Leang Bulu Bettue
Leang Bulu Bettue (LBB) ist eine archäologische Fundstätte auf der indonesischen Insel Sulawesi. In der Kalkstein-Höhle wurden insbesondere anhand von rund 50.000 Steinwerkzeugen[1] mehrere Kulturschichten identifiziert, deren älteste mindestens 132.000 Jahre alt ist. Die Herstellungstechnik der Steinwerkzeuge blieb rund 100.000 Jahre unverändert; vor rund 40.000 Jahren kam es jedoch zu einer plötzlichen Veränderung. In einer 2026 publizierten Fachveröffentlichung wurde dies als Beleg für einen Wechsel der Besiedelung interpretiert: Zuvor habe sich eine archaische Population der Gattung Homo in der Höhle aufgehalten, danach – und fast bis in die Gegenwart – Gruppen des anatomisch modernen Menschen (Homo sapiens).[2] Da auf Sulawesi eine dem Menschen zugeschriebene Höhlenmalerei auf ein Alter von mindestens 45.500 Jahren datiert wurde,[3] vermuten die Autoren der Studie, dass die archaische und die Homo sapiens zugeschriebene Population auf Sulawesi mehrere tausend Jahre koexistiert haben.[4]
Erforschung
Leang Bulu Bettue („Höhle des Tunnels durch den Hügel“) ist eine von vielen Höhlen im Maros-Pangkep Karst im Süden von Sulawesi, dessen Erhebungen aus einer mehrere hundert Quadratkilometer großen Schwemmlandebene herausragen. Die marinen Kalksteinablagerungen stammen aus der Epoche des frühen Eozäns bis zum mittleren Miozän, wurden angehoben und bildeten durch Erosion sowohl visuell spektakuläre Kalksteingebirge als auch in Gruppen oder einzeln vorkommende Inselberge. Der Eingang zur Höhle befindet sich am Talboden einer solchen Erhebung, rund 18 Meter über dem Meeresspiegel. Unter einem 15,6 Meter hohen Felsüberhang öffnet sich eine 27,3 Meter lange Kammer, die 12,6 Meter breit und bis zu 9,2 Meter hoch ist. Diese Kammer ist über einen 400 Meter langen Gang mit einer benachbarten Höhle, Leang Samalea, verbunden (daher der Name). Der Gang besitzt oberseits zwei jeweils mehr als 10 Meter große Öffnungen aufgrund eingestürzter Dolinen.
In beiden Höhlen befinden sich an den Wänden insgesamt 37 Handabdrücke, die vermutlich zwischen 30.000 und 22.000 Jahre alt sind.[5] Rund 1500 Jahre alt sind schwarze Zeichnungen aus Holzkohle.[6]
Ausgrabungen in der Höhle begannen 2013 und wurden danach 2014 und 2015, 2017 bis 2019 sowie 2023 fortgeführt. Eine erste ausführliche Beschreibung der Forschungsergebnisse wurde Ende Dezember 2025 veröffentlicht.[2] Demnach wurden im Eingangsbereich zwei Gräben ausgehoben, die durch einen ein Meter breiten Wall getrennt sind und zusammen 35 Quadratmeter Fläche umfassen. Die Ablagerungen in der Höhle sind bis zu acht Meter mächtig. Für die Nutzung der Höhle wurden vier Phasen rekonstruiert:
- Phase IV: allenfalls gelegentliche Nutzung der Höhle in der Jungsteinzeit = spätes Holozän; eine Besonderheit aus jüngster Zeit ist der Nachweis der Bestattung einer Kuh und eines neugeborenen Kalbs sowie einer Ziege in einer ausgehobenen Grube.
- Phase III: Einige entdeckte Steinwerkzeuge wurden der lokalen Toalean-Kultur zugeschrieben, einer Kultur von Jägern und Sammlern, die während des mittleren bis späten Holozäns auf Sulawesi lebten, bevor sich vor etwa 3.500 Jahren austronesische neolithische Bauern vom asiatischen Festland aus verbreiteten. Die Ablagerungen in der Höhle wurden in die Zeit vor 4.829 bis 4.582 Jahren (cal BP) datiert.
- Phase II wurde dem späten Pleistozän zugeordnet, genauer, der Zeitspanne zwischen rund 40.000 und 16.000 Jahren vor heute. Die archäologischen Funde lassen sich erstmals zweifelsfrei Homo sapiens zuordnen. Neben zahlreichen Steinwerkzeugen wurde Körperschmuck geborgen: roter Ocker und der durchbohrte Knochen eines Bärenkuskus.
- Phase I: Die Ausgrabungen reichten zwei bis acht Meter in die Tiefe. Steinartefakte bestehen überwiegend aus Flusskieseln und sind in den tiefen und zugleich ältesten Ablagerungen stark patiniert, wodurch sie sich deutlich von den relativ frischen, braunen Feuersteinartefakten, die in den Ablagerungen der Phase II vorherrschen, unterscheiden. Schnittspuren an mehreren Knochen wurden als Belege für das Zerlegen von Jagdbeute interpretiert. Datiert wurden die älteste Fundschicht in die Epoche zwischen 132.300 und 208.400 Jahren vor heute.
Zu welcher Art die archaische Population aus Phase I gehört, ist ungeklärt (Stand: Januar 2026), da bislang keine hinreichend alten homininen Fossilien in der Höhle entdeckt wurden. Als plausibelster Kandidat gilt Homo erectus oder eine von ihm abgeleitete, Homo floresiensis ähnelnde Inselverzwergung.[2]
Belege
- ↑ Yinika L. Perston et al.: Stone-flaking technology at Leang Bulu Bettue, South Sulawesi, Indonesia. In: Archaeology in Oceania. Band 57, Nr. 3, 2022, S. 249–272, doi:10.1002/arco.5272.
- ↑ a b c Basran Burhan, Budianto Hakim, Iwan Sumantri et al.: A near-continuous archaeological record of Pleistocene human occupation at Leang Bulu Bettue, Sulawesi, Indonesia. In: PLOS ONE. Band 20, Nr. 12, Dezember 2025, e0337993, doi:10.1371/journal.pone.0337993.
- ↑ Adam Brumm et al.: Oldest cave art found in Sulawesi. In: Science Advances. Band 7, Nr. 3, 2021, eabd4648, doi:10.1126/sciadv.abd4648.
- ↑ Landmark 8m dig at Sulawesi cave could reveal overlap between extinct humans and us. Auf: eurekalert.org vom 6. Januar 2026.
- ↑ Adam Brumm et al.: Early human symbolic behavior in the Late Pleistocene of Wallacea. In: PNAS. Band 114, Nr. 16, 2017, S. 4105–4110, doi:10.1073/pnas.1619013114.
- ↑ Jillian Huntley et al.: The effects of climate change on the Pleistocene rock art of Sulawesi. In: Scientific Reports. Band 11, Artikel-Nr. 9833, 2021, doi:10.1038/s41598-021-87923-3.
Koordinaten: 4° 59′ 31,2″ S, 119° 40′ 5,5″ O