Le Don Quichotte
Le Don Quichotte war eine französische Satirezeitschrift, die von 1874 bis 1893 erschien. Sie wurde von Charles Gilbert-Martin[1] gegründet, der ihr Chefredakteur und einziger Zeichner war, und vertrat republikanische Ideen.
Geschichte
Charles Gilbert-Martin
Charles Gilbert-Martin begann 1862 eine Karriere als Journalist in Paris, arbeitete für verschiedene Zeitungen und verkehrte mit Léon Gambetta. Er gründete 1867 Le Philosophe[2] und 1869 Grimaces Contemporaines[3], zwei satirische Zeitungen, für die er Karikaturen und einen Teil der Texte lieferte. Die Zensur durch Napoleon III. verhinderte jedoch, dass diese Zeitungen an Bedeutung gewannen.
Nach dem Deutsch-Französischen Krieg von 1870, an dem er als Soldat teilnahm, ließ er sich in Bordeaux nieder und gründete Le Don Quichotte, eine politisch-satirische Wochenzeitung, die freitags erschien. Die erste Ausgabe erschien am 26. Juni 1874.[4] Nachdem er sich erfolglos um eine politische Karriere bemüht hatte, verließ Gilbert-Martin 1887 Bordeaux und ging nach Paris, wo er die Veröffentlichung von Le Don Quichotte bis 1893 fortsetzte. Nach der Einstellung der Zeitung schloss sich Gilbert-Martin dem Team von L’Aurore an.
Le Don Quichotte
Die Zeitung umfasst vier großformatige Seiten (49 × 33,5 cm) und kostet 15 Centimes. Die Titelseite zierte ein signierter satirischer Holzschnitt von Gilbert-Martin. Gilbert-Martin war Chefredakteur und gleichzeitig einziger Zeichner, was für die damalige Zeitungslandschaft ungewöhnlich war. Die Innenseiten enthielten mehrere wiederkehrende Rubriken, Kommentare zur Zeichnung auf der Titelseite, Kurzgeschichten, Witze, politische Satire, Theaterkritiken usw., die von Gilbert-Martin (auch unter Pseudonymen) verfasst wurden. Die letzte Seite enthielt Werbeanzeigen, zwischen denen sich eine humoristische Falschanzeige versteckte. Insgesamt sind in den etwa 20 Jahren fast 1000 Ausgaben erschienen, wobei das Layout der Zeitung unverändert blieb.[5]
Nachdem der Don Quichotte den bonapartistischen Abgeordneten Ernest Dréolle[6] verspottet hatte, musste Gilbert-Martin am 27. November 1878 in einem Duell mit Pistolen gegen diesen antreten, das beide Männer unversehrt überstanden.[7][8]
1887 veröffentlichte Gilbert-Martin seine Memoiren im Don Quichotte.[9]
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Der Olymp 1876
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Zensur 1875
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Jules Roche 1883
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Albert Dauphin 1887
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Le Tonkinois en Algérie 1887
Literatur
- Jacques Lethève: La caricature sous la IIIe République. Armand Colin Neuauflage FeniXX, 1986, ISBN 978-2-7062-3794-2 (google.de).
Weblinks
- Gesamtausgabe Le Don Quichotte auf Gallica
- Angaben zu Le Don Quichotte in der Datenbank der Bibliothèque nationale de France.
Einzelnachweise
- ↑ Angaben zu Charles Gilbert-Martin in der Datenbank der Bibliothèque nationale de France.
- ↑ Le Philosophe auf Gallica
- ↑ Angaben zu Grimaces Contemporaines in der Datenbank der Bibliothèque nationale de France.
- ↑ Le Don Quichotte vom 26. Juni 1874 auf Gallica
- ↑ Siehe beispielsweise die Anzeige „Avis auc capitalistes“ in der Ausgabe vom 17. August 1883 auf Gallica
- ↑ Ernest, Jean-Baptiste, André Dréolle. In: Assemblée nationale. Abgerufen am 1. September 2025 (französisch).
- ↑ Le Rappel vom 29. November 1878; Les on-dit auf Gallica
- ↑ Le Don Quichotte vom 22. November 1878 auf Gallica
- ↑ Souvenirs d’un caricaturiste, par Gilbert-Martin (7, 14, 21, 28 mai, 4 et 18 juin 1887). In: Caricatures&Caricature. Abgerufen am 1. September 2025 (französisch).