Larissa Mondrus
Larissa Israilewna Mondrus (russisch Лариса Израилевна Мондрус; * 15. November 1943 in Dschambul, Kasachische SSR) ist eine sowjetische bzw. deutsche Mezzosopranistin, Schlagersängerin und Songwriterin.[1][2][3][4]
Leben
Mondrus war die Tochter Lidija Grigorjewna Sapletinas und Israil Iossifowitsch Mondrus', die nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs mit ihr aus der Evakuierung nach Riga zurückkehrten.[4][5] Nach dem Abschluss an der Rigaer Musikschule 1962 kam sie nach Erfolg im Wettbewerb als Solistin in das Rigaer Estrada-Orchester bei der Letischen Philharmonie.[3] Dort lernte sie den Pianisten, Komponisten und späteren künstlerischen Leiter Raimonds Pauls kennen und insbesondere den Dirigenten, Bandleader und Komponisten Egil Schwarz. Schwarz, der damals dieses Orchester leitete, fühlte sich durch den freien Vortrag von Schlagern in mehreren Originalsprachen (Polnisch, Italienisch, Französisch und Englisch) sowie verjazzte Stilistik, die Mondrus zu demonstrieren wußte, tief beeindruckt und heiratete sie 1964.[6]
Der berühmte Bandleader Eddie Rosner lud Mondrus mit ihrem Mann im gleichen Jahr nach Moskau in sein Jazz-Orchester ein.[3][4] Landesweit bekannt wurde sie durch Auftritte im Zentralen Fernsehen der UdSSR. In der Silvesternacht 1964 hatte sie Eddie Rosners Lied Moon Whistle gesungen. In der Silvesternacht 1966 saß sie an einem Tisch mit den Kosmonauten Juri Gagarin, Alexei Leonow und Pawel Beljajew, dabei sang sie das Lied Die Sterne warten auf uns der lettischen Komponistin E. Igenberga und Twist Mein lieber Fantast von E. Schwarz. Für die nächste Silvesternacht nahm sie mit Polad Bülbüloğlu und Müslüm Maqomayev den ersten sowjetischen Videoclip auf. Auch im Rundfunk war Mondrus zu hören. Zu diesem Zeitpunkt arbeitete sie bereits bei der staatlichen Moskauer Music-Hall, mit der sie an Gastspielreisen nach Polen und in die DDR teilnahm. Von 1968 bis 1972 war Mondrus für die älteste Moskauer Kulturorganisation Moskonzert tätig. Ein großer Erfolg war das Lied Billet in die Kindheit (Melodie Frank Miller, Text Robert Roschdestwenski), das später zum Repertoire Edita Pjechas gehörte.[7] Ihr größter Erfolg war ihr Lied Sini ljon (Blauer Flachs) (Musik von Raimonds Pauls).[8] Zu ihrem Repertoire gehörten Liebeslieder Pawel Ajedonizkis und vieler anderer.
Das Repertoire und die Gesangsmanier von Mondrus wurden inzwischen von der offiziellen Kritik als zu westlich oder zu frivol angeprangert. Den Aufforderungen, sich "patriotisch-propagandistischen Themen" zu widmen, hat die Sängerin jedoch nicht gefolgt. Die Gastauftritte im Ausland wurden ihr schließlich verwehrt, und Einladungen in die Tschechoslowakei und DDR konnte sie somit nicht mehr wahrnehmen.
Nach dem Amtsantritt 1971 des neuen Leiters des Hörfunk- und Fernseh-Staatskomitees Sergej Lapin wurden Mondrus, ihr Kollege Wadim Mulerman und einige andere Stars von damals, vor allem jüdischer Herkunft, ohne Angaben von Gründen von den Auftritten im Rado und Fernsehen ausgeschlossen. Solokonzerte waren ebenfalls nicht mehr gestattet. Darauf beschlossen Mondrus und Schwarz das Land zu verlassen und erhielten in der Tat von der OWIR die Ausreisedokumente für Israel. Im März 1973 emigrierten sie in die Bundesrepublik Deutschland und kauften sich ein Haus in Grünwald am südlichen Rand Münchens.[3][4] Mondrus schloss einen Vertrag mit Polydor Records und veröffentlichte 1974 ihr erstes deutschsprachige Musikalbum Die Herzen singen. Durch ausgedehnte Gastspielreisen wurde sie europaweit bekannt und trat häufig im Fernsehen auf sowohl als Solistin als auch zusammen mit Ivan Rebroff, Karel Gott, Vittorio Casagrande, Michael Schanze u. a.[9] Sie sang Lieder auf Deutsch, Englisch, Lettisch, Italienisch und Hebräisch.[7] Sie wurde 1977 in das Star-Verzeichnis Star Szene 77 neben Ella Fitzgerald, Frank Sinatra, Barbra Streisand, Demis Roussos, Karel Gott u. a. aufgenommen.[10] Einige Zeit arbeitete sie als Nachrichtensprecherin im Radio Free Europe / Radio Liberty in München. Sie war mit Alexander Galitsch befreundet.
Zwei Jahre nach der Geburt ihres lang erwarteten Sohns Loren 1982 nahm Mondrus Abschied von der Bühne, kaufte ein Schuhgeschäft in München und betätigte sich fortan nur als Geschäftsfrau.[9]
Erst zu Beginn der 2000er Jahre kam es zum Comeback: Mondrus gab ein Gastspiel in Riga und traf sich mit Raimonds Pauls. Im Sommer 2001 ließ sie sich wieder in Moskau nieder und nahm an Fernseh- und Hörfunksendungen teil. Mit ihr wurde 2002 ein Dokumentarfilm gedreht.[4] Im November 2004 gab sie 15 Solokonzerte. In Jūrmala trat sie 2005 im New Wave Festival auf. Eine Mondrus-Audio-CD und eine Mondrus-Video-CD erschienen 2007. Ihre sowjetischen Aufnahmen waren nach ihrer Auswanderung nach Deutschland gelöscht worden.
Mondrus' musikalisch begabter Sohn Loren Schwarz wurde Leiter des Lehrstuhls für Automatisierung Medizinischer Verfahren der Fakultät für Informatik der Technischen Universität München.
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ Savchenko, B. (Boris): Larisa Mondrus. Algoritm, Moskau 2003, ISBN 5-9265-0079-6 (archive.org [abgerufen am 17. Dezember 2024]).
- ↑ Larissa MMondrus (abgerufen am 17. Dezember 2024).
- ↑ a b c d Ruskino.ru: Мондрус Лариса Израилевна (abgerufen am 17. Dezember 2024).
- ↑ a b c d e Большая российская энциклопедия: Мондрус Лариса Израилевна (abgerufen am 17. Dezember 2024).
- ↑ Лариса Мондрус. Неинтересен мир без песен (abgerufen am 15. Dezember 2024).
- ↑ Народная любимица Советского Союза (abgerufen am 15. Dezember 2024).
- ↑ a b Эстрада в России. XX век. Энциклопедия.
- ↑ Павлов А.: Прощай, «Синий лён»... [Интервью с Ларисой Мондрус]. In: Московский комсомолец. 20. April 2004.
- ↑ a b Лидия Павленко-Бахтина: Лариса Мондрус торгует бельем и туфлями (abgerufen am 16. Dezember 2014).
- ↑ Star Szene 77 - 1000 Top-Stars (abgerufen am 16. Dezember 2024).