Leonard Cheshire

Geoffrey Leonard Cheshire, Baron Cheshire VC, OM, DSO**, DFC (* 7. September 1917 in Hoole, Chester; † 31. Juli 1992 in Cavendish, Suffolk) war ein englischer Pilot der Royal Air Force, Offizier und Philanthrop.

Leben

Leonard Cheshire war der Sohn von Geoffrey Chevalier Cheshire, einem Barrister (Rechtsanwalt) und Kommentator des Common Law. Seine Mutter war Primrose Barstow. Er wuchs nahe Oxford auf.

Um Ostern 1936 organisierte sein Vater einen Aufenthalt im nationalsozialistischen Deutschland in der Familie Ludwig von Reuters. Cheshire verweigerte den Hitlergruß und geriet dadurch in Schwierigkeiten.

Im selben Jahr begann er ein Studium am Merton College der University of Oxford und begann bei der dortigen Oxford University Air Squadron eine Pilotenausbildung. Im November 1937 wurde er als Offizier in die Royal Air Force Volunteer Reserve und nach Abschluss seines Studiums im Oktober 1939[1] in die reguläre Royal Air Force übernommen. Als Bomberpilot, zunächst eines Armstrong Whitworth Whitley, flog Cheshire bereits ab 1940 Kampfeinsätze. Ab März 1943 war er Kommandeur der No. 617 Squadron.[2] Er flog mehr als 100 Einsätze in vier Tours of Duty. Hierzu trat er im Oktober 1943 von einer Beförderung zum Group Captain zurück, um weiter am aktiven Flugdienst teilnehmen zu können.[3] Er war damals mit 25 Jahren der jüngste Group Captain der Royal Air Force.[2] Seine Aufgabe in der 617. Squadron war die Markierung des Angriffsziels als Pathfinder, zunächst mit einer De Havilland Mosquito, später auch mit einer North American Mustang.[4] Dabei tat er sich insbesondere bei der Erprobung neuer Markierungsmethoden im Tiefflug hervor.[3] Einer seiner letzten Kampfeinsätze war ein Bombenangriff auf München April 1944.[3] In Würdigung seiner militärischen Leistungen wurde Cheshire im September 1944 mit dem Victoria Cross, der höchsten militärischen Auszeichnung des Commonwealth, geehrt.[2][3][5] Danach erhielt er administrative Aufgaben, unter anderem in der British Joint Mission in Washington.[5] Im Januar 1946 schied er aus gesundheitlichen Gründen aus dem Militärdienst aus und erhielt erneut den Rang eines Group Captain.[6]

Nach dem Krieg gründete er 1948 eine Stiftung für Unterstützung und Pflege körperlich Behinderter. Am 17. Juli 1991 wurde er für seinen sozialen Einsatz als Baron Cheshire, of Woodhall in the County of Lincolnshire, zum Life Peer ernannt.[7] Er war dadurch auf Lebenszeit Mitglied des House of Lords, wo er der Fraktion der Crossbencher angehörte.

Er war ab 1941 in erster Ehe mit der US-amerikanischen Schauspielerin Constance Binney (1896–1989) und ab 1959 in zweiter Ehe mit der Philanthropin Susan Ryder, Baroness Ryder of Warsaw (1924–2000) verheiratet. Beide Ehen blieben kinderlos.

Literatur

  • Max Hastings: Bomber Command. Michael Joseph Ltd., London 1979, ISBN 0-330-26236-X (englisch).
Commons: Leonard Cheshire – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. London Gazette. Nr. 34713, HMSO, London, 20. Oktober 1939, S. 7039 (Digitalisat, englisch).
  2. a b c Leonard Cheshire. Royal British Legion, abgerufen am 6. April 2025 (englisch).
  3. a b c d London Gazette (Supplement). Nr. 36693, HMSO, London, 5. September 1944, S. 4175 (Digitalisat, englisch).
  4. Group Captain Leonard Cheshire VC, OM, DSO and two bars, DFC. Lincolnshire Life, 1. November 2011, abgerufen am 6. April 2025 (englisch).
  5. a b For Valour: Wing Commander Geoffrey Leonard Cheshire. RAF Museum, 8. September 2024, abgerufen am 6. April 2025 (englisch).
  6. London Gazette (Supplement). Nr. 37447, HMSO, London, 25. Januar 1946, S. 712 (Digitalisat, englisch).
  7. London Gazette. Nr. 52608, HMSO, London, 22. Juli 1991, S. 11147 (Digitalisat, englisch).