Leibnizallee 1

Das Haus Leibnizallee 1 ist eine historistische Villa in der Parkvorstadt von Weimar.

Geschichte

Zur Bauzeit hieß die Leibnizallee Kasernenberg. Kurze Zeit danach wurde der Straßenzug in Wilhelmsallee umbenannt.[1] Die Neorenaissancevilla ließ sich der Hauptmann a. D. Woldermann nach dem Entwurf von Karl Vent errichten. Sie gehört zu den ersten Wohnbauten östlich der Ilm. Wegen der Blickbeziehung zum Residenzschloss musste die Baugenehmigung vom Großherzog eingeholt werden. Der Bau entstand 1872/73. Im Jahr 1932 wurde das Dachgeschoss nach Süden durch eine große Walmdachgaube ausgebaut, 1933 das Kellergeschoss zu Wohnzwecken hergerichtet, 1934 die Einfriedung erneuert, 1935/36 eine Verbindung zum Gartenhaus errichtet und 1938 das Dach an der Nordseite um einen Meter angehoben. Das zweigeschossige verputzte Gebäude ist aus Bruch- und Backstein gemauert. Es hat ein weit auskragendes Traufgesims. Ursprünglich hatte das Haus ein nur gering geneigtes Flachdach. Es ist um einige Meter von der Straßenflucht in das Grundstück zurückgesetzt. Bemerkenswert ist das schmiedeeiserne Einfahrttor. Die Hanglage lässt das Kellergeschoss als Souterrain erscheinen. Der Baukörper ist würfelförmig und wird an der Nordostecke von dem um ein Geschoss erhöhten Treppenhaus akzentuiert. An den beiden nach Westen und Süden weisenden Fassaden befinden sich flache Risalite; zusätzlich ist an der Südseite im Parterre ein auf Konsolen gelagerter Erker angeordnet. Die Geschossgliederung ist aus Berkaer Sandstein. Im Erdgeschoss werden die Kanten durch Polsterquader mit gestockten Spiegeln, im Obergeschoss hingegen durch Pilaster toskanischer Ordnung, hervorgehoben. Der Bau wird durch ein kräftig hervorspringendes Geschossgesims umzogen. Bei den Fensterrahmungen wurden verschiedenfarbige Sandsteine verwendet, was sich auf die für die späthistoristische Architektur charakteristische Polychromie auswirkte. Die Fenster im Parterre haben Ädikularahmungen mit horizontaler Verdachung, während die des Obergeschosses schlichte Profilgewände haben. Das Traufgesims ist mit einem Eierstabfries ergänzt. Trotz der erwähnten baulichen Veränderungen blieben die Raumstruktur mit einer Folge repräsentativer Räume in den beiden Hauptgeschossen sowie Teile der bauzeitlichen Ausstattung wie Türen, Parkettfußböden, Kaminverkleidung und die gewendelte Treppe mit Stabbaluster erhalten. In diesem Hause wohnte der Bauhausmeister Johannes Itten.[2][3] Andere Quellen wie auch eine Gedenktafel verweisen hingegen auf Haus Leibnizallee 2.

Einzelnachweise

  1. Gitta Günther, Rainer Wagner: Weimar. Straßennamen. RhinoVerlag, Ilmenau 2012, S. 94. ISBN 978-3-939399-49-0.
  2. Rainer Müller: Kulturdenkmale in Thüringen: Stadt Weimar, Bd. 4.2.: Stadterweiterung und Ortsteile, E. Reinhold Verlag, Erfurt 2009, S. 773.
  3. Art. Itten, Johannes, in: Gitta Günther, Wolfram Huschke, Walter Steiner (Hrsg.): Weimar. Lexikon zur Stadtgeschichte. Hermann Böhlaus Nachfolger, Weimar 1998, S. 226.

Koordinaten: 50° 58′ 48,8″ N, 11° 20′ 8,4″ O