Leopold Levy (Jurist)

Leopold Levy (* 28. Oktober 1867 in Fraustadt, Polen; † 5. Juli 1940 in Berlin) war ein deutscher Richter und Rechtswissenschaftler.

Leben

Levy kam am 28. Oktober 1867 als Sohn des jüdischen Justizrates Meyer Levy und seiner Frau Roza (Rosa) in Fraustadt im heutigen Polen zur Welt. Nach dem Studium der Rechtswissenschaften und dem sich daran anschließenden Assessorexamen, wurde Levy am 30. Juni 1904 zum Richter am Amtsgericht Senftenberg ernannt. Später wechselte er an das Amtsgericht Charlottenburg, wo er insbesondere für Konkurs- und Vergleichssachen zuständig war. Zum 1. April 1933 wurde er wegen Erreichen der regulären Altersgrenze pensioniert. Neben seiner richterlichen Tätigkeit lehrte Levy auch an der Handelshochschule Berlin.

Levys wissenschaftliches Interesse galt dem Konkurs- und Vergleichsrecht. Aus seiner Feder erschienen neben zwei Kommentaren und einem Lehrbuch auch mehrere Aufsätze in renommierten Fachzeitschriften. 1927 gründete Levy gemeinsam mit dem anerkannten Rechtsprofessor Ernst Jaeger die Zeitschrift Konkurs- und Treuhandwesen. Monatsschrift für deutsches Recht. 1935 musste Levy infolge der antijüdischen Maßnahmen (Arisierung) der Nationalsozialisten die Zeitschrift an den Carl Heymanns Verlag verkaufen und als ihr Herausgeber ausscheiden.[1] Er starb am 5. Juli 1940 an den Folgen von Leberkrebs. Nach seinem Tod machte seine Witwe mehrere Rückerstattungsansprüche vor den Wiedergutmachungsämtern Berlin geltend.[1]

Seine Schwester Helene Wolff, geb. Levy, wurde von den Nationalsozialisten im Rahmen der T-4 Aktion ermordet.[2]

Die von Levy gegründete Fachzeitschrift erschien ab 1955 unter dem Titel KTS – Zeitschrift für Konkurs-, Treuhand- und Schiedsgerichtswesen.[3] Seit 2004 firmiert sie nur noch unter dem Titel KTS – Zeitschrift für Insolvenzrecht.

Schriften

  • Kommentar zur Vergleichsordnung, Berlin 1927 (3. Aufl. 1932)
  • Lehrbuch zum Konkursrecht, 2. Aufl., Berlin 1926

Literatur

  • Felix Schreivogel: Leopold Levy (1867–1940) – „Altmeister“ des Insolvenzrechts, in: Zeitschrift für das gesamte Insolvenz- und Sanierungsrecht (ZInsO) 2025, Heft 42, S. 2131–2144.
  • Horst Göppinger: Juristen jüdischer Abstammung im „Dritten Reich“, 2. Aufl., München 1990, ISBN 3-406-33902-6, S. 370, 381.
  • Hans Bergemann, Simone Ladwig-Winters, Richter und Staatsanwälte jüdischer Herkunft in Preußen im Nationalsozialismus, Köln 2004, ISBN 3-89817-352-6, S. 242.

Einzelnachweise

  1. a b Felix Schreivogel: Leopold Levy (1867–1940) – „Altmeister“ des Insolvenzrechts. In: Zeitschrift für das gesamte Insolvenz- und Sanierungsrecht (ZInsO). Heft 42. Wolters Kluwer, 2025, ISSN 2568-6380, S. 2139 f.
  2. Stefanie Wilson: Helene Wolff, geb. Levy. In: Stolpersteine in Berlin. 15. Juli 2022, abgerufen am 17. Oktober 2025.
  3. Christoph Becker: Von »Konkurs- und Treuhandwesen« bis zu »KTS. Zeitschrift für Insolvenzrecht«. In: Zeitschrift für Insolvenzrecht (KTS). Heft 4. Carl Heymanns Verlag, 2019, ISSN 1432-461X, S. 427–438.