 links oben (online bei ANNO).
  8. Hof- und Staats-Handbuch der Österreichisch-Ungarischen Monarchie für das Jahr 1895, S. 42
  9. Hof- und Staats-Handbuch der Österreichisch-Ungarischen Monarchie für das Jahr 1898, S. 16
  10. a b Hof- und Staats-Handbuch der Österreichisch-Ungarischen Monarchie für das Jahr 1913, S. 16
  11. Oberstkämmerer Graf Leopold Gudenus †, Militärische Rundschau, 2. Oktober 1913, S. 4–5
  12. Hof- und Staats-Handbuch der Österreichisch-Ungarischen Monarchie für das Jahr 1912, S. XV-XVI