Leo Schützendorf
Leo Schützendorf (* 7. Mai 1886 in Lindenthal; † 18. Dezember 1931 in Berlin-Wilmersdorf)[1] war ein deutscher Opernsänger in der Stimmlage Bassbariton.
Leben
Leo Schützendorf war das jüngste der sieben Kinder des Destillerie- und Likörfabrikbesitzers Julius Schützendorf (* 1843 Hückeswagen; † 1897 Köln) und von Mathilda Schützendorf, geb. Hausmann (* 1844 Essen; † 1908 Köln-Lindenthal). Drei seiner Brüder wurden ebenfalls Opernsänger: Guido (1880–1967), Alfons (* 1882) und Gustav (1884–1937); Eugen (* 1875 Essen; † 1948 Halle) wurde Pianist.
Leo arbeitete zunächst als kaufmännischer Lehrling, 1904 begann seine musikalische Ausbildung am Kölner Konservatorium, sein Gesanglehrer war Alexander d’Arnals. Er debütierte 1908 am Opernhaus von Düsseldorf, sang dann 1909–10 am Stadttheater von Münster (Westfalen), 1910–12 am Stadttheater von Krefeld, 1912–17 am Hoftheater von Darmstadt und von 1917 bis 1919 am Hoftheater von Wiesbaden. Im letzten Jahr des Ersten Weltkriegs wurde er zum Militärdienst eingezogen; die Kriegserfahrungen hatten ein schweres nervliches Leiden zur Folge, das Schützendorf zeit seines Lebens wiederholt zu Klinikaufenthalten zwang.
Seinen Vertrag mit der Wiener Staatsoper 1919/20 löste Schützendorf bereits nach einem Jahr wieder wegen Unterbeschäftigung, er gastierte aber nochmals 1922/23 dort.[2] Seine große Karriere begann mit der Verpflichtung an die Berliner Staatsoper im Herbst 1920. Hier begeisterte er das Publikum vor allem durch seine Darstellung von Buffo-Typen (van Bett in Zar und Zimmermann, Beckmesser in den Meistersingern). Er bestritt dort insgesamt 445 Vorstellungen in 47 verschiedenen Partien. Am 14. Dezember 1925 sang er an der Berliner Staatsoper in der viel beachteten Uraufführung von Alban Bergs Oper Wozzeck die Titelpartie (Dirigent: Erich Kleiber). Am 9. Oktober 1926 wirkte er in der Berliner Erstaufführung von Prokofjews Die Liebe zu den drei Orangen als Leander mit (Dirigent: Leo Blech), am 2. März 1927 war der „Ehemann“ in der Uraufführung von Kurt Weills Royal Palace (Krolloper, Dirigent: Erich Kleiber).
1923 bereiste er mit einem Ensemble, das sein Sängerkollege Cornelis Bronsgeest zusammengestellt hatte, die Niederlande. Im Februar 1925 sang er bei einem Gastspiel der Berliner Staatsoper in Amsterdam den Ochs im Rosenkavalier (Dirigenten Max von Schillings und Kleiber), im Mai 1926 sang er dort die Titelpartie in Don Giovanni (Dirigent: Karl Muck). Weitere Gastspiele führten ihn an alle großen deutschen Opernhäuser. In der Spielzeit 1924/25 gehörte er dem Ensemble der Berliner Volksoper an, an der Zoppoter Waldoper sang er 1929 den Beckmesser in den Meistersingern.
Großen Erfolg hatte Schützendorf auch als Operettensänger: als Zsupan im Zigeunerbaron, Ollendorf im Bettelstudenten oder als „König“ an der Seite von Gitta Alpar und Richard Tauber in der Uraufführung der Lehár-Operette Schön ist die Welt (3. Dezember 1930, Metropol-Theater). Als die Direktion der Berliner Staatsoper ihm 1929 diese – seinerzeit von vielen Künstler ausgeübte – Tätigkeit verbot, wanderte er gänzlich zur Operette ab und widmete sich nur noch gelegentlich bei Gastspielen dem Operngesang. Die mit dieser Tätigkeit verbundenen langen Reisen und der En-suite-Spielbetrieb griffen seine labile Gesundheit beträchtlich an; Schützendorf starb im Alter von nur 45 Jahren im Dezember 1931 in Berlin. Er wurde auf dem Friedhof Heerstraße beigesetzt (Feld 18, Eckgrabstelle).[3]
1908 heiratete Schützendorf in London Mia Betsch. Der gemeinsame Sohn Ludwig (Louis) Schützendorf wurde 1909 in Köln geboren.
Tondokumente
Aufnahmen mit Leo Schützendorf finden sich auf den Labeln Odeon (1922), Homocord (1923, 1926 und 1930), Grammophon/Polydor (1925/26), Vox (1927/28), Electrola (1928 und 1930/31), Ultraphon/Telefunken (1929/30) und Tri-Ergon (1930/31).
Hörspiele
- 1927: N. N.: Zweite Karnevalistische Sitzung und Fastnacht – Regie: Nicht angegeben (Original-Hörspiel – Funk-Stunde Berlin)[4]
Literatur
- Eugen Schützendorf: Künstlerblut: Leo Schützendorf und seine Brüder. Deutsche Buchvertriebs- und Verlagsgesellschaft, Berlin 1943.
- Clemens Höslinger: Begleittext zur LP Leo Schützendorf. Preiser Records/Lebendige Vergangenheit LV 123, Wien 1979.
- Günter Walter, Jürgen E. Schmidt und Manfred Weihermüller: Leo Schützendorf: Biographie und Discographie. In: Stimmen die um die Welt gingen. Heft Nr. 1, 1983, S. 1–12.
- Schützendorf, Leo in: Karl-Josef Kutsch, Leo Riemens, Hansjörg Rost: Großes Sängerlexikon. Vierte, erweiterte und aktualisierte Auflage. K. G. Saur, München 2003, ISBN 3-598-11598-9 (7 Bände). S. 4290.
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ Standesamt Berlin-Wilmersdorf, Sterbeurkunde Nr. 1440 vom 19. Dezember 1931
- ↑ Archiv der Wiener Staatsoper
- ↑ Hans-Jürgen Mende: Lexikon Berliner Grabstätten. Haude & Spener, Berlin 2006, ISBN 3-7759-0478-X, S. 199
- ↑ ARD-Hörspieldatenbank (Zweite Karnevalistische Sitzung und Fastnacht, Funk-Stunde Berlin 1927)