Lauer (Anlegestelle)

Das Wort Lauer bezeichnet eine befestigte Anlegestelle an einem Fluss. Es handelt sich um eine einfache Form eines Hafens, an dem Waren ein- und ausgeladen und gelagert werden können.

Vorkommen

Mit Lauer werden in Südwest-Deutschland Fluss-Anlegestellen bezeichnet, besonders am Neckar, dort meist als Neckarlauer. In Heilbronn, Eberbach, Neckargemünd, Heidelberg und Mannheim gab oder gibt es Lauern. Durch den Bau der modernen Häfen sind die Lauern in Heilbronn und Mannheim verschwunden.

In Eberbach liegt der Neckarlauer vor der Altstadt, unter der Brücke. Er wird heute als Parkplatz genutzt. In Neckargemünd und Heidelberg dient er immer noch als Anlegeplatz für Passagierschiffe, in Heidelberg ist er der Heimathafen der sogenannten „Weißen Flotte“ der Ausflugsschiffe. Die Lauern werden bei Hochwasser überflutet.[1][2][3][4]

Unter den Straßen in Deutschland findet man 54-mal den Namen Lauer, die häufigsten Namen sind „Lauergasse“, „Lauerstraße“ und „Lauer(s)weg“, zusammen 21-mal. Unter den aus „lauer-“ gebildeten Straßennamen sticht der der „Oberen Lauerfahrt“ in Saarbrücken heraus. Schon die erste urkundliche Erwähnung dieses Namens verweist 1500 auf eine Verkehrsbeziehung: „Lawer fuerth“.[1]

Etymologie

Die Ortsbezeichnung „Lauer“ wird im Badischen Wörterbuch definiert als „Schiffsanlegestelle, Kaimauer als Schifflände“. Das Etymologische Wörterbuch des Althochdeutschen leitet alle aus Lauer- gebildeten Flurnamen wie „lauerbach, lauergasse“ von den Lohgerbern ab. Auch das Pfälzische Wörterbuch führt die topografische Bedeutung von Lauer stets auf die Gerber zurück. Eine andere Quelle führt „Lauer“ auf das altdeutsche „lêwir“ d. h. Hügel, Böschung, zurück.[1]

Geschichte

Eine amtliche Beschreibung des Großherzogtums Baden hält 1885 fest: „Anlandestellen, sogenannte Lauer, befinden sich an fast allen Neckarorten, größere Anlagen dieser Art in Eberbach, in Verbindung mit einem Winterhafen, und in Heidelberg, mit Zollhof und Krahnen.“

Am 1. August 1789 erließ die kurpfälzische Regierung eine Lauerordnung für Heidelberg. Der Lauer war verpachtet an einen „Beständer“, dem vier „Holzmesser“, also Lagerarbeiter zur Seite standen. Außerdem gab es „Kärcher“, Fuhrleute mit Pferdewagen; Privatkunden durften eigene Fahrzeuge einsetzen, aber nicht für Dritte arbeiten. Das Personal lebte von den für jede Transaktion erhobenen Gebühren, durfte sich aber nicht selbst beim Handel betätigen. Dem Beständer stand ein Haus mietfrei zur Verfügung, das er zu unterhalten hatte. Mit dem Bau des Neckarstadens 1896 verschwand auch der Lauerplatz mit seinen Einrichtungen. Der Lauer blieb, nun als Anlegestelle für die Personenschifffahrt. So hat Heidelberg bis heute eine Lauergebührenordnung. In Heidelberg gibt es eine Lauerstraße, die zunächst Teil des Ufers, eben des Lauers, war. Durch Umbauten wurde sie vom Ufer getrennt.

In Heilbronn war im 19. und 20. Jahrhundert der Lauername noch aktuell. 1897 wird der „Lauer auf dem östlichen Ufer“ neu gebaut. Seit 1926 gibt es in Hafennähe einen Lauerweg.[1]

In Mannheim gab es im 18. Jahrhundert einen Neckarlauer und einen Rheinlauer.[5]

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. a b c d Hans-Martin Mumm: Der Name der Lauerstraße. Badische Landesbibliothek, 2020, abgerufen am 19. Oktober 2025.
  2. Der Neckarlauer ist fertig. Stadt Heidelberg, 30. August 2019, abgerufen am 19. Oktober 2025.
  3. Wird der Lauer zum Sandstrand mit Sitzstufen zum Neckar und Gastro? In: Rhein-Neckar-Zeitung. 9. August 2025, abgerufen am 19. Oktober 2025.
  4. Chillbereich "Neckarfrische" am Neckarlauer ist wieder geöffnet. In: Rhein-Neckar-Zeitung. 18. Mai 2025, abgerufen am 19. Oktober 2025.
  5. Hanspeter Rings: Mannheim auf Kurs. v. Brandt, Mannheim 2003, ISBN 3-926260-57-2, S. 42,55.