Leonhard Fürst

Leonhard Fürst (* 13. Juni 1904 in Nürnberg; † 1972 in Röthenbach bei Sankt Wolfgang) war ein deutscher Filmdramaturg, Musikwissenschaftler, Filmschriftsteller und Synchronregisseur, der heute insbesondere für seine Drehbuch- und Regiearbeiten bei Propagandafilmen des NS-Regimes bekannt ist.

Leben und Wirken

Fürst studierte Musikwissenschaft an der Universität Erlangen und promovierte dort 1932 mit der Habilitationsschrift Der musikalische Ausdruck der Körperbewegung in der Opernmusik.[1]

Bereits in den 1930er Jahren forschte Leonhard Fürst intensiv im Bereich der Wirkung und Rolle von Musiken in Tonfilmen. So war er 1933 Gast auf dem Internationalen Musikkongress in Florenz und hielt dort einen Vortrag mit dem Thema Prinzipien musikalischer Gestaltung im Tonfilm.[2]

Zeitweise war Fürst Dozent an der Deutschen Filmakademie. Von 1935 bis 1937 war Leonhard Fürst Leiter der Dramaturgischen Abteilung der Reichsfilmkammer und zugleich Chefdramaturg der Tobis Film. In dieser Funktion arbeitete Fürst als Drehbuchautor sowie Regisseur an diversen Propagandafilmen des NS-Regimes so bei dem dokumentarischen Kurzfilm Arbeiter - heute, welcher von der Deutschen Arbeitsfront (DAF) sowie dem Berliner Propaganda-Amt produziert wurde. Für den Propagandafilm Verräter von 1935 (u. a. mit Willy Birgel und Paul Dahlke) steuerte Fürst das Drehbuch bei. Bei dem dokumentarischen Propaganda-Kurzfilm Klar Schiff zum Gefecht. Ein Film von der deutschen Flotte führte er 1936 Regie.[3][4]

Von 1936 bis 1938 war Leonhard Fürst Chefredakteur der Zeitschrift Der Deutsche Film. Zeitschrift für Filmkunst und Filmwirtschaft in welcher Fürst auch als Autor Beiträge verfasste, in denen er sich insbesondere mit den Themen der Problematiken dramaturgischer Gestaltungen von Spielfilmen, der musikalischen Gestaltung von Tonfilmen sowie auch der Identifizierung und Abgrenzung des „deutschen Films“ im internationalen Vergleich beschäftigte.

Leonhard Fürst wurde zum Wehrdienst eingezogen und kämpfte im Zweiten Weltkrieg.[5] Ab 1945 war Leonhard Fürst zunächst als Synchronregisseur in Berlin tätig, so beispielsweise 1950 bei dem französischen Spielfilm Rasputin von 1938 (Berliner Synchron GmbH) und Anfang der 1950er Jahre bei dem US-amerikanischen Melodrama Vom Winde verweht von 1939 (MGM-Synchronisations-Atelier).[6] In der Nachkriegszeit war er Vorsitzender des Film-Clubs seiner Geburtsstadt Nürnberg.[7]

1953 wurde Leonhard Fürst zum Fernseh-Produktionsleiter des Süddeutschen Rundfunks in Stuttgart ernannt.[8] In dieser Tätigkeit führte Fürst in den 1950er und 1960er Jahren insbesondere in Kurz- und Lehrfilmen Regie, die von der IFAGE Filmproduktion, Internationale Fernsehagentur, GmbH in Wiesbaden produziert wurden.

Spätestens seit 1949 hatte Leonhard Fürst seinen Hauptwohnsitz in Röthenbach bei Sankt Wolfgang, wo er 1972 starb.[7]

Moderne Rezeption und Kritik

Im Bereich der Geschichts- und Filmwissenschaften steht Leonhard Fürst bis heute vorwiegend aufgrund seines Wirkens im Bereich der medialen Propaganda in der Kritik.

Neben Fürsts aktiven Arbeiten im Bereich des Propagandafilmes, geraten auch immer wieder Äußerungen Leonhard Fürsts in dessen Publikationen in die Kritik. So etwa Fürsts nachdrückliches Lob von Leni Riefenstahls Monumentalfilm Olympia von 1936.[9]

Filmwissenschaftlich gilt Leonhard Fürst dennoch mit seinen Beiträgen und Referaten zum Thema Filmwissenschaft in den 1930er Jahren bis heute als einer der Vorreiter im Bereich der vergleichenden Filmwissenschaft.[10]

Filmografie (Auswahl)

  • 1935: Arbeiter – heute
  • 1935: Im Lande Widukinds
  • 1936: Verräter
  • 1936: Klar Schiff zum Gefecht. Ein Film von der deutschen Flotte
  • 1937: Mutterlied
  • 1958: Die Spaltung des Atoms
  • 1958: Wir bauen ein Haus
  • 1959: Das sprechende Licht
  • 1959: Der Weg zu den Sternen
  • 1959: Baue – mit Verstand!
  • 1960: Das Leben mit dem Atom
  • 1963: Geschäft auf Gegenseitigkeit

Bibliografie (Auswahl)

  • Filmgestaltung aus der Musik. In: Melos, Band 12, H. 1, 1933, S. 18.
  • „Zwei Herzen im Dreivierteltakt“. In: Melos, Band 12, H. 3, 1933, S. 95.
  • „Über die Grundlinien der Filmwissenschaft“. In: Die Musik, Band 26, Nummer 4, Januar 1934, 254–58.
  • „System oder Zufall? - II. Die Filmschule.“ In: Der Deutsche Film, 2. Jg., H. 5, November 1937, S. 136ff.
  • „Woran liegt es? Von der Problematik des Filmschaffens.“ In: Der Deutsche Film, 2. Jg., H. 5, November 1937, 125-28.
  • „Was ist ein Experiment?“ In: Der Deutsche Film, 2. Jg., H. 6, Dezember 1937, S. 151.
  • Deutschlands repräsentativster Film. Gedanken vor Leni Riefenstahls Olympia-Film. In: Der Deutsche Film, 2. Jg., H. 9, März 1938, 247ff.
  • „Der Begriff Filmisch“. Von der Bedeutung eines Buches. In: Der Deutsche Film, 2. Jg., H. 11, Mai 1938, S. 295.
  • Der Film im Fernsehbetrieb. In: Fernsehen, Ausgabe 11, 1954, S. 611 und Fernsehen, Ausgabe 12, 1954, S. 672.

Literatur

  • Uli Jung: Der deutsche Film. Aspekte seiner Geschichte von den Anfängen bis zur Gegenwart. Wissenschaftlicher Verlag, Berlin 1993, ISBN 3-88476-063-7.
  • Judith Prokasky, Reiner Rother (Hrsg.): Die Kamera als Waffe. Propagandabilder des Zweiten Weltkriegs. edition text + kritik, München 2018, ISBN 978-3-86916-067-2.

Einzelnachweise

  1. Leonhard Fürst: Der musikalische Ausdruck der Körperbewegung in der Opernmusik. Miesbach 1932 (aarome.org [abgerufen am 25. Dezember 2025] W.F. Mayr).
  2. Congresso internazionale di musica, Florenz; Maggio musicale florentino (Hrsg.): Atti del primo Congresso internazionale di musica, Firenze, 30 aprile-4 maggio 1933. F. Le Monnier, Florenz 1935, S. 216 ff.
  3. Ulrich Kurowski, Andreas Meyer, Peter Pewas: Der Filmregisseur Peter Pewas: Materialien und Dokumente. Wissenschaftsverlag Volker Spiess, Berlin 1981, S. 25.
  4. Leonhard Fürst | filmportal.de. Abgerufen am 25. Dezember 2025.
  5. Reichsfilmkammer (Hrsg.): Der Deutsche Film. Band 6. Max Hesses Verlag, Berlin 1941, S. 27.
  6. Deutsche Synchronkartei | Dialogregie | Leonhard Fürst. Abgerufen am 25. Dezember 2025.
  7. a b Das große Film- und Kino-Adressbuch - 1950/51. Band 2. Neue Verlag Ges., Baden-Baden 1949, S. 19.
  8. Deutsche Kinotechnische Gesellschaft für Film und Fernsehen (Hrsg.): Kino-Technik. Band 7-8. Verlag für Radio-Foto-Kinotechnik, Berlin-Borsigwalde 1953, S. 199.
  9. Rainer Rother: Leni Riefenstahl und der „absolute Film“. In: Harro Segeberg (Hrsg.): Mediale Mobilmachung I - Das dritte Reich und der Film (Mediengeschichte des Films Band 4). Wilhelm Fink Verlag, München 2004, S. 129–149.
  10. Hans Traub, Rainer Rother, Deutsche Kinemathek – Museum für Film und Fernsehen (Hrsg.): Wörterbuch des Films. Neofelis Verlag, Berlin 2017, S. 239.