Lajos Rovátkay
Lajos Rovátkay (* 15. September 1933 in Budapest;[1] † 2. Januar 2026[2] in Hannover[3]) war ein aus Ungarn stammender Cembalist, Organist, Dirigent und Hochschullehrer in Hannover.
Leben
Lajos Rovátkay, der Sohn eines Kunstmalers, erhielt ab dem sechsten Lebensjahr Klavierunterricht. Anfang der 1950er-Jahre studierte er Orgel am Bartók-Konservatorium in Budapest und versah während dieser Zeit den Organistendienst in der dortigen Zisterzienserkirche. Von 1954 bis 1956 studierte er an der Franz-Liszt-Musikakademie Orgel bei János Hammerschlag sowie Musikwissenschaften. In dieser Zeit war er Mitgründer eines „Collegium Musicum“ (instrumental und vokal), welches wenig bekannte Musik des 16. bis 18. Jahrhunderts erarbeitete.
Ende November 1956 flüchtete Rovátkay über die österreichische Grenze in den Westen, blieb ein paar Wochen in Wien und einige Zeit in Italien. Im März 1957 erhielt er ein Stipendium, um seine Studien in Deutschland fortzusetzen. Er erhielt privaten Orgelunterricht bei dem bekannten Bachinterpreten Helmut Walcha und besuchte die musikwissenschaftliche Fakultät der Universität Frankfurt.[3]
1962 wurde er als Lehrer für Cembalo und Orgel an die Musikhochschule Hannover berufen. Er heiratete 1963 die Blockflötistin Siri Rovatkay-Sohns, Tochter des Kunstmalers Kurt Sohns, die später ebenfalls in Hannover unterrichtete. Der älteste der beiden Söhne, Adrian Rovatkay, studierte moderne und historische Rohrblattinstrumente und ist ein gefragter Fagott- und Dulzianspieler.[4]
1975 wurde Lajos Rovátkay mit der Leitung des Studios für Alte Musik an der Hochschule betraut. Es folgte die Ernennung zum Professor. In dieser Position blieb er bis zu seiner Emeritierung 1998.
1981 gründete Rovátkay die „Capella Agostino Steffani“, aus der – nachdem Rovátkay 1995 auf deren Leitung verzichtete – die Hannoversche Hofkapelle wurde.[5] Mit der Capella gab er zahlreiche Konzerte und spielte mehrere CD ein. Auch wurde er mit dem Ensemble eingeladen, zum 300. Bestehen des Opernhauses in Hannover die Oper Enrico Leone (Heinrich der Löwe) von Agostino Steffani aufzuführen.[6]
Als Solist spielte er unter anderem die Goldberg-Variationen von Bach ein. 2008 erschien eine Aufnahme mit Werken für Stockflöte und Klavier aus der Biedermeierzeit. Außerdem betätigte sich Rovátkay als Herausgeber Alter Musik für verschiedene Verlage.
1992 wurde Lajos Rovátkay mit dem Niedersachsenpreis ausgezeichnet.
Verdienste
Lajos Rovátkay war „einer der Pioniere der historischen Aufführungspraxis“. Deren Arbeit habe „einen kaum zu überschätzenden Einfluss auf das gesamte Musikleben gehabt. Vom Kammerorchester bis zu den Berliner Philharmonikern hat sich allerorten jenes beredt artikulierte, plastische Klangideal durchgesetzt, das zuerst von Musikern wie Rovátkay propagiert wurde.“[3]
Agostino-Steffani-Projekt
Lajos Rovátkay hat im Jahr 2014 das „Forum Agostino Steffani“ konzipiert. Es ist ein „fortgesetztes Kulturprojekt“ in Hannover, das als jedes Jahr im September stattfindendes Projekt angelegt ist. Es soll „das gesamte Spektrum der zeitgemäßen Musik- und Geschichtsvermittlung“ umfassen mit Konzerten, multimedialen und musiktheatralischen Veranstaltungen, Vorträgen, Seminaren, Workshops und wissenschaftlich interdisziplinären Tagungen.
Gregor-Joseph-Werner-Projekt
Lajos Rovátkay betrieb die Wiederaufführung von Werken des Haydn-Vorgängers auf Schloss Esterházy als Kapellmeister, Gregor Joseph Werner (1693–1766).[7] Neben den Neuaufführungen sind bis 2024 drei CD-Einspielungen entstanden.[8] Unter Rovátkays Dirigat wirkten in allen drei Einspielungen bei Audite das Ensemble La festa musicale und das Voktett Hannover mit.[9]
Literatur
- Hochschule für Musik und Theater Hannover (Hrsg.): Aufbruch Alte Musik: 30 Jahre „Studio für Alte Musik“ an der Hochschule für Musik und Theater Hannover, 15 Jahre „Capella Agostino Steffani“, zum 70. Geburtstag von Prof. Lajos Rovatkay, Hahn, Hannover 2003, ISBN 3-7752-6122-2
- Stefan Arndt: Der Zeitgenosse, in: Hannoversche Allgemeine Zeitung vom 5. Januar 2026, S. 19
Weblinks
- Literatur von und über Lajos Rovátkay im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Liste der CD-Produktionen der Capella Agostino Steffani
- Webseite des Forum Agostino Steffani
- Interview mit Lajos Rovátkay 1992
- Gespräch mit Musik von 85 Minuten in der Sendereihe Zwischentöne am 2. August 2020 im Deutschlandfunk
Einzelnachweise
- ↑ Stefan Arndt: Das Geheimnis von Bachs Musik. Lajos Rovatkay ist der wohl einflussreichste hannoversche Musiker der vergangenen Jahrzehnte - jetzt feiert er seinen 90. Geburtstag mit einem Konzert, in: HAZ vom 6. September 2023, S. 23.
- ↑ We bid farewell to Lajos Rovátkay. In: Haydneum. 3. Januar 2026, abgerufen am 4. Januar 2026 (englisch).
- ↑ a b c Stefan Arndt: Der Zeitgenosse, in: Hannoversche Allgemeine Zeitung (HAZ) vom 5. Januar 2026, S. 19.
- ↑ Beschreibung auf der Website ersekicicero.org, Abruf am 6. Januar 2026
- ↑ Bericht bei Discogs.com, Abruf am 7. Januar 2026
- ↑ Beschreibung in einem Interview der zeitschrift „Concerto“ mit Lajos Rovátkay 1992, Abruf am 7. Januar 2026
- ↑ Lajos Rovatkay dirigiert tolle Musik von Gregor Joseph Werner, in: Hannoversche Allgemeine Zeitung vom 23. Januar 2023 (Link zum Digitalisat).
- ↑ Dirk Kruse: Messen und Motteten von Gregor Joseph Werner, auf BR-Klassik.de.
- ↑ Beschreibung bei jpc.de, Abruf am 28. Dezember 2025.