Ledererschlössel

Das Ledererschlössel – als Palais Huldenberg errichtet – war ein historisches Bauwerk in Wien-Weidlingau, Mühlbergstraße 7–9.

Namensgebung

Das ursprünglich nach dem Namen des Bauherren Freiherr von Huldenberg benannte Palais wurde ab dem Erwerb durch das Ehepaar August und Serena Lederer im frühen 20. Jahrhundert Ledererschlössel bezeichnet. Der Industrielle August Lederer war Inhaber der Raaber und Jungbunzlauer Spiritusfabriken und war einer der damals bekanntesten Kunstmäzene und Förderer der Wiener Secession, besonders von Gustav Klimt.

Errichtung, Umgestaltung, Demolierung

Erbaut wurde das Palais in den Jahren 1709–1715 nach Plänen von Johann Bernhard Fischer von Erlach als Gartenpalais für den Repräsentanten des Kurfürsten von Hannover sowie Gesandten des Königs von England am Hof Kaiser Karls VI., Daniel Erasmus Freiherr von Huldenberg, von dem sich auch die Bezeichnungen „Palais Huldenberg“, „Huldenbergvilla“ oder „Huldenbergschlösschen“ ableiten. Das im oberen Bereich des vom Wienerwald abfallenden großen Grundstücks errichtete Gebäude besaß neun Fensterachsen, wobei das mittlere Fenster des höheren dreiachsigen Mittelrisalits mit einer Ädikula bekrönt war. Das große Anwesen war weit über die Landesgrenzen – nicht zuletzt für seine abgetreppte, einzigartige barocke Gartenanlage mit einer Reihe von Statuen und zahlreichen kombinierbaren Wasserspielen, einem Amphitheater und einer Reitbahn – bekannt, und wurde von illustren Gästen, angeblich auch von Kaiser Karl VI., besucht.

Anfang des 19. Jahrhunderts fand eine Erweiterung des Gebäudes auf 17 Fensterachsen statt, bei welcher der Mittelrisalit mit einem Portikus versehen und ihm anstelle der Ädikula oberhalb des Mittelfensters ein großer Dreiecksgiebel aufgesetzt wurde, um ihm im nunmehr langgestreckten Baukörper mehr Gewicht zu verleihen, wobei der Charakter des Palais dem Zeitgeschmack entsprechend im klassizistischen Stil „modernisiert“ wurde. Während die Sala terrena des Palais Stukkaturen mit Chinoiserie-Elementen aufwies, war der Festsaal im Piano nobile des Palais mit prachtvollen Stukkaturen und Boiserien im Neo-Rokoko-Stil ausgestattet. Nach Kauf der Liegenschaft beauftragten die neuen Eigentümer Serena und August Lederer Anton Faistauer im Jahr 1929 mit der Schaffung eines zentralen Freskos an der Decke des eindrucksvollen Treppenhauses mit kunstvoll geschmiedetem Treppengeländer zum Thema Heimkehr Dianas von der Jagd, in dem dieser u. a. auch Hugo von Hofmannsthal – rechts unten am Sockel lehnend – verewigte, mit dem ihn eine lange Freundschaft verband. Das Fresko sollte übrigens Faistauers letztes – und einziges auf Wiener Boden – werden.

Im November 1970 wurden erste Befürchtungen laut, dass der Fortbestand des zusehends sanierungsbedürftigen Gebäudes gefährdet sei, vor allem als bald danach Pläne für die Errichtung einer „Stadt des Kindes“ im unteren Bereich des Grundstücks das Palais durchsickerten[1]. Als schließlich die Schleifung des Gebäudes – ohne Notwendigkeit für das neue Bauprojekt – zur Debatte stand, veranstaltete das „Aktionskomitee SOS für Wien“ im „Presseclub Concordia“ am 15. Februar 1972 bei namhafter Beteiligung eine Pressekonferenz, bei der für die Erhaltung des geschichtsträchtigen Gebäudes – zuletzt im Eigentum der Stadt Wien – plädiert wurde. In Pressenotizen zum Thema wurde danach besonders auf die Bedeutung des Deckenfreskos Dianas Heimkehr von der Jagd von Anton Faistauer aus 1929 hingewiesen. Kurz bevor das Gebäude der Spitzhacke zum Opfer fiel, konnte fast in letzter Minute auf Betreiben des „Aktionskomitees SOS für Wien“ (Heinz P. Adamek) das Faistauer-Fresko von Prof. Josef Fastl gesichert und in vier Bahnen abgenommen und danach nach Salzburg transferiert werden. Nach verschiedenen Überlegungen wurde das Faistauer-Fresko schließlich 1976 im Zuge des Neubaus der Hochschule für Musik und darstellende Kunst (heute Universität Mozarteum Salzburg) in einem, in den (damaligen) Neubau integrierten verbliebenen Saal des größtenteils abgebrochenen barocken Primogeniturpalastes – dem nunmehrigen „Faistauersaal“ – von Prof. Josef Fastl appliziert und restauriert.

Nachnutzung

Anton Schweighofer, dem Architekten der von der Gemeinde Wien auf dem weitläufigen Areal geplanten Stadt des Kindes, wäre es ein Anliegen gewesen, das kunsthistorisch wichtige Objekt, etwa als Direktionsbau oder Bibliothek, zu erhalten. Das Schlössl wurde allerdings in einer sogenannten Nacht-und-Nebel-Aktion abgerissen. Der danach auf dem unteren Gelände im Jahr 1974 errichtete Bau, die Stadt des Kindes, eine soziale Großeinrichtung, wurde 2002 überflüssig und an einen Wohnbauträger verkauft.

Literatur

Einzelnachweise

  1. Die Spitzhacke bedroht Schloß Weidlingau. – Es regnet in ein Haus. Die Gemeinde Wien läßt Fischer von Erlachs barocken Villenbau verfallen. Karlheinz Roschitz in: Kurier, 5. November 1970, Seite 11.

Koordinaten: 48° 12′ 29″ N, 16° 12′ 42″ O