Le Parti ouvrier

Le Parti ouvrier (Die Arbeiterpartei) war eine französische Zeitung, die von 1888 bis 1914 erschien. Sie vertrat die von Jean Allemane vertretene sozialistische Strömung.

Geschichte

Im Jahr 1888 erlebte Frankreich den Beginn der Boulangismus-Krise, bei der die republikanische Regierung unter den Druck eines zwar republikanisch gesinnten, aber populistischen Politikers geriet. Die sozialistischen Politiker hatten zu Boulanger keine gemeinsame Meinung. Die Guedisten und die Blanquisten vertraten eine abwartende Haltung, während die Possibilisten um Paul Brousse und Jean Allemane die Regierung verteidigen wollten. In diesem Zusammenhang verließen einige Mitarbeiter die Zeitung Le Cri du peuple (darunter Henri Brissac[1], Victor Dalle[2], Jules Jouy[3], John Labusquière[4] und Victor Marouck[5]). Sie gründeten zusammen mit Allemane Le Parti ouvrier, deren erste Ausgabe zum Preis von 5 Centimes am 8. April 1888 erschien.[6]

Die erste Ausgabe vom 8. April, die am Vortag veröffentlicht wurde, bekräftigte ein Programm, das den Kampf des Volkes „gegen die bürgerliche Klasse“ mit der Organisation „aller republikanischen und sozialistischen Kräfte ... gegen die Gefahr einer Militärdiktatur“ in Einklang brachte.[7] Sie stand damit in der antiboulangistischen politischen Linie der Fédération des travailleurs socialistes de France. Diese possibilistische Partei wurde von ihren Anhängern auch „Parti ouvrier“ genannt, parallel zur Parti ouvrier français der Guesdisten.

Wie mehrere andere Zeitungen („République du Croissant“) befanden sich auch die Räumlichkeiten des Parti ouvrier zunächst in der Rue du Croissant, Nr. 12 für die Redaktion, deren Sekretär Marouck war, und Nr. 19 für die Verwaltung. Allemane war der Geschäftsführer der Zeitung.[8] In den folgenden Jahren behaupteten Alemanes Gegner, seine Zeitung sei dank ministerieller Gelder[9] über Zwischenhändler gegründet worden. Dieser Vorwurf konnte nie bewiesen werden. Allerdings wurde die Zeitung tatsächlich mit Verlust von der Aktiengesellschaft Radical betrieben.[10]

Ab dem 7. Mai 1890 trug Le Parti ouvrier den Untertitel organe des travailleurs socialistes de France et d’Algérie (Organ der sozialistischen Arbeiter Frankreichs und Algeriens).[11] Nach der Spaltung der Possibilisten auf dem Kongress von Châtellerault im Oktober 1890 verblieb Le Parti ovrier bei den Allemanisten und ihrer neugegründeten Parti ouvrier socialiste révolutionnaire, während die Anhänger Paul Brousses die Zeitung Le Prolétariat vertrieben.[12]

In den 1890er Jahren erschien die Zeitung zunächst unregelmäßig, bevor sie schließlich wöchentlich herauskam. Die letzte Nummer erschien am 25. April 1914.[13]

Mitarbeiter

Neben den bereits oben genannten Personen gehörten auch Lucien Herr, Alfred Paulon[14] und Édouard Roger als letzter Verwalter der Redaktion an.

Literatur

  • Michel Winock: La scission de Châtellerault et la naissance du parti „allemaniste“ (1890–1891). In: Le Mouvement social. 1971, S. 33–62 (Werk auf Gallica).

Einzelnachweise

  1. BRISSAC Henri, Jacob. In: Le Maitron. Abgerufen am 26. Oktober 2025 (französisch).
  2. Justinien Raymond: DALLE Victor. In: Le Maitron. Abgerufen am 26. Oktober 2025 (französisch).
  3. Jules Jouy. In: Deutsche Biographie (Index-Eintrag).
  4. Angaben zu John Labusquière in der Datenbank der Bibliothèque nationale de France.
  5. Justinien Raymond, Julien Chuzeville: MAROUCK Victor. In: Le Maitron. Abgerufen am 26. Oktober 2025 (französisch).
  6. Le Parti ouvrier vom 8. April 1888 auf Gallica
  7. Le Parti ouvrier, 8 avr. 1888, p. 2/5, Notre Programme. In: Retronews. Abgerufen am 26. Oktober 2025 (französisch).
  8. Le Parti ouvrier vom 13. April 1888 auf Gallica
  9. Siehe Literaturliste Winock, S. 45 f.
  10. Le Rappel vom 13. April 1889, beginnend S. 2 auf Gallica
  11. Le Parti ouvrier vom 7. Mai 1890 auf Gallica
  12. Siehe Literaturliste Winock, S. 39
  13. Le Parti ouvrier vom 25. April 1914 auf Gallica
  14. Angaben zu Alfred Paulon in der Datenbank der Bibliothèque nationale de France.