Lebu (Palau)

Prince Lee Boo oder Lebu[1] (geb. ca. 1764; gest. 27. Dezember 1784) war der zweite Sohn von Abba Thulle (Ibedul), dem Herrscher von Koror in den „Pelew Islands“ (Palau).[2][3] Lebu war einer der ersten Menschen von den Pazifikinseln, die Großbritannien besuchten. Als der China-Handelsschiff Antelope auf einer Reise nach China für die Ostindien-Kompanie 1783 vor der Insel Oroolong im westlichen Palau Schiffbruch erlitt, verbrachten die Überlebenden, darunter Kapitän Henry Wilson, drei Monate auf Palau. Als sie schließlich gerettet wurden, erklärte sich Wilson bereit, Lee Boo nach London mitzunehmen. Er kam etwa zehn Jahre nach dem Tahitier Omai, am 14. Juli 1784, an Bord der „Morse“ in Portsmouth an,[4] Die Londoner Gesellschaft, die von seiner Eleganz und Intelligenz bezaubert war, gab ihm schnell den Beinamen „Schwarzer Prinz“ („The Black Prince“). Die Familie Wilson nahm ihn in ihrem Londoner Haus auf, wo er mehrere Monate lang Gottesdienste, Dinnerpartys und eine europäische Schule besuchte. Er starb jedoch am 27. Dezember 1784 an Pocken,[5] nur etwa sechs Monate nach seiner Ankunft in London. Er wurde 20 Jahre alt.

Er wurde bei St Mary’s Church, Rotherhithe beigesetzt.[6] Sein Grabmal steht unter Denkmalschutz (Grade II) und trägt die Inschrift: „Halt, Leser, halt, lass die Natur eine Träne vergießen / Mein Prinz, Lee Boo, liegt hier begraben.“[7]

Die Geschichte von Lebu erschien in einem Buch von George Keate (1729–1797) mit dem Titel: „Ein Bericht über die Pelaw-Inseln im westlichen Pazifischen Ozean. Zusammengestellt aus den Tagebüchern und Aufzeichnungen von Kapitän Henry Wilson und einigen seiner Offiziere, die dort im August 1783 mit der „Antelope“, einem Passagierschiff der Hon. East India Company, Schiffbruch erlitten.“[8] Die Tochter des Autors, Georgiana Jane Keate (später Georgiana Henderson), malte das Porträt von Lebu für das Buch. Es entstand aus der Erinnerung, fünfzehn Monate nach dessen Tod.[9]

Das Buch war populär und wurde zwischen 1789 und 1850 in über 20 Sprachen übersetzt.[8]

Eine gekürzte Fassung mit dem Titel „The Interesting History of Prince Lee Boo, Brought to England from the Pelew Islands“ („Die interessante Geschichte von Prinz Lee Boo, der von den Pelaw-Inseln nach England gebracht wurde“) ist online verfügbar.[8]

Einzelnachweise

  1. Richard J. Parmentier: Money Walks, People Talk. In: L’Homme. Revue française d’anthropologie. is. 162. 2002: S. 49–80. journals.openedition.org ISSN 0439-4216 doi=10.4000/lhomme.156
  2. Prince Lee Boo, second son of Abba Thule [picture]. National Library of Australia, abgerufen am 24. August 2017 (englisch).
  3. Prince Lee Boo: London Remembers, Aiming to capture all memorials in London. Abgerufen am 27. März 2014 (englisch).
  4. The Pacific Islands: An Encyclopedia. Vol. 1 University of Hawaii Press 2000: S. 161. Google Books ISBN 978-0-824-82265-1
  5. Max Quanchi: Historical Dictionary of the Discovery and Exploration of the Pacific Islands. The Scarecrow Press 2005: archive.org S. 94 ISBN 0-8108-5395-7
  6. Prince Lee Boo’s tomb: London Remembers, Aiming to capture all memorials in London. Abgerufen am 27. März 2014 (englisch).
  7. „Stop, reader, stop, let Nature shed a tear / A prince of mine, Lee Boo, lies buried here.“ Historic England: Monument to Prince Lee Boo approx 10m West of West tower, Church of St Mary (1385868). National Heritage List for England. Nr. 1385868.
  8. a b c „An Account of the Pelew Islands, Situated in the Western Part of the Pacific Ocean. Compposed from the Journals and Communications of Captain Henry Wilson, and some of his Officers, who, in August 1783, were there Shipwrecked, in the Antelope, a Packet belonged to the Hon. East India Company.“ George Keate: The Interesting History of Prince Lee Boo, Brought to England from the Pelew Islands. Library of Congress 78009673
  9. Art.: Keate, George. Dictionary of National Biography. London: Smith, Elder & Co. 1885–1900. wikisource