Laurence des Cars

Laurence des Cars, vollständig Laurence Élisabeth de Pérusse des Cars (* 13. Juni 1966 in Antony bei Paris), ist eine französische Kunsthistorikerin und Kuratorin. Sie ist seit 2021 Präsidentin (Generaldirektorin) des Louvre. Zuvor leitete sie ab 2014 das Musée de l’Orangerie und ab 2017 zusätzlich das Musée d’Orsay.

Leben und beruflicher Werdegang

Laurence des Cars entstammt der ehemaligen Adelsfamilie Pérusse des Cars. Sie ist eine Enkelin des Bestsellerautors Guy des Cars sowie der Schauspielerin und Sängerin Marta Labarr. Ihr Vater Jean des Cars ist Journalist und Autor von Büchern über Monarchen und Herrscherdynastien.[1]

Laurence des Cars studierte Kunstgeschichte an der Universität Paris-Sorbonne (Paris IV) und an der École du Louvre, trat anschließend in das Institut national du patrimoine ein, wo sie 1993 als Diplom-Denkmalpflegerin im Fachgebiet Museen abschloss. Dort machte sie die Bekanntschaft des späteren Louvre-Direktors Henri Loyrette, der ihr Mentor wurde. Beide vertraten die Ansicht, dass ein Museum eine „Echokammer der Gesellschaft“ sein solle.[2] Die Expertin für Malerei des 19. und frühen 20. Jahrhunderts übernahm 1994 ihre erste Stelle als Kuratorin am Musée d’Orsay, das Loyrette damals leitete.[3]

Laurence des Cars wurde im Juli 2007 zur wissenschaftlichen Direktorin der Agence France-Muséums ernannt, dem französischen Betreiber, der für die Entwicklung des Louvre Abu Dhabi verantwortlich ist.[4] 2011 wurde sie zur Generalkuratorin des Kulturerbes befördert. Im Januar 2014 wurde sie zur Direktorin des Musée de l’Orangerie ernannt.[5] Als Nachfolgerin von Guy Cogeval übernahm sie 2017 die Gesamtleitung von Musée d’Orsay und Musée de l’Orangerie.[6] Aktuelle gesellschaftliche Themenstellungen bezog sie in ihre Ausstellungen ein: Als die „Black Lives Matter“-Bewegung Frankreich erreichte, konzipierte des Cars für das Musée d’Orsay zum „Schwarzen Modell von Géricault bis Matisse“ eine Ausstellung.[2]

Seit dem 1. September 2021 ist sie Präsidentin und Generaldirektorin des Louvre und die erste Frau auf diesem Posten.[3]

Bedeutung für den Louvre

Seit 2021 hatte des Cars angesichts des stark renovierungsbedürftigen Gebäudes mit einem Mangel an finanziellen Mitteln zu kämpfen. Ende Januar 2025 wandte sie sich deswegen in einem Brandbrief an das französische Kulturministerium.[7] Daraufhin machte Staatspräsident Emmanuel Macron die Rettung des Louvre zur Chefsache: Das meistbesuchte Museum der Welt soll für etwa 800 Millionen Euro generalsaniert und ein weiterer Eingangsbereich gebaut werden.[2]

Laurence des Cars einwickelte einen öffentlichkeitswirksamen Plan, der besonders die jüngere Generation anspricht. Das Gemälde Mona Lisa soll einen eigens zugänglichen, 2000 Quadratmeter großen Raum erhalten. Darin sei genug Platz für das jüngere Publikum, das sich Werke mit Selbstporträts aneigne. Außerdem gebe es Raum dafür, die Geschichte des Kunstwerks ausführlicher darzustellen.[2]

Im Oktober 2025 ereignete sich ein Kunstraub aus dem Louvre 2025, bei dem ein Teil der französischen Kronjuwelen entwendet wurde. Als Konsequenz bot Laurence des Cars der französischen Kulturministerin Rachida Dati ihren Rücktritt an, die diesen ablehnte.[8][9]

Preise und Auszeichnungen

Schriften (Auswahl)

  • Les Préraphaélites. Un modernisme à l’anglaise (= Découvertes Gallimard. Peinture. 368). Gallimard, Paris u. a. 1999, ISBN 2-07-053459-6.
  • als Herausgeberin: Louvre Abu Dhabi. Birth of a Museum. Flammarion, Paris 2013, ISBN 978-2-08-020166-9.
  • Yan Pei-Ming. Un enterrement à Shanghai. Hatje Cantz, Berlin 2015, ISBN 978-3-7757-4685-4.
Commons: Laurence des Cars – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Oliver Meiler: Direktorin des Louvre in Paris: Die oberste Hüterin der «Mona Lisa» ist eine Alarmschlägerin. In: tagesanzeiger.ch. 29. Januar 2025, abgerufen am 8. Februar 2025.
  2. a b c d Michaela Wiegel: Retterin des Louvres. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. Band 2025, Nr. 32, 7. Februar 2025, S. 9.
  3. a b Marc Zitzmann: Die erste Frau an der Spitze des Louvre. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 27. Mai 2021, abgerufen am 27. Mai 2021.
  4. Aurélie Filippetti, ministre de la Culture et de la Communication a nommé Laurence des Cars au poste de Directrice du musée de l’Orangerie. Abgerufen am 8. Februar 2025 (französisch).
  5. Arrêté du 1er janvier 2014 portant nomination de la directrice du musée national de l’Orangerie des Tuileries. (online [abgerufen am 8. Februar 2025]).
  6. Laurence des Cars nommée à la tête du Musée d’Orsay. 28. Februar 2017 (online [abgerufen am 8. Februar 2025]).
  7. Der Louvre ist einem geleakten Brandbrief zufolge in einem besorgniserregenden Zustand. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 24. Januar 2025, abgerufen am 8. Februar 2025.
  8. Louvre-Direktorin räumt „Versagen“ ein. In: tagesschau.de. 22. Oktober 2025, abgerufen am 22. Oktober 2025.
  9. Caméras insuffisantes, alarmes qui ont fonctionné… Ce qu’il faut retenir de l’audition de la directrice du Louvre au Sénat, après le cambriolage. In: France Info. 22. Oktober 2025, abgerufen am 22. Oktober 2025 (französisch).
  10. Ordre des Arts et des Lettres — Nominations et promotions du 23-03-2017. Abgerufen am 8. Februar 2025.
  11. Décret du 21 mai 2021 portant promotion et nomination dans l’ordre national du Mérite. (online [abgerufen am 8. Februar 2025]).
  12. Décret du 15 janvier 2025 portant promotion et nomination dans l’ordre national de la Légion d’honneur. (online [abgerufen am 8. Februar 2025]).
  13. 2025 New Member List | American Academy of Arts and Sciences. Abgerufen am 24. April 2025 (englisch).