Leibniz-Institut für Werkstofforientierte Technologien

Leibniz-Institut für Werkstofforientierte Technologien - IWT
Kategorie: Forschungseinrichtung
Träger: Freie Hansestadt Bremen, AWT Arbeitsgemeinschaft Wärmebehandlung und Werkstofftechnik e.V.
Bestehen: seit 1950
Rechtsform des Trägers: Stiftung bürgerlichen Rechts
Sitz des Trägers: Bremen
Mitgliedschaft: Leibniz-Gemeinschaft
Standort der Einrichtung: Bremen
Entstanden aus: Institut für Härterei-Technik (IHT)
Art der Forschung: Grundlagenforschung, anwendungsorientierte Forschung
Fächer: Ingenieurwissenschaften, Materialwissenschaften
Fachgebiete: Materialforschung, Werkstofftechnik, Fertigungstechnik, Verfahrenstechnik, Digitalisierungstechnik, Metallurgie, Additive Fertigung, Hochpräzisionstechnik, Nanotechnologie
Grundfinanzierung: Bund (50 %), Länder (50 %)
Leitung: Vorsitzender des Direktoriums: Rainer Fechte-Heinen, Kaufmännischer Geschäftsführer: Philip Voelcker
Mitarbeiter: ca. 206
Homepage: https://www.iwt-bremen.de/home

Das Leibniz-Institut für Werkstofforientierte Technologien – IWT (kurz Leibniz-IWT) ist ein außeruniversitäres Forschungsinstitut mit Sitz in Bremen. Es betreibt anwendungsorientierte Forschung sowie Grundlagenforschung und Forschungsdienstleistungen auf dem Gebiet hochbeanspruchter metallischer Strukturwerkstoffe. Das Institut ist seit 2018 Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft[1].

Das 1950 als „Institut für Härterei-Technik“ (IHT) gegründete Institut vereint die Fachdisziplinen Werkstofftechnik, Fertigungstechnik, Verfahrenstechnik, Materialprüfungsanstalt und Digitalisierungstechnik unter einem Dach – weltweit in dieser Form einzigartig. Mit über 200 Mitarbeitenden erforscht es die gesamte Prozesskette der Metallverarbeitung – von der Werkstoffentwicklung über innovative Herstellungsprozesse bis zur Qualitätssicherung fertiger Bauteile[2].

Geschichte

Zeittafel

  • 1950 Gründung des Instituts für Härtereitechnik (IHT) in Bremen-Lesum
  • 1975 Überführung der Rechtsform von der eines eingetragenen Vereins in die einer Stiftung privaten (bürgerlichen) Rechts
  • 1986 Erweiterung des Instituts um die Abteilungen Fertigungs- und Verfahrenstechnik und Umbenennung in „Stiftung Institut für Werkstofftechnik (IWT)“
  • 1986/1987 Integration der Amtlichen Materialprüfungsanstalt (MPA) des Landes Bremen in das Institut
  • 1990/91 Umzug in den Institutsneubau im Technologiepark der Universität Bremen
  • 2018 Aufnahme in die Leibniz-Gemeinschaft und Umbenennung in „Leibniz-Institut für Werkstofforientierte Technologien - IWT“

Gründung und frühe Jahre

Die Ursprünge des Leibniz-IWT liegen in der frühen Nachkriegszeit. Am 13. Juli 1950 wurde in Bremen-Lesum das Institut für Härterei-Technik (IHT) als Vorgänger des heutigen Leibniz-IWT gegründet. Erster kommissarischer Leiter war Hubert Meingast, zuvor Oberingenieur bei den Bremer Borgward-Werken[3].

1975 erfolgte die Umwandlung des IHT in eine rechtsfähige Stiftung privaten (bürgerlichen) Rechts, getragen durch das Land Bremen und den Branchenverband Arbeitsgemeinschaft Wärmebehandlung und Werkstofftechnik e. V. (AWT)[3][4].

Kooperation mit der Universität

Anfang der 1980er Jahre intensivierte das Institut die Zusammenarbeit mit der neu gegründeten Universität Bremen: 1981 wurde ein Kooperationsvertrag abgeschlossen und 1983 entstand an der Universität der Fachbereich Produktionstechnik,[5] was den Weg für gemeinsame Berufungen ebnete.

Interdisziplinäre Neuausrichtung

Im Zuge einer strategischen Erweiterung wurde am 24. März 1986 die bis heute bestehende interdisziplinäre Struktur des Instituts begründet: Zusätzlich zur Werkstofftechnik kamen die Abteilungen Fertigungstechnik und Verfahrenstechnik hinzu und das IHT erhielt den neuen Namen „Stiftung Institut für Werkstofftechnik (IWT)“. Die Leitung der drei Hauptabteilungen übernahmen jeweils Direktoren, die zugleich Professuren im Fachbereich Produktionstechnik der Universität Bremen innehatten: Peter Mayr (bereits seit 1981 Leiter, ab 1986 Direktor der Hauptabteilung Werkstofftechnik), P. Günther Werner (Hauptabteilung Fertigungstechnik) und Klaus Bauckhage (Hauptabteilung Verfahrenstechnik). Zum Einrichtungserlass am 1. Januar 1987 wurde außerdem die Amtliche Materialprüfungsanstalt Bremen (MPA) als eigener Geschäftsbereich in das IWT eingegliedert. Die MPA ging aus dem Landesamt für Baustoffprüfung hervor und blieb als Prüf- und Zertifizierungsstelle unter staatlicher Aufsicht, ist seitdem aber organisatorisch Teil des Leibniz-IWT. Neben wissenschaftlichen Projekten bearbeitet die MPA vor allem Serviceleistungen auf dem Gebiet der Werkstoff- und Baustoffprüfung sowie der Schadensanalytik. Im Bereich Bauwesen, Metallische Werkstoffe und Bauteile sowie Mikrobiologie bietet die Einrichtung, die nahe des Flughafens in Bremen verortet ist, Dienstleistungen, Beratung und Zertifizierungen für Forschung und Industrie.

Umzug auf den Campus der Universität Bremen

1990/91 bezog das IWT einen Neubau im Technologiepark auf dem Campus der Universität Bremen, sodass alle Bereiche – bis auf die MPA Bremen – fortan räumlich vereint waren. Diese enge Anbindung an die Universität förderte die interdisziplinäre Forschung entlang der gesamten Prozesskette und erleichterte den Wissenstransfer in die industrielle Anwendung.

Die Abteilung Fertigungstechnik widmete sich unter der Leitung von Professor Ekkard Brinksmeier intensiv dem zukunftsweisenden Feld der Hochpräzisionsbearbeitung. Die Arbeiten auf diesem Gebiet entwickelten sich so erfolgreich, dass im Jahr 2000 ein zusätzliches Labor für Mikrozerspanung (LFM) eingerichtet wurde.

Aufnahme in die Leibniz-Gemeinschaft

Am 1. Januar 2018 wurde das Institut offiziell in die Leibniz-Gemeinschaft aufgenommen[1] und trägt seither den Namen „Leibniz-Institut für Werkstofforientierte Technologien – IWT“. Der Aufnahme ging eine mehrjährige Vorbereitungs- und Begutachtungsphase unter der Institutsleitung von Hans-Werner Zoch voraus, begleitet von Gremien der Leibniz-Gemeinschaft und des Wissenschaftsrates. Der Beitritt wurde am 30. Januar 2018 mit einem Senatsempfang in der Oberen Rathaushalle des Bremer Rathauses feierlich gewürdigt[6].

Am 13. November 2020 entschied die Gemeinsame Wissenschaftskonferenz von Bund und Ländern (GWK) über die Aufnahme der Amtlichen Materialprüfungsanstalt Bremen (MPA) als Teil des Leibniz-IWT in die gemeinsame Förderung durch Bund und Länder. Damit wurde auch der Prüfbereich des Instituts in die Leibniz-Gemeinschaft integriert[7].

Organisation

Rechtsform und Trägerschaft

Das Leibniz-Institut für Werkstofforientierte Technologien – IWT ist eine rechtsfähige Stiftung privaten (bürgerlichen) Rechts mit Sitz in Bremen. Als Stifterinnen fungieren die Arbeitsgemeinschaft Wärmebehandlung und Werkstofftechnik e. V. (AWT)[4] und die Freie Hansestadt Bremen. Seit 2018 ist das Institut Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft und wird seither im Rahmen der gemeinsamen Forschungsförderung von Bund und Ländern unterstützt. Zusätzlich zur Grundfinanzierung durch das Land Bremen erhält das Institut projektbezogene Mittel des Bundes sowie Drittmittel aus öffentlichen und industriellen Quellen[2][7][8].

Gremien

Kuratorium

Das zentrale Aufsichtsorgan des Leibniz-IWT ist das Kuratorium [9]. Es überwacht die Rechtmäßigkeit und Wirtschaftlichkeit der Geschäftsführung und ist in alle wesentlichen strategischen, forschungspolitischen und finanziellen Entscheidungen eingebunden. Das Kuratorium setzt sich aus aktuell neun Mitgliedern zusammen, die die Stifter, die Wissenschaft, die Politik und die Industrie vertreten. Den Vorsitz führt Kay Wenzel, Leiter der Abteilung „Hochschulen und Forschung“ bei der Senatorin für Umwelt, Klima und Wissenschaft der Freien Hansestadt Bremen.

Gemäß Stiftungssatzung beruft das Kuratorium die Mitglieder des Direktoriums und entscheidet über die Bestellung sowie Abberufung des oder der Vorsitzenden aus dem Kreis des Direktoriums.

Wissenschaftlicher Beirat

Zur wissenschaftlichen Beratung des Instituts wurde ein Wissenschaftlicher Beirat eingerichtet[9]. Dieser besteht aus renommierten Persönlichkeiten aus Wissenschaft und Forschung. Den Vorsitz hat Martin Franz-Xaver Wagner (Technische Universität Chemnitz). Der Beirat berät sowohl das Direktorium als auch das Kuratorium in strategischen Fragen zur wissenschaftlichen Entwicklung des Instituts.

Industriebeirat

Ein weiterer Beratungskreis ist der Industriebeirat, der seit 2020 satzungsgemäß besteht. Er setzt sich aus Vertretenden führender Industrieunternehmen zusammen und begleitet das Institut mit Blick auf Praxisnähe, Anwendungsbezug und Zukunftsrelevanz industrieller Forschung. Vorsitzender des Industriebeirats ist Tim Hosenfeldt (Schaeffler AG)[9][10].

Direktorium

Das Leibniz-IWT wird operativ von einem fünfköpfigen Direktorium geleitet

  • Rainer Fechte-Heinen, seit 2020 Vorsitzender des Direktoriums, zugleich Direktor des Programmbereichs I Werkstofftechnik sowie Direktor der angegliederten Amtlichen Materialprüfungsanstalt Bremen (MPA),
  • Philip Voelcker, Kaufmännischer Direktor und stellvertretender Vorsitzender, verantwortlich für Verwaltung, Finanzen und Infrastruktur
  • Lutz Mädler, Direktor des Programmbereichs II Verfahrenstechnik
  • Bernhard Karpuschewski, Direktor des Programmbereichs III Fertigungstechnik
  • Evgeniya Kabliman, Direktorin des 2025 neu etablierten Programmbereichs V DigitalisierungstechnikAlle Mitglieder des Direktoriums sind zugleich Professorinnen bzw. Professoren im Fachbereich Produktionstechnik der Universität Bremen[11].

Struktur

Das Institut gliedert sich in fünf wissenschaftliche Programmbereiche:

  • I – Werkstofftechnik: Wärmebehandlung, Leichtbauwerkstoffe, Strukturmechanik, Physikalische Analytik, Metallographische Analytik sowie Metallurgie und Umformtechnik
  • II – Verfahrenstechnik: Reaktive Sprühtechnik, Prozessierung von Funktionsmaterialien sowie Mehrphasenströmung, Wärme- und Stoffübertragung
  • III – Fertigungstechnik: Geometrisch bestimmte Prozesse, Schleifen und Verzahnung sowie Hochpräzisionsbearbeitung (Labor für Mikrozerspanung – LFM)
  • IV – Materialprüfung (MPA Bremen): Prüfung und Zertifizierung für metallische Werkstoffe, Bauwesen und Mikrobiologie; angesiedelt am Standort Bremen-Neustadt
  • V – Digitalisierungstechnik: Werkstoffmodellierung und -simulation, Digitalisierung und Maschinelles Lernen / KI für Prozessoptimierungen in der werkstofforientierten Produktion (seit 2025)Jeder Programmbereich besteht aus mehreren Fachgruppen, Arbeitsgemeinschaften und Laboren, die jeweils eigene Forschungsschwerpunkte bearbeiten[12].

Zentrale Dienste und weiter Funktionen

Die wissenschaftlichen Arbeiten werden durch spezialisiertes technisches Personal sowie zentrale Serviceeinheiten unterstützt, darunter eine eigene Verwaltung, Wissenschaftskommunikation und IT. Darüber hinaus existieren verschiedene Querschnitts- und Vertrauensfunktionen, etwa ein Frauen- und Gleichstellungsbeauftragtenkollektiv, Inklusionsbeauftragte, ein Data Steward, Ombudspersonen für gute wissenschaftliche Praxis, ein Transferbeauftragter, eine Schwerbehindertenvertretung und ein institutseigener Betriebsrat[12].

Personal

Im Jahr 2024 beschäftigte das Leibniz-IWT insgesamt 206 Mitarbeitende, darunter 67 wissenschaftliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter[13].

Themenfelder

Das Leibniz-IWT forscht entlang der gesamten Prozesskette der metallbasierten Fertigung – von der Materialentwicklung über die Prozessgestaltung bis zur Qualitätssicherung fertiger Bauteile. Die Forschungsbandbreite umfasst die Entwicklung neuer Werkstoffe und Legierungen, Verfahren der Verarbeitung und Wärmebehandlung sowie die Optimierung von Bauteileigenschaften. Ein historischer Schwerpunkt liegt in der Wärmebehandlung und Härterei-Technik, insbesondere der thermochemischen Behandlung von Stählen. Mit der Erweiterung um die Abteilungen Fertigungs- und Verfahrenstechnik im Jahr 1986 kamen weitere Forschungsfelder hinzu, etwa das Zerstäuben metallischer Werkstoffe und die Hochpräzisionsbearbeitung[2][13].

Die interdisziplinäre Struktur ermöglicht es dem Institut, komplexe Fragestellungen ganzheitlich zu bearbeiten – beispielsweise den Einfluss von Fertigungsparametern auf Mikrostruktur, Festigkeit und Lebensdauer von Bauteilen. Die enge Verzahnung von Materialentwicklung, Prozessoptimierung und Bauteilprüfung fördert praxisnahe Lösungen und unterstützt einen effektiven Wissenstransfer in industrielle Anwendungen.

Forschungsschwerpunkte

Additive Fertigung

Das Leibniz-IWT entwickelt neue pulvermetallurgische Werkstoffe und Verfahren für die additive Fertigung, insbesondere für das Laser-Pulverbettverfahren. Ziel ist es, durch gezielte Anpassung von Legierungen und Prozessparametern die Leistungsfähigkeit additiv gefertigter Metallbauteile zu steigern und deren Einsatzmöglichkeiten zu erweitern. Dazu werden unter anderem eigene Metallpulver hergestellt und hinsichtlich ihrer Verarbeitbarkeit analysiert. Der Forschungsschwerpunkt baut auf bestehende Kompetenzen in der Sprühkompaktierung und Pulvermetallurgie auf und wurde seit 2018 erheblich ausgebaut[14].

Wasserstofftechnologien

Im Forschungsschwerpunkt Wasserstofftechnologien steht die Entwicklung von Materialien und Prozessen im Vordergrund, die für eine wasserstoffbasierte Energiewirtschaft erforderlich ist. Untersucht werden beispielsweise Stähle und Beschichtungen, die für Anwendungen in Wasserstoffumgebungen geeignet sind, sowie Prozesse zur Erzeugung und Speicherung von Wasserstoff. Ein besonderer Fokus liegt auf der Wasserstoffversprödung und der Entwicklung geeigneter Gegenmaßnahmen durch neue Legierungen. Ziel ist es, H2-Technologien massentauglich und wirtschaftlich für industrielle Anwendungen zu machen. Dieser Bereich gewinnt vor dem Hintergrund der Energiewende zunehmend an Bedeutung[15].

Digitalisierung

Im Themenfeld Digitalisierung erforscht das Leibniz-IWT neue digitale Methoden zur Prozessoptimierung und Wissensgenerierung in der Produktionstechnik. Dazu gehören Ansätze aus der Datenanalyse, Simulation und Künstlichen Intelligenz, etwa zur Vorhersage von Materialeigenschaften auf Basis von Prozessparametern. Auch die Echtzeit-Auswertung von Sensordaten aus Fertigungsprozessen sowie der Aufbau digitaler Prozessketten sind zentrale Themen. Um diesen Forschungsbereich zu stärken, wurde 2025 ein eigener Programmbereich Digitalisierungstechnik eingerichtet, der als Querschnittsbereich auch die bestehenden Programmbereiche bereichert[16].

Neben diesen Leitthemen bearbeitet das Leibniz-IWT weiterhin klassische Gebiete der Werkstofftechnik (z. B. Randschichthärten, Gefügeanalyse, Zerspanung) und beteiligt sich an Querschnittsinitiativen der Leibniz-Gemeinschaft, etwa im Bereich Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft. Das Institut pflegt darüber hinaus eine enge Verbindung von Forschung und Anwendung: Viele Projekte entstehen in Kooperation mit Industriepartnern oder Verbänden, sodass digitale und werkstofftechnische Innovationen zügig in die industrielle Praxis überführt werden können.

Besondere Projekte und Kooperationen

Im Rahmen seiner Rolle als anwendungsnahe Forschungseinrichtung der Leibniz-Gemeinschaft beteiligt sich das Leibniz-IWT an einer Vielzahl von Drittmittelprojekten auf Landes-, Bundes- und EU-Ebene. Das Institut koordiniert oder beteiligt sich regelmäßig an großangelegten Forschungsverbünden, kooperativen Förderprogrammen sowie industriebezogenen Vorhaben.

Exzellenzcluster

Seit 2025 ist das Leibniz-IWT als Partnerinstitution am Exzellenzcluster „The Martian Mindset – A Scarcity-Driven Engineering Paradigm“ beteiligt, das von der Universität Bremen koordiniert und durch die DFG im Rahmen der Exzellenzstrategie gefördert wird. Der Cluster erforscht innovative Fertigungs- und Werkstofftechnologien für Umgebungen mit extremer Ressourcenknappheit – inspiriert durch die Herausforderungen bemannter Weltraummissionen.

Das Leibniz-IWT bringt seine Expertise in pulvermetallurgischer Verarbeitung, additiver Fertigung und Werkstoffcharakterisierung in den Cluster ein. Die Forschungsergebnisse sollen nicht nur für außerirdische Anwendungen relevant sein, sondern auch zur nachhaltigen und ressourcenschonenden Produktion auf der Erde beitragen[17][18].

DFG-Großforschungsprojekte

Das Leibniz-IWT war in den vergangenen Jahren an mehreren Sonderforschungsbereichen (SFB) beteiligt, die von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert wurden. So war es zentrale Institution im SFB 1232 „Farbige Zustände – Prozessketten zur Herstellung neuer metallischer Konstruktionswerkstoffe“ (2016–2020). Ziel war dort die Entwicklung neuartiger Hochdurchsatzmethoden, mit denen sich effizient neue Legierungen und Prozesskombinationen identifizieren lassen[19][20].

Ebenfalls maßgeblich beteiligt war das Institut am transregionalen Sonderforschungsbereich SFB/TRR 136 „Prozesssignaturen“ (2014–2021)[21], der gemeinsam mit der RWTH Aachen durchgeführt wurde. Dort stand die Untersuchung prozessinduzierter Werkstoffveränderungen – sogenannter Prozesssignaturen – im Fokus, um gezielt Bauteileigenschaften beeinflussen zu können. Beide Projekte trugen maßgeblich zur Stärkung der Grundlagenforschung in Werkstoff- und Fertigungstechnik am IWT bei.

Schwerpunktprogramme und Forschungsgruppen

Das Institut ist regelmäßig in Schwerpunktprogramme (SPP) und Forschergruppen der DFG eingebunden. Dazu zählen unter anderem das SPP 2122 „Neue Materialien für die laserbasierte additive Fertigung“[22] sowie das SPP 2289 „Hetero-Aggregates“[23]. Die Beteiligung an solchen Programmen ermöglicht die Bearbeitung spezifischer wissenschaftlicher Fragestellungen in enger Zusammenarbeit mit Universitäten und anderen Forschungseinrichtungen – etwa zu Themen wie KI-gestützte Prozessoptimierung oder neue Verfahren der Pulverherstellung. Gleichzeitig engagiert sich das Leibniz-IWT in der wissenschaftlichen Nachwuchsförderung, unter anderem durch die Mitwirkung an Graduiertenkollegs. Aktuell werden am Leibniz-IWT zwei „Leibniz-Junior Research Groups“von der Leibniz-Gemeinschaft gefördert[24]. Dieses Initiative soll jungen Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftlerin die Möglichkeit bieten, eigene Forschungsvorhaben umzusetzen und sich mit Führungsaufgaben in einem selbstgewählten Forschungsfeld vertraut zu machen.

Industrielle Gemeinschaftsforschung und Transfer

Einen zentralen Forschungsschwerpunkt bildet die anwendungsnahe, vorwettbewerbliche Forschung im Rahmen der Industriellen Gemeinschaftsforschung (IGF), die über die Arbeitsgemeinschaft industrieller Forschungsvereinigungen (AiF)organisiert und vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWE) gefördert wird. Das Leibniz-IWT wirbt regelmäßig IGF-Projekte ein und arbeitet dabei eng mit Industrieverbänden und mittelständischen Unternehmen zusammen, etwa zur Optimierung wärmebehandlungstechnischer Verfahren für die Automobilbranche.

Darüber hinaus ist das Institut in bilaterale Forschungskooperationen mit Industrieunternehmen eingebunden und übernimmt – vor allem über die Materialprüfungsanstalt Bremen (MPA) – vielfältige Aufgaben in der Werkstoffprüfung, Qualitätssicherung und Gutachtenerstellung. Auftraggeber sind unter anderem Firmen aus der Automobil- und Luftfahrtbranche, dem Maschinenbau sowie der metallverarbeitenden Industrie.

Zur Förderung des Wissenstransfers pflegt das Leibniz-IWT verschiedene Formate für den direkten Austausch mit der Praxis – darunter Industriearbeitskreise (z. B. AWT-Fachausschüsse[25]), themenspezifische Seminare und Veranstaltungen wie den Kooperations- und Netzwerktag „IWT & friends“ und den „Alumnitag“[26]. Als Tochtergesellschaft für Transfer besteht zudem die F&E Technologiebroker Bremen GmbH unter der Geschäftsführung u. a. von Oberingenieur der Werkstofftechnik Rainer Tinscher[27].

Auszeichnungen

Das Leibniz-IWT sowie seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wurden mehrfach für wissenschaftliche Exzellenz, Innovation und familienfreundliche Strukturen ausgezeichnet:

Evaluationserfolg in der Leibniz-Gemeinschaft

  • 2024: Sehr gute Bewertung durch den Senat der Leibniz-Gemeinschaft; Weiterförderung für sieben Jahre empfohlen[28]

Paul-Riebensahm-Preis (HärtereiKongress und Steel Innovation)

  • 2024, 2023, 2022: Nachwuchsforschende des IWT ausgezeichnet, zuletzt Gabriel Ebner (2024) für einen Vortrag zum Verzug bei der Ölabschreckung und Antonio Silveira (2025) mit seinem Beitrag zu mikrostrukturellen Veränderungen während des additiven Fertigungsprozesses eines Werkzeugstahls[29]

Schaeffler Innovation Award

  • 2023: Heike Sonnenberg und Jonas Heinzel, beide promovierten am Leibniz-IWT[30]

Leibniz-Promotionspreis der Leibniz-Gemeinschaft

  • 2023: Nicole Mensching für ihre Dissertation zur Hochdurchsatz-Charakterisierung metallischer Werkstoffe im Rahmen des SFB 1232[31]

Audit „berufundfamilie“

  • 2020: Bundesweite Zertifizierung für familienfreundliche Personalpolitik[32]

Ehrendoktorwürde (Dr. h.c.), Universität Miskolc (Ungarn)

  • 2018: Bernhard Karpuschewski[33]

ERC Advanced Grant (European Research Council)

  • 2018: Lutz Mädler[34]

Reimar-Lüst-Preis der Max-Planck-Gesellschaft

  • 2017: Lutz Mädler[35]

Gottfried-Wilhelm-Leibniz-Preis der DFG

  • 2017: Lutz Mädler[36]

Bremer Siegel „Ausgezeichnet familienfreundlich“

  • Seit 2016: Anerkennung für familienbewusste Personalpolitik im Land Bremen[37]

Stahl-Innovationspreis

Einzelnachweise

  1. a b Finale Entscheidung: IWT Bremen als Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft aufgenommen. Archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 5. Oktober 2024; abgerufen am 16. Dezember 2025 (deutsch).
  2. a b c Der Senat der Leibniz-Gemeinschaft (Hrsg.): Stellungnahme zum Leibniz-Institut für Werkstofforientierte Technologien, Bremen (IWT). Berlin Juli 2024, S. 47 (Evaluierungsstellungnahme / Senatsbeschluss).
  3. a b Frank Hengerer: Die AWT und ihre Institutionen. Ein historischer Rückblick. AWT Arbeitsgemeinschaft Wärmebehandlung und Werkstofftechnik e.V., Bremen 2004, S. 22.
  4. a b AWT - Arbeitsgemeinschaft Wärmebehandlung und Werkstofftechnik e.V. Abgerufen am 16. Dezember 2025.
  5. Fachbereich 4: Produktionstechnik -Maschinenbau und Verfahrenstechnik-. Universität Bremen, abgerufen am 16. Dezember 2025.
  6. „Wissenschaft zum Wohle der Menschen“: Senatsempfang zur Aufnahme der Stiftung Institut für Werkstofftechnik in die Leibniz-Gemeinschaft - Pressestelle des Senats. Abgerufen am 16. Dezember 2025.
  7. a b admin: Publikationen - Stellungnahme zum Antrag auf Aufnahme der Stiftung Institut für Werkstofftechnik (IWT), Bremen, in die gemeinsame Förderung durch Bund und Länder nach der Ausführungsvereinbarung WGL (Drs. 5920-17), Januar 2017. (PDF) Archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 9. Juli 2022; abgerufen am 16. Dezember 2025.
  8. Senat der Leibniz-Gemeinschaft (Hrsg.): Stellungnahme zur Stiftung Institut für Werkstofftechnik (IWT), Bremen. Berlin Juli 2016 (leibniz-gemeinschaft.de [PDF]).
  9. a b Gremien | Leibniz-Institut für Werkstofforientierte Technologien - IWT Bremen. Abgerufen am 29. Dezember 2025 (englisch).
  10. Verbände & Gremien | Leibniz-Institut für Werkstofforientierte Technologien - IWT Bremen. Abgerufen am 29. Dezember 2025 (englisch).
  11. Das Direktorium des Leibniz-IWT. Abgerufen am 29. Dezember 2025 (englisch).
  12. a b Organigramm | Leibniz-Institut für Werkstofforientierte Technologien - IWT Bremen. Abgerufen am 29. Dezember 2025 (englisch).
  13. a b Leibniz-IWT Jahresbericht 2024 | Leibniz-Institut für Werkstofforientierte Technologien - IWT Bremen. Abgerufen am 29. Dezember 2025.
  14. Additive Fertigung | Leibniz-Institut für Werkstofforientierte Technologien - IWT Bremen. Abgerufen am 29. Dezember 2025 (englisch).
  15. Wasserstofftechnologien | Leibniz-Institut für Werkstofforientierte Technologien - IWT Bremen. Abgerufen am 29. Dezember 2025 (englisch).
  16. Digitalisierung | Leibniz-Institut für Werkstofforientierte Technologien - IWT Bremen. Abgerufen am 29. Dezember 2025 (englisch).
  17. Historischer Erfolg: Uni Bremen wirbt erstmalig zwei Exzellenzcluster ein. 23. Mai 2025, abgerufen am 29. Dezember 2025.
  18. Großer Erfolg für die Bremer Forschungslandschaft: Exzellenzcluster „The Martian Mindset“ bewilligt | Leibniz-Institut für Werkstofforientierte Technologien - IWT Bremen. Abgerufen am 29. Dezember 2025.
  19. SFB 1232 "Von farbigen Zuständen zu evolutionären Konstruktionswerkstoffen" - Universität Bremen. 9. März 2020, abgerufen am 29. Dezember 2025.
  20. SFB 1232 | Leibniz-Institut für Werkstofforientierte Technologien - IWT Bremen. Archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 4. August 2025; abgerufen am 29. Dezember 2025.
  21. Sonderforschungsbereich SFB/TRR 136 „Funktionsorientierte Fertigung auf der Basis charakteristischer Prozesssignaturen“. Abgerufen am 29. Dezember 2025.
  22. DFG - GEPRIS - SPP 2122: Neue Materialien für die laserbasierte additive Fertigung. Abgerufen am 29. Dezember 2025.
  23. DFG - GEPRIS - SPP 2289: Gestaltung von Synergien in maßgeschneiderten Mischungen heterogener Pulver: Hetero-Aggregationen partikulärer Systeme und deren Eigenschaften. Abgerufen am 29. Dezember 2025.
  24. Leibniz-Gemeinschaft: Leibniz-Junior Research Groups. Abgerufen am 29. Dezember 2025.
  25. AWT-Fachausschüsse, auf awt-online.org
  26. Alumni | Leibniz-Institut für Werkstofforientierte Technologien - IWT Bremen. Abgerufen am 29. Dezember 2025 (englisch).
  27. Technologiebroker Bremen - Vermittlung von externem Spezialwissen. Abgerufen am 29. Dezember 2025.
  28. Leibniz-Institut für Werkstofforientierte Technologien – IWT mit sehr großem Erfolg evaluiert. Archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 8. September 2025; abgerufen am 29. Dezember 2025 (deutsch).
  29. AWT Preise und Ehrungen. Abgerufen am 29. Dezember 2025.
  30. Schaeffler FAG Stiftung zeichnet Arbeiten von jungen Forschenden aus. Abgerufen am 29. Dezember 2025.
  31. Leibniz-Promotionspreis 2023. Abgerufen am 29. Dezember 2025.
  32. Zertifikatsträger - berufundfamilie Service GmbH. Abgerufen am 29. Dezember 2025.
  33. Bernhard Karpuschewski wird Ehrendoktor in Ungarn. 29. August 2018, abgerufen am 29. Dezember 2025.
  34. Große Auszeichnung: Lutz Mädler erhält den ERC Advanced Grant. Archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 24. September 2021; abgerufen am 29. Dezember 2025.
  35. Düsseldorfer Eisenforscher verleihen Reimar-Lüst-Preis an Professor Lutz Mädler. Abgerufen am 29. Dezember 2025.
  36. Gottfried Wilhelm Leibniz-Preis 2017. Abgerufen am 29. Dezember 2025 (deutsch).
  37. IWT Bremen ist ausgezeichnet familienfreundlich. 5. Februar 2016, abgerufen am 29. Dezember 2025.
  38. Stahl-Innovationspreis 2015 Kategorie „Forschung und Entwicklung“ HiPer... | Institut für Eisenhüttenkunde | RWTH Aachen University | DE. Abgerufen am 29. Dezember 2025.

Koordinaten: 53° 6′ 31,8″ N, 8° 51′ 18″ O