Leo Heilbrunn

Leo Heilbrunn (* 16. Juli 1891 in Böhmisch-Leipa, Österreich-Ungarn; † 28. Oktober 1944 im KZ Auschwitz) war ein jüdischer tschechoslowakischer Chemiker und Gebrauchsgrafiker und Opfer des Holocaust.

Leben und Werk

Heilbrunn kam aus einer jüdischen Familie. Seine Eltern waren Salomon und Julie Heilbrunn, geb. Neumann, seine Geschwister Ella verh. Neumann (* 1892; † 1942 auf dem Transport von Theresienstadt in das Vernichtungslager Sobibor) und Margaretha Josefa Heilbrunn (* 1892)[1].

Er nahm am Ersten Weltkrieg teil, studierte in Berlin Chemie und promovierte 1921 an der Philosophischen Fakultät der Universität Berlin zum Thema Über Quecksilbersubstitutionsprodukte der Chinolinreihe des 6. Oxychinolins zum Dr. phil.[2] Er arbeitete dann als Chemiker vor allem für deutsche Unternehmen. Nach dem Ende des Kriegs kehrte er in die neu gegründete Tschechoslowakei zurück. Er arbeitete in Prag als erfolgreicher Reklamegrafiker und -Zeichner. Von besonderer Bedeutung war von 1923 bis 1928 seine Tätigkeit für das Unternehmen für chemische und kosmetische Produkte Alpa von Josef Vesely in Brno, für das er ein umfassendes Werbekonzept erstellte und u. a. das Logo des beliebten Franzbranntweins ALPA Francovka schuf.[3] 1930 entwarf er die Schmuckkassette eines Geburtstagsgeschenks der Firma für den Staatspräsidenten Tomáš Garrigue Masaryk. Heilbrunn arbeitete auch für andere Unternehmen wie Otta Rakovník (Rakona), eine Firma für Seifen, Kosmetika u. Ä., das Modehaus Heinrich Ascher[4] und Baťa, für das er u. a. Werbungen für deren Rennveranstaltungen schuf.

Im Rahmen der systematischen Deportation der Prager Juden wurde Heilbrunn am 10. August 1942 in das Ghetto Theresienstadt deportiert. Wie eine Anzahl weiterer dorthin verschleppter Künstler, u. a. Bedřich Fritta, Leo Haas und Petr Kien, kam er dort in den Zeichensaal des technischen Büros. Sie mussten unter scharfer Aufsicht insbesondere Baupläne zeichnen, Zeichnungen für Propagandamaterial anfertigen, das das Bild von den guten Lebensbedingungen in Theresienstadt stützen sollte, für den persönlichen Gebrauch ihrer Bewacher nach deren Geschmack Bilder malen und für die kommerzielle Verwertung Gemälde berühmter Künstler fälschen. Unter großer Gefahr gelang es einigen von ihnen, illegal tausende Zeichnungen und Grafiken über den Ghettoalltag und sein Grauen anzufertigen. Umfangreiche Überlieferungen gibt es insbesondere von Haas. In der Geschichtsschreibung wird zumeist die Bezeichnung Künstlerkolonie in Theresienstadt benutzt.

Eine der letzten Arbeiten Heilbrunnes war 1943 zusammen mit Kien der Entwurf von Banknoten für Theresienstadt. Von Heilbrunns Arbeiten ist eine Anzahl von Aquarellen mit der Darstellung von Kasernengebäuden, Werkstätten, Ghettoeinrichtungen, von den Wällen und dem Wasserturm erhalten geblieben.

Am 28. Oktober 1944 wurde Heilbrunn in das KZ Auschwitz verbracht, wo er am selben Tag ermordet wurde.

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Einzelnachweise

  1. Encyklopedie dějin města Brna. 2004, abgerufen am 26. Oktober 2025.
  2. Jahrbuch der Dissertationen der Philosophischen Fakultät der Friedrich-Wilhelm-Universität zu Berlin. 1921, S. 45
  3. Z historie výroby francovky Alpa | www.hmccr.cz
  4. Jüdisches Museum Berlin – Sammlungen Online. Abgerufen am 26. Oktober 2025.