Lagos (Stammvater der Ptolemäer)
Lagos (altgriechisch Λαγός Lagós) war der im 4. Jahrhundert v. Chr. lebende Stammvater des makedonischen Königshauses von Ägypten, der Ptolemäer. Sein Sohn war der Dynastiegründer Ptolemaios I. Nach Lagos werden die Ptolemäer häufig auch Lagiden genannt
Lagos war ein Makedone entweder aus der Landschaft Eordaia[1] oder aus der Orestis.[2] Er war wahrscheinlich vornehmer Abkunft, entstammte aber nicht dem Hochadel.[3] Seine Eltern sind nicht bekannt. Auch über seine Lebensverhältnisse in Makedonien ist nichts Näheres überliefert.
Die Gemahlin des Lagos war Arsinoë, die wohl mit dem makedonischen Königshaus der Argeaden verwandt war.[4] Somit war sie von vornehmerer Abkunft als ihr Gatte. Daher soll Ptolemaios I. bei der Frage nach dem Namen seines Großvaters väterlicherseits stets verlegen gewesen sein.[3] Der zweite Sohn von Lagos und Arsinoë war der spätere Feldherr und eponyme Priester Menelaos.[5]
Nach späterer Legende sei Arsinoë eine Konkubine des makedonischen Königs Philipp II. gewesen und von diesem bereits schwanger mit Lagos verheiratet worden. Den danach geborenen Knaben, den späteren Ptolemaios I., habe Lagos auf einem ehernen Schild ausgesetzt; Ptolemaios sei jedoch von einem Adler bewacht und ernährt worden. Damit wurde Ptolemaios zum Halbbruder Alexanders des Großen erklärt. Dieses Gerücht entstand vor dem Hintergrund des von den Ptolemäern in Ägypten betriebenen Alexanderkultes, mit dem sie ihre eigene Dynastie aufs engste verbanden.[6]
Auf diese Legende bezog sich vermutlich auch der Dichter Theokritos, als er in seinem „Lobgedicht auf Ptolemaios“ eine Abstammung der Ptolemäer von Herakles verlautbarte, von dem sich auch die Argeaden herleiteten.[7] Der Historiker Arrian hingegen, der als Quelle unter anderem die Alexanderbiographie des ägyptischen Königs Ptolemaios I. (FrGrHist 138) nutzte, nannte diesen in seinen Werken mehrfach als einen Sohn des Lagos.
Die gelegentlich geäußerte Behauptung, dass Lagos auch mit Antigone, der Nichte des Antipatros, verheiratet und damit der Vater der Berenike gewesen sei, basiert auf einer wohl falschen Lesung des verderbt überlieferten Namen von Berenikes Vater in einem Scholion zum Gedicht von Theokritos.[8]
Literatur
- Walter Ameling: Lagos [1]. In: Der Neue Pauly (DNP). Band 6, Metzler, Stuttgart 1999, ISBN 3-476-01476-2, Sp. 1064.
- Werner Huß: Ägypten in hellenistischer Zeit 332–30 v. Chr. Beck, München 2001, ISBN 3-406-47154-4, S. 90. 93.
- Felix Staehelin: Lagos 1). In: Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft (RE). Band XII,1, Stuttgart 1924, Sp. 462–464.
Weblinks
- Christopher Bennett: Lagus, auf: instonebrewer.com
Einzelnachweise
- ↑ Arrian, Anabasis 6, 28, 4 und Indika18, 5.
- ↑ Stephanos von Byzanz, Ethnika, s. Orestia.
- ↑ a b Plutarch, De cohibenda ira, in: Moralia, p. 458 a-b; Pseudo-Plutarch, Pro Nobilitate 19 (7, 266 ed. Bernardakis).
- ↑ Satyros von Kallatis, FrGrHist Nr. 631 F 2.
- ↑ Plutarch, Demetrios 15, 2 zusammen mit Papyrus Hibeh 1, 84a und Elephantine-Papyrus 2.
- ↑ Pausanias, Beschreibung Griechenlands 1, 6, 2; Quintus Curtius Rufus Geschichte Alexanders des Großen 9, 8, 22; u. a.
- ↑ Theokritos, Idyllen 17.
- ↑ Scholion zu Theokritos, Idyllen 17, 34.