Le Frou-frou
Le Frou-frou war eine französische humoristische Wochenzeitung, die 1900 gegründet und 1923 eingestellt wurde.
Geschichte
Im Oktober 1871 erschien in Paris Frou-frou: Journal du high-life mit dem Untertitel „Chronique de la vie élégante, actualités théâtrales, échos du monde“ (Chronik des eleganten Lebens, Theaternachrichten, Weltgeschehen) und wurde bis März 1872 in 20 Ausgaben veröffentlicht. Im Oktober 1888 erschien in Paris Le Frou-frou mit dem Untertitel „Grand journal parisien des modes et des arts“ (Große Pariser Zeitschrift für Mode und Kunst), eine erste Ausgabe, offenbar ohne Fortsetzung.[1]
Der Verleger Samuel-Sigismond Schwarz[A 1] brachte am 20. Oktober 1900 in Paris eine neue Wochenzeitschrift heraus, die er Le Frou-frou nannte. Sie wurde im Format 22 × 29 cm auf rosafarbenem Papier gedruckt und enthielt auf 20 Seiten Reproduktionen von Zeichnungen, die mit humoristischen Bildunterschriften versehen waren. Das grafische Design stammte von Brunetta für die Verzierungen und Léon Henri Ruffe[2] für die Gravur, während Weiluc[3] und Jack Abeillé[4] die Illustrationen für die erste Ausgabe lieferten. Der Druck des Heftes erfolgte in Schwarz-Weiß im Zinkografieverfahren. Der Verkaufspreis betrug 20 Centimes.[1]
Schwarz versuchte, mit Publikationen wie La Vie parisienne[5], Gil Blas illustré und anderen humoristischen Wochenendbeilagen zu konkurrieren, indem er von seinen Illustratoren einen leichten, anzüglichen und frechen Stil verlangte. Durch die Zusammenarbeit mit dem Holzschnitzer Léon Ruffé, dem ehemaligen künstlerischen Leiter von L’Image[6], wollte Schwarz sich auf dem Markt für illustrierte Alben für Erwachsene aus der bürgerlichen Schicht positionieren. Zum Geschäftsführer ernannte er den Schriftsteller Jules de Gastyne[7].
Ein Gedicht des Humoristen René Préjelan[8] warnte den Leser und gab den Ton an: „Nehmen Sie es, lesen Sie es, amüsieren Sie sich! / Worte, Fleisch, Legenden. / Der tanzende Geist der Sarabanden... / Und das alles für einen Spottpreis.“ Die doppelte Onomatopoesie „frou-frou“ verwies wohl auf das Lied von Juliette Méaly[A 2] und das Rascheln von Stoffen, Kleidern und Unterröcken: Die Zeitschrift war voller üppiger Frauen, die sich ständig zu entblößen schienen (oder umgekehrt). Frou-frous erotische, aber niemals vulgäre Haltung profitierte von der Freizügigkeit der Belle Époque.
Zu den Zeichnern gehörte auch Pablo Picasso der unter dem Pseudonym Ruiz zwei Zeichnungen beisteuerte.[9] Jean d’Aurian[10] beendete die Ausgaben häufig mit einem Comicstrip.[11]
Ab Juni 1902 stieg der Preis auf 25 Centimes; der grafische Stil entwickelte sich weiter und passt sich den ausgewählten Illustrationen an. Themen erschienen regelmäßiger, ebenso wie unveröffentlichte Geschichten, wobei der Umfang manchmal bis zu 40 Seiten erreichte. 1904 verkaufte Schwarz die meisten seiner Titel an André de Joncières[A 3], bei dem die Wochenzeitung bis zum 26. Juli 1914 ohne Unterbrechung erschien: Die Ausgabe Nr. 719 bildet den Abschluss der ersten Serie.[12]
Nach dem Krieg erschien das Blatt 1922[13] unter dem Namen Frou-frou neu, wurde aber 1923 eingestellt.[14]
Weitere Zeitungen des Namens
Möglicherweise Ende der vierziger Jahre, vielleicht auch erst in den Fünfzigern, erschien Paris frou-frou, magazine parisien, froufroutant et honnête (Pariser Magazin, schillernd und ehrlich), das vornehmlich Fotos von Schauspielerinnen auf dem Titel zeigte.[15]
Mitarbeiter
Le Frou-frou veröffentlichte Zeichnungen von zweihundert Künstlern; neben den oben genannten sind noch Joaquín Torres García, Albert Guillaume und Manuel Robbe zu nennen. Eine größere Auswahl mit Verlinkungen ist in der französischen Sprachversion zu finden.
Literatur
- Dico Solo, Catherine Saint-Martin: Dico Solo en couleurs plus de 5000 dessinateurs de presse & 600 supports en France de Daumier à l’an 2000. Aedis, 2004, ISBN 978-2-84259-239-4.
Galerie
-
Le Frou-Frou Nr. 1
-
Poster 1900 von Weiluc
-
Le Regisseur
-
Zeichnung von Polo
Weblinks
- Ausgaben auf Gallica
- Angaben zu Le Frou-frou in der Datenbank der Bibliothèque nationale de France.
Anmerkungen
- ↑ Samuel-Sigismond Schwarz ist unter diesem Stichwort in der frankophonen Wikipédia näher erläutert.
- ↑ Dazu weiterführend Frou-frou (chanson) in der französischsprachigen Wikipédia.
- ↑ Näher beschrieben in der französischsprachigen Wikipédia unter André de Joncières.
Einzelnachweise
- ↑ a b Siehe Literaturliste Solo und Saint-Martin 2004, S. 314 f.
- ↑ Angaben zu Léon Henri Ruffe in der Datenbank der Bibliothèque nationale de France.
- ↑ Angaben zu Weiluc in der Datenbank der Bibliothèque nationale de France.
- ↑ Jack Abeillé. In: Deutsche Biographie (Index-Eintrag).
- ↑ Angaben zu La Vie parisienne in der Datenbank der Bibliothèque nationale de France.
- ↑ Angaben zu L’Image in der Datenbank der Bibliothèque nationale de France.
- ↑ Angaben zu Jules de Gastyne in der Datenbank der Bibliothèque nationale de France.
- ↑ René Préjelan. In: Deutsche Biographie (Index-Eintrag).
- ↑ Le Frou-frou Nr. 46, Appâts pour hommes auf Gallica
- ↑ Angaben zu Jean d’Aurian in der Datenbank der Bibliothèque nationale de France.
- ↑ Le Frou-frou Nr. 21 auf Gallica
- ↑ Le Frou-frou Nr. 719 auf Gallica
- ↑ Frou-frou Nr. 1 auf Gallica
- ↑ Frou-frou Nr. 28 auf Gallica
- ↑ Angaben zu Paris Frou-frou in der Datenbank der Bibliothèque nationale de France.