Laubusch (Wüstung)
Laubusch, obersorbisch Lubuš, war ein Dorf in der Oberlausitz, nordwestlich von Hoyerswerda, im heutigen Landkreis Bautzen. Es wurde Anfang der 1940er-Jahre für den Braunkohletagebau Erika (später: Tagebau Laubusch) vollständig abgebrochen.
Der Ortsname Laubusch ging 1945 auf die benachbarte Werkskolonie Erika über.
Etwa 2,5 km südsüdöstlich von Laubusch lag der Ortsteil Neu-Laubusch, der um das Jahr 1830 durch Ausbauten entstand und im Jahr 1924 ebenfalls für den Tagebau Erika vollständig abgebrochen wurde.
Geschichte
Der Ort ist historisch erstmals 1401 als Lubasch belegt, weitere Namensformen sind Laubusch (1568), Laubisch (1658, 1732) und Lubusch (1744). Der deutsche Ortsname entwickelte sich aus dem sorbischen und geht auf einen altsorbischen Personennamen zurück. Er bedeutet sinngemäß „Ort des Lubuš“ oder „Lubuch“.[1]
Laubusch gehörte in der Feudalzeit zur Standesherrschaft Hoyerswerda, die ab 1737 bis zur Abtretung an Preußen im Jahr 1815 ununterbrochen im Besitz der kursächsischen bzw. königlich-sächsischen Landesherren war.
Der vollständige Abbruch des Dorfes Laubusch erfolgte 1940/41 im Zusammenhang mit dem Braunkohlentagebau Erika der Ilse Bergbau-AG. Im Zuge der Umsiedlung wurden etwa 250 Personen registriert. Die meisten von ihnen zogen in die nahegelegene Kolonie Erika um, die bereits seit dem Ersten Weltkrieg von der Ilse AG gegründet und bis in die 1930er-Jahre zu einer modernen Siedlung ausgebaut worden war. Diese Kolonie bildet den Kern des heutigen Ortes Laubusch.
Bevölkerung
Nach dem Dreißigjährigen Krieg war die Grundherrschaft landesherrlich geprägt. Die Lage der bäuerlichen Bevölkerung wurde daher als vergleichsweise wenig belastend beschrieben. Um 1884 stellte der Sorabist Arnošt Muka folgende Besitzstruktur fest: 16 Ganzbauern oder Hüfner, 12 Halbbauern, 1 Großgärtner, 49 Kleinhäusler (darunter 3 Deutsche), sowie ein Gastwirt und ein Krämer. Zusätzlich führte Muka vier „ausgeschlachtete“ bäuerliche Wirtschaften an. Diese parzellierten Höfe stehen in Zusammenhang mit der vergleichsweise hohen Anzahl feldloser Häuslerstellen.[2]
| Jahr | Einwohnerzahl |
|---|---|
| 1871 | 367 |
| 1884 | 386 |
| 1900 | 400 |
| 1914 | 414 |
| 1925 | 3701 |
| 1939 | 3054 |
Der starke Anstieg zwischen 1914 und 1925 erklärt sich durch den Aufbau der benachbarten, stadtähnlichen Werkskolonie Erika. Der anschließende Rückgang ist auf Rationalisierungsmaßnahmen im Bergbau sowie die Vorbereitung des Ortsabbruchs zurückzuführen.
Kirchengemeinde
Seit mindestens 1540 war Laubusch nach Hoyerswerda eingepfarrt, im 19. Jahrhundert auch zeitweise nach Geierswalde. Ab 1920 bestand der selbstständige Pfarrbezirk Erika-Laubusch, ab 1921 bildete die Kirchengemeinde Erika-Laubusch eine selbstständige Pfarrgemeinde. Eine Notkirche wurde 1921 geweiht, eine größere Kirche entstand zwischen 1936 und 1938.[3]
Sprache und Kultur
Laubusch war traditionell ein überwiegend sorbischsprachiges Dorf. Arnošt Muka zählte 1884 unter 386 Einwohnern 378 Sorben und nur acht Deutsche, die jedoch alle Sorbisch verstanden.[4] Gemäß Volkszählung 1910 waren damals 94,9 % der Laubuscher Bevölkerung Sorben.[5]
Muka beschrieb Laubusch als Teil einer kulturell stark sorbisch geprägten Region. Er hob die ausgeprägte Volkskultur, Gastlichkeit, religiöse Bräuche und Trachtenpflege hervor:[6]
1956 zählte der Ethnologe Arnošt Černik in der ehemaligen Kolonie Erika, dem heutigen Laubusch, noch 88 sorbischsprachige Personen, was einem Anteil von 1,8 Prozent an der Bevölkerung entsprach. Ob und in welchem Umfang diese aus dem ursprünglichen Dorf Laubusch stammten, ist nicht bekannt.[7]
Heutige Lage und Erinnerungsstätte
Das ehemalige Siedlungsgebiet von Laubusch ist heute durch Aufforstung renaturiert. Am 16. Mai 2001 wurde anlässlich der 600-Jahr-Feier von Laubusch auf Initiative des örtlichen Heimatvereins eine Erinnerungsstätte auf der ehemaligen Ortsnähe errichtet. Den Mittelpunkt des Ensembles bildet ein Findling aus dem Tagebau Nochten. Am 12. Juni 2004 wurde dort der von der Domowina organisierte Tag der abgebaggerten sorbischen Dörfer abgehalten. Derzeit (Stand: Oktober 2025) ist die Erinnerungsstätte nicht zugänglich, da das gesamte Gelände als geotechnischer Sperrbereich ausgewiesen ist.[8]
Am Laubuscher Tor in der Oststraße des heutigen Dorfes Laubusch wird des namensgebenden Dorfes mit Informationstafeln gedacht. Dieser Gedenkort ist zugänglich.
Siehe auch
Literatur
- Lausitzer und Mitteldeutsche Bergbau-Verwaltungsgesellschaft mbH: Erika/Laubusch (Lausitzer Revier: Wandlungen und Perspektiven Nr. 11), Senftenberg 2015, (Online)
- Frank Förster: Verschwundene Dörfer im Lausitzer Braunkohlenrevier. 3., bearbeitete und erweiterte Auflage, Domowina-Verlag, Bautzen 2014, S. 173–176.
- Archiv verschwundener Orte, Dokumentation bergbaubedingter Umsiedlung, Horno 2010, S. 252–253.
- Ernst Eichler: Slawische Ortsnamen zwischen Saale und Neiße. Bd. II, Bautzen 1987, S. 106.
- Ernst Eichler, Hans Walther: Ortsnamenbuch der Oberlausitz. Berlin 1975, S. 158f.
- Karlheinz Blaschke: Historisches Ortsverzeichnis von Sachsen, 4. Teil: Oberlausitz, Leipzig 1957, S. 44.
- Fünfzig Jahre Ilse Bergbau-Aktiengesellschaft 1888–1938. Berlin 1938, S. 112ff., 165ff., 190ff.
- Scholz (Hrsg.): Heimatbuch des Kreises Hoyerswerda. Bad Liebenwerda 1925, S. 326.
- Arnošt Muka: Statistika hornjołužiskich Serbow pruskeho kralestwa. In: Časopis Maćicy Serbskeje, 1885, Jg. XXXVIII, S. 7, 35ff., 45ff.
Weblinks
- Laubusch in: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital.
- Laubusch in: Historisches Ortsverzeichnis von Sachsen
- Tagebau Laubusch (Erika) in: KuLaDig
Einzelnachweise
- ↑ Ernst Eichler, Hans Walther: Ortsnamenbuch der Oberlausitz. Studien zur Toponymie der Kreise Bautzen, Bischofswerda, Görlitz, Hoyerswerda , Kamenz, Löbau, Niesky. Senftenberg, Weißwasser und Zittau. Band I: Namenbuch. Berlin 1975, S. 158 ff.
- ↑ Arnošt Muka: Statistika hornjołužiskich Serbow pruskeho kralestwa. In: Časopis Maćicy Serbskeje. Jg. XXXVIII, 1885, S. 35 ff.
- ↑ Fünfzig Jahre Ilse Bergbau-Aktiengesellschaft 1888–1938. Berlin 1938, S. 193.
- ↑ Arnošt Muka: Statistika hornjołužiskich Serbow pruskeho kralestwa. In: Časopis Maćicy Serbskeje. Jg. XXXVIII, 1885, S. 7.
- ↑ Michael Richter: Wendische/sorbische Mehrheiten? Umstrittene Volkszählungen zwischen 1925 und 1951. In: Lětopis 1/2018, S. 21–46.
- ↑ Arnošt Muka: Statistika hornjołužiskich Serbow pruskeho kralestwa. In: Časopis Maćicy Serbskeje. Jg. XXXVIII, 1885, S. 46, 50.
- ↑ Arnošt Černik: Statistiske přehladki wosobow ze znajomosću serbšćiny w dwurěčnych kónčinach Łužicow po wokrjesach a wobwodach. Sorbisches Kulturarchiv Bautzen, MS XVI-14 B., 1956.
- ↑ Torsten Richter: Heimat, die bleibt. Ortserinnerungsstätten in der Lausitz. Regia-Verlag, Cottbus 2013, S. 117.
Koordinaten: 51° 28′ 29″ N, 14° 9′ 6″ O