Le Cri de Paris
Le Cri de Paris (Der Schrei von Paris)[A 1] war eine französische satirische Wochenzeitung, die von 1897 bis 1940 erschien.
Geschichte
Alexandre Natanson[1], der Herausgeber der künstlerisch-literarischen Zeitschrift La Revue blanche, brachte mit Le Cri de Paris ab 1897 eine Beilage zu seiner Zeitung heraus, die mit Texten und Karikaturen das aktuelle Zeitgeschehen beleuchten sollte. Ab der zweiten Ausgabe trug die Beilage ein rotes Banner mit ihrem Namen; ein grafisches Merkmal, das sie bis zu ihrem Ende beibehielt.
Ungefähr ab 1901 löste sich Le Cri de Paris von der Mutterzeitschrift. Sie kostete 30 Centimes und war zunächst wie auch die Revue pro-dreyfusardisch und antikolonialistisch eingestellt.[2] Mit der Zeit bewegte sich die Zeitung eher der politischen Mitte zu. Der hohe Preis weist darauf hin, dass ein wohlhabendes Publikum angesprochen wurde.
Das Cover zeigte Zeichnungen, die chromolithografisch hergestellt wurden; zunächst stammten sie vor allem von Félix Vallotton und Zyg Brunner[3].
Direktor war zunächst Jacques Saint-Cère[4], der wegen einer Erpresser-Affäre ins Zwielicht geraten war.[5] Maurice Donnay wurde sein Mitarbeiter. Gyp und Séverine trugen Texte bei. Nach dem frühen Tod Saint-Cères übernahm Jean de Mitty[6] die Leitung. Damals stießen Félix Fénéon und Jules Renard zum Cri. Natanson selbst übergab die Herausgeberschaft 1901 an den Geschäftsmann Paul Dollfus[7], der zunächst Ernest Marilhet und nach dessen Tod 1904 Armand Ephraïm[8] zum Direktor ernannte. Im selben Jahr zeigte ein von Leonetto Cappiello (dessen erstes Werk dies ist) entworfenes Werbeplakat eine beeindruckende Liste von Mitwirkenden wie Georges Feydeau, Jean Lorrain, Charles Maurras, Robert de Montesquiou, Joséphin Péladan, Octave Uzanne usw., die ebenfalls Mitarbeiter der von Thadée Natanson[9] geleiteten Revue blanche waren.
1912 brachte Dollfus die Zeitung mit einem Nennwert von 100.000 Francs an die Börse. Mitte der 1930er-Jahre übernahm Michel Georges-Michel[10] das Blatt. Eine Woche vor dem deutschen Einmarsch am 16. Juni 1940 in Paris wurde es eingestellt - noch mit der hoffnungsvollen Titelzeile: „Mars: Tu vas trop fort, Adolf ... Ça finira mal !“ (Mars: Du übertreibst es, Adolf ... Das wird böse enden!).[11]
Literatur
- Venita Datta: Birth of a National Icon; The Literary Avant-garde and the Origins of the Intellectual in France. State University of New York Press, 1999, ISBN 978-0-7914-4207-4 (google.de).
Weblinks
- Ausgaben von 1913 bis 1940 auf Gallica
- Jean-Luc Jarnier: « PERE, UNE HISTOIRE! » un dessin de Félix Vallotton sur Alfred Dreyfus ( vom 28. Dezember 2014 im Internet Archive)
- Angaben zu Le Cri de Paris in der Datenbank der Bibliothèque nationale de France.
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19. Dezember 1897, Zeichnung Vallotton
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25. März 1900, Zeichnung Vallotton
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16. März 1909, Zeichnung Roubille
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12. Juni 1914, Zeichnung Testevuide
Anmerkungen
- ↑ Die englische Sprachversion weist auf die Mehrdeutigkeit des Titels hin; einerseits Der “Pariser Protest”, des Weiteren „Pariser Mode“ (wie in le dernier cri) und „Straßenrufe, Straßenlärm“. Dieser mehrdeutige Titel sei von Félix Fénéon geprägt worden.
Einzelnachweise
- ↑ Angaben zu Alexandre Natanson in der Datenbank der Bibliothèque nationale de France.
- ↑ Beispiel dazu aus der Revue Blanche Frühjahr 1898 auf Gallica
- ↑ Zig Brunner. In: Deutsche Biographie (Index-Eintrag).
- ↑ Rosenthal, Armand (Jacques Saint-Cère). In: Deutsche Biographie (Index-Eintrag).
- ↑ Paul-Henri Bourrelier: Saint-Cère, l’affaire Lebaudy et Le Cri de Paris. Abgerufen am 27. November 2025 (französisch).
- ↑ Angaben zu Jean de Mitty in der Datenbank der Bibliothèque nationale de France.
- ↑ Angaben zu Paul Dollfus in der Datenbank der Bibliothèque nationale de France.
- ↑ Angaben zu Armand Ephraïm in der Datenbank der Bibliothèque nationale de France.
- ↑ Thadée NATANSON. In: Académie française. Abgerufen am 27. November 2025 (französisch).
- ↑ Angaben zu Michel Georges-Michel in der Datenbank der Bibliothèque nationale de France.
- ↑ Le Cri de Paris vom 9. Juni 1940 auf Gallica