Lasowice Wielkie (Malbork)
| Lasowice Wielkie | ||
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| Basisdaten | ||
| Staat: | Polen
| |
| Woiwodschaft: | Ermland-Masuren | |
| Powiat: | Elbląski | |
| Gmina: | Malbork | |
| Geographische Lage: | 54° 5′ N, 19° 4′ O | |
| Einwohner: | 341 | |
Lasowice Wielkie (deutsch Groß Lesewitz) ist ein Dorf der Landgemeinde Malbork im Powiat Elbląski der Woiwodschaft Ermland-Masuren in Polen.
Geographische Lage
Lasowice Wielkie liegt im Großen Marienburger Werder (Żuławy Malborskie), acht Kilometer nordnordöstlich der Stadt Malbork (Marienburg) und etwa 23 Kilometer westsüdwestlich von Elbląg (Elbing). Es entstand auf einer schmalen, langgestreckten sandigen Bodenerhebung im Weichsel-Nogat-Delta (poln. Żuławy Wiślane). Die Nogat verläuft einen Kilometer östlich der Gemarkung.[1]
Geschichte
Ortsgeschichte
Beim Einebnen eines Windmühlenhügels in Groß Lesewitz im 19. Jahrhundert waren Urnen und Gebrauchsgegenstände gefunden worden, die der La-Tène-Zeit (etwa 450 v. Chr.) bzw. dem Übergang zur Völkerwanderungsperiode (Ende des 4. und Anfang des 5. Jahrhunderts) zugerechnet werden.[2]
Lesewitz gehört zu einer Reihe von Ortschaften, die vom Deutschen Orden schon im 14. Jahrhundert im Weichsel-Nogat-Delta gegründet wurden, und erhielt seine Handfeste im Jahr 1350.[3] Zwischen 1381 und 1440 kommen Pfleger zu Lesewitz vor.[4]
Mit der Ersten Polnischen Teilung kam der Ort 1773 zum Königreich Preußen und zur Provinz Westpreußen.
Um 1818 hatte das Dorf Groß Läsewitz eine Grützmühle (zur Herstellung grobkörnigen Mehls), eine Hakenbude (Krämer- oder Verkaufsbude), einen Krug, eine Schänke, eine Schmiede und zwölf Handwerksbetriebe.[5] Groß Lesewitz war der namensgebende Ort für den ‚Lesewitzer Winkel‘, einen von fünf Gemeindeverbänden, in welche die Kommune des Großen Werders untergliedert worden war; der Lesewitzer Winkel umfasste 14 Dörfer.[6]
Im Jahr 1875 wurden das alte Schulgebäude abgerissen und der Neubau für ein neues einklassiges Schulgebäude für hundert Schulkinder in Angriff genommen.[7]
Im Jahr 1890 gab es in Groß Lesewitz unter anderem zwei Gasthöfe, eine mit einer Bäckerei verbundene Gemischtwarenhandlung, eine Böttcherei, eine Käsefabrik, die von der Käserei-Genossenschaft betrieben wurde, die alte private Käserei, die verpachtet war, eine Mühle, eine Sattlerei, eine Schmiede, eine Schreinerei und eine Stellmacherei. Als Gutsbesitzer werden genannt: Bachmann, Beiker, Dirksen, Döhring, Figuth, Frowerk, Jantzen, Tormer, Wiebe, Wolff und Zimmermann.[8] Die Güter hatten keine Rittergutsqualität.
Um 1910 hatte Groß Lesewitz eine Haltestelle an der Kleinbahnstrecke Marienburg – Lindenau (– Neuteich, – Tiegenhof), eine Käsefabrik, eine Molkerei, eine Mühle, eine Spar- und Darlehenskasse sowie eine evangelische und eine katholische Pfarrkirche.[9] Am 1. Dezember 1913 wurden auf der 1208,4 Hektar großen Gemarkungsfläche der Landgemeinde Groß Lesewitz 63 viehhaltende Haushaltungen gezählt, die zusammen 297 Pferde, 580 Stück Rindvieh, zwei Schafe, 432 Stück Borstenvieh und 96 Ziegen hielten. Die Imker des Dorfs betrieben 57 Bienenstöcke.[10]
Im Jahr 1919 gehörte die Landgemeinde Groß Lesewitz zum Kreis Marienburg (Westpreußen) im Regierungsbezirk Danzig der Provinz Westpreußen des Deutschen Reichs. Aufgrund der Bestimmungen des Versailler Vertrags kam das Gebiet nach dem Ersten Weltkrieg 1920 an die Freie Stadt Danzig und zum Landkreis Großes Werder.
Nach dem Überfall auf Polen kam Groß Lesewitz kam der Freistaat im September 1939 zum Deutschen Reich und Groß Lesewitz zum Kreis Marienburg (Westpreußen) im Regierungsbezirk Danzig im Reichsgau Danzig-Westpreußen. In Folge des Zweiten Weltkriegs fiel das Gebiet an Polen.
Die Landgemeinde Malbork wurde 1973 aus Gromadas gebildet. Sie gehörte von 1975 bis 1998 zur Woiwodschaft Elbląg.
Demographie
| Jahr | Einwohner | Anmerkungen |
|---|---|---|
| 1771 | 470 | [11] |
| 1783 | – | kölmisches Dorf mit einer lutherischen und einer katholischen Pfarrkirche im Großen Marienburger Werder, mit 52 Feuerstellen (Haushaltungen), zur Intendantur Marienburg gehörig[12] |
| 1818 | 439 | kölmisches Dorf mit 48 Feuerstellen (Haushaltungen), zum Amt Marienburg gehörig, davon 129 Lutheraner, 299 Katholiken und elf Mennoniten[5][13] |
| 1852 | 605 | Dorf[14] |
| 1864 | 641 | am 3. Dezember, Gemeindebezirk[15] |
| 1871 | 576 | am 1. Dezember, Landgemeinde, davon 199 Evangelische, 354 Katholiken und 23 sonstige Christen[16] |
| 1885 | 569 | am 1. Dezember, Landgemeinde, darunter 251 Evangelische, 290 Katholiken und 18 sonstige Christen[17] |
| 1905 | 548 | am 1. Dezember, Landgemeinde, davon 234 Evangelische (233 mit deutscher Muttersprache, eine Person mit einer anderen Sprache), 290 Katholiken (256 mit deutscher, 33 mit polnischer Muttersprache, eine Person mit deutscher und einer anderen Sprache) und 24 andere Christen (sämtlich mit deutscher Muttersprache)[18] |
| 1910 | 472 | am 1. Dezember, Landgemeinde, davon 468 mit deutscher Muttersprache (202 Evangelische, 231 Katholiken und 35 sonstige Christen), eine Person mit polnischer Muttersprache (katholisch) und drei Personen mit deutscher und einer anderen Sprache[19] |
Kirche
Die evangelischen Dorfbewohner gehörten zum Kirchspiel Groß Lesewitz.[20][21][22] Erster evangelischer Prediger in Groß Lesewitz war Balthasar Richter,[23] der das Amt 1565–1572 bekleidete.[24] Der Bestand an Kirchenbuch-Eintragungen reichte für Geburten bis 1639 und für Trauungen sowie Todesfälle bis 1653 zurück.[25]
Das katholische Kirchspiel war ebenfalls Groß Lesewitz. Die Mennoniten gehörten zur Mennonitengemeinde Heubuden.
Die seit 1945 anwesende polnische Bevölkerung gehört mit wenigen Ausnahmen der Römisch-katholischen Kirche in Polen an.
Persönlichkeiten
- Johann Leonhard Wächter (1732–1798), Pfarrer in Uelzen und Hamburg, Vater des Schriftstellers Leonhard Wächter.[26]
- Marie Loeper-Housselle (1837–1916), Pädagogin, die sich in der Mädchenbildung und in der Fortbildung von Lehrerinnen und Erzieherinnen engagierte.
Weblinks
Fußnoten
- ↑ Paul Thomaschky: Die Ansiedelungen im Weichsel-Nogat-Delta (Inaugural-Dissertation, Königl. Akademie zu Münster i. W.), Münster 1887, S. 47 (Google Books).
- ↑ Abraham Lissauer: Die prähistorischen Denkmäler der Provinz Westpreussen und der angrenzenden Gebiete. W. Engelmann, Leipzig 1887, S. 152, § 9 (Google Books).
- ↑ Alfred Jentzsch: Die geologische Erforschung des norddeutschen Flachlandes, insbesondere Ost-und Westpreussens in den Jahren 1878−1880, in: Schriften der Physikalisch-ökonomischen Gesellschaft zu Königsberg, 21. Jahrgang (1880), Königsberg 1881, S. 131–208, insbesondere S. 157 (Google Books).
- ↑ Max Toeppen: Historisch-comparative Geographie von Preussen. Gotha 1858, S. 226 (Google Books).
- ↑ a b Danziger Regierungs-Departement, Verzeichniß der in den einzelnen Kreisen befindlichen Ortschaften, veröffentlicht ca. 1820 (enthält statistische Angaben von 1818), S. 36–37, Ziffer 68 (Google Books).
- ↑ Karl Parey: Darstellung der jetzigen Communalverhältnisse im Marienburger Kreise, in: Altpreußische Monatsschrift, Sechster Band, Königsberg in Pr. 1869, S. 611–631, insbesondere S. 614 (Google Books).
- ↑ Zeitschrift für Bauwesen, Band 33, Ernst & Korn, Berlin 1883, Statistische Nachweisungen, S. 48 (Google Books).
- ↑ C. Leuchs: Adressbuch aller Länder der Erde, der Kaufleute, Fabrikanten, Gewerbetreibenden, Gutsbesitzer etc. etc., Band 11a: Westpreussen, 8. Ausgabe für 1891–1894, Nürnberg 1891, S. 119–120 (Google Books).
- ↑ Groß Lesewitz, Dorf, Kreis Marienburg i. Westpr., Provinz Westpreußen. In: Meyers Gazetteer, mit Eintrag aus Meyers Orts- und Verkehrslexikon, Ausgabe 1912, sowie einer historischen Landkarte der Umgebung von Groß Lesewitz (meyersgaz.org)
- ↑ Königlich Preußisches Statistisches Landesamt: Gemeindelexikon über den Viehstand und den Obstbau für den Preußischen Staat. Heft 2: Provinz Westpreußen. Berlin 1915, 1. Regierungsbezirk Danzig. 3. Kreis Marienburg in Westpreußen. S. 6–7, Ziffer 29 (Google Books).
- ↑ Gustav Strakosch-Graßmann: Die Zahl der Landbevölkerung Deutschlands im Mittelalter (Schluß), in: Deutsche Geschichtsblätter, Band 14, Gotha 1913, S. 310–322, insbesondere S. 311 (Google Books).
- ↑ Johann Friedrich Goldbeck: Volständige Topographie des Königreichs Preussen. Zweiter Theil welcher die Topographie von West-Preussen enthält. Anhang (mit neu beginnender Seitenzählung): Volständige Topographie vom West-Preußischen Cammer-Departement, Marienwerder 1789, S. 113 (Google Books).
- ↑ Alexander August Mützell und Leopold Krug: Neues topographisch-statistisch-geographisches Wörterbuch des preußischen Staats, Band 3: Kr–O, Halle 1822, S. 55, Ziffer 148 (Google Books).
- ↑ Kraatz (Hrsg.): Topographisch-statistisches Handbuch des Preußischen Staats, enthaltend die sämmtlichen Städte, Flecken, Dörfer … mit Angabe des Gerichts erster Instanz … Unter Benutzung der Akten des Königlichen Justiz-Ministeriums. Deckersche Geheime Ober-Hofbuchdruckerei, Berlin 1856, S. 346 (Google Books).
- ↑ Preußisches Finanzministerium: Ergebnisse der Grund- und Gebäudesteuerveranlagung im Regierungsbezirk Danzig. Danzig 1867, 6. Kreis Marienburg, S. 10–17, Ziffer 64 (Google Books).
- ↑ Königliches Statistisches Bureau: Die Gemeinden und Gutsbezirke der Provinz Preussen und ihre Bevölkerung. Nach den Urmaterialien der allgemeinen Volkszählung vom 1. December 1871 bearbeitet und zusammengestellt. Berlin 1874, S. 346–347, Ziffer 59 (Google Books).
- ↑ Königliches statistisches Bureau: Gemeindelexikon für das Königreich Preußen. Auf Grund der Volkszählung vom 1. Dezember 1885. Band II: Provinz Westpreußen, Berlin 1887, S. 10–11, Ziffer 31 (Google Books).
- ↑ Königliches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Gemeindelexikon für das Königreich Preußen – Auf Grund der Materialien der Volkszählung vom 1. Dezember 1905 und anderer amtlicher Quellen, Heft II: Provinz Westpreußen, Berlin 1908, S. 78–79, Ziffer 29 (Google Books).
- ↑ Königlich Preußisches Statistisches Landesamt: Gemeindelexikon der Regierungsbezirke Allenstein, Danzig, Marienwerder, Posen, Bromberg und Oppeln. Auf Grund der Volkszählung vom 1. Dezember 1910 und anderer amtlicher Quellen. Berlin 1912, Heft II: Regierungsbezirk Danzig. 9. Kreis Marienburg i. Westpr., S. 32–33, Ziffer 29 (Google Books).
- ↑ Pfarr-Almanach der Provinz Westpreußen (Bureau des Königlichen Konsistoriums der Provinz Westpreußen, Hrsg.), Danzig 1897, S. 41–42, § 8 (Google Books).
- ↑ Agathon Harnoch: Chronik und Statistik der evangelischen Kirchen in den Provinzen Ost- und Westpreußen, Neidenburg 1890, S. 430–431 (Google Books).
- ↑ Das evangelische Deutschland, Schulze & Co., Leipzig 1898, S. 365 (Google Books).
- ↑ Hermann Eckerdt: Geschichte des Kreises Marienburg, Bretschneider, Marienburg 1868, S. 99 (Google Books).
- ↑ Ludwig Rhesa: Kurzgefaßte Nachrichten von allen seit der Reformation an den evangelischen Kirchen in Westpreußen angestellten Predigern. Paschke, Königsberg 1834, S. 187–188 (Google Books).
- ↑ Richard Rose: Die Kirchenbücher der Provinz Westpreußen. Auf Grund amtlichen Materials zusammengestellt. In: Archiv für Stamm- und Wappenkunde, 6. Jahrgang 1905–1906, Papiermühle (Sachsen-Altenburg) 1906, S. 177–180, insbesondere S. 178, VII. Mareienburg (Google Books).
- ↑ Johannes Geffcken: Die große St. Michaeliskirche in Hamburg – Denkschrift zum ersten Säcularfeste derselben am Sonntage, den 19. October 1852, Zweite Auflage, Nolte, Hamburg 1862, S. 92 (Google Books).