Laetitia Ky

Laetitia Ky (geb. 1996, Abidjan) ist eine feministische Künstlerin von der Elfenbeinküste, die Skulpturen aus ihrem Haar kreiert und von vielen als Galionsfigur (figurehead) der natürlichen Haarbewegung angesehen wird.

Leben

Ky wurde 1996 geboren. Sie wuchs in Abidjan auf; ihre Eltern trennten sich, als sie noch jung war.[1][2] Sie hat einen Abschluss in Betriebswirtschaftslehre (Business Administration) vom Institut national polytechnique Félix Houphouët-Boigny in Yamoussoukro. Nach ihrem Abschluss beschloss Ky, sich der Kunst anstatt der Wirtschaft zu widmen. Sie brachte sich selbst das Nähen bei, weil sie in der Modebranche arbeiten wollte.[2]

Ky begann in ihrer Jugend ihr Haare zu frisieren. Die Mode orientierte sich an europäischen Vorbildern und die Frauen der Elfenbeinküste verwendeten Hair Relaxer um ihr krausen Haare zu glätten. Ky spricht von einer „stigmatisierten Haarstruktur“.[3] Die Chemische Substanz ist aggressiv und greift auch die Kopfhaut an, so dass Ky anfing Haare zu verlieren. Sie entdeckte eine amerikanische Bewegung für natürliches Haar (Nappy-Community);[3] sie erklärte, dass sie, „obwohl sie in einem Land voller schwarzer Frauen lebte“ („despite living in a country full of black women“), noch nie zuvor eine schwarze Frau mit natürlichem Haar gesehen habe.[4]

Karriere

Nachdem ein Facebook-Account, dem sie folgte, 2016 ein Fotoalbum von afrikanischen Frauen vor der Kolonialzeit (20. Jahrhundert), geteilt hatte, wurde Ky inspiriert, ihr Haar nach dem Vorbild der abgebildeten Frauen zu stylen.[4][5][6] Sie postete ihre Skulpturen auf Instagram; inspiriert von der positiven Resonanz anderer schwarzer Frauen postete sie weiterhin regelmäßig Haarskulpturen.[4][7] Nachdem 2017 eine ihrer Skulpturen zum Internetphänomen geworden war (viral), wurde Ky von internationalen Magazinen kontaktiert.[2]

Im Jahr 2017 veranstaltete Ky ihren ersten „Ky Braids“-Workshop, um anderen Frauen diese Kunstform beizubringen.[8]

Es folgte eine musikalische Zusammenarbeit mit Di’Ja, deren Haar sie mit Wachsdruck-Tuch bedeckte, inspiriert vom Haar der Himba-Frauen.[9] Ky gründete 2018 ihr eigenes Modelabel.[10] Das Label mit dem Namen „Kystroy“ verfolgt das Ziel der Inklusion und verwendet beispielsweise positive Begriffe zur Beschreibung von Konfektionsgrößen (körperpositive Sprache).[11]

Kys Werk wurde 2022 auf der Biennale von Venedig im Pavillon der Elfenbeinküste gezeigt.[12]

Im selben Jahr präsentierte die LIS10 Gallery in Arezzo „Empow’Hair“, ihre erste Einzelausstellung, zusammen mit einer Installation von Marco Rambaldi.[13][14]

Ky wird von der Lis10 Gallery in Arezzo und Paris vertreten.

Stil und Methode

Kys Markenzeichen ist die Kreation von Skulpturen aus Draht, Faden und ihren Dreadlocks, die mit Extensions in ihr natürliches Haar eingearbeitet werden.[15] Sie nennt diesen Stil das „Ky-Konzept“.[15] Diese Stile drücken ihre Kreativität und zunehmend auch ihre politischen Ansichten aus.[16]

Die Anfertigung jeder Skulptur dauert zwischen zwanzig Minuten und sechs Stunden.[17] Die erste Version ihrer skulpturalen Haarkunst bestand darin, Zöpfe in afrikanisches Wachsdrucktuch einzuwickeln.[8]

Aktivismus

Im Laufe der Zeit sind Kys Skulpturen politischer geworden, und 2017 nutzte sie ihre Plattform in den sozialen Medien, um das Bewusstsein zu schärfen.[2] In dem Werk wird ein Mann gezeigt, der den Rock einer Frau hochhob, der aus ihren Zöpfen geformt war.[2] Im selben Jahr schuf sie ein Werk, das pralle Muskeln über ihrem schlanken Arm erzeugte, mit der Absicht, das Bewusstsein für Mobbing zu schärfen, insbesondere für den Schaden, den es in der Kindheit anrichten kann, was Ky selbst erlebt hat.[18]

Sexuelle Unterdrückung ist ein wiederkehrendes Thema in Kys Kunst; sie schuf Skulpturen als Protest gegen Praktiken wie Brustbügeln, weibliche Genitalverstümmelung und amerikanische Abtreibungsgesetze.[4][6][19] Ky erklärte jedoch, dass sie zwar die westliche feministische Perspektive respektiere, aber: „Als afrikanische Künstlerin und Feministin habe ich die Pflicht, unsere Perspektive lautstark zu vertreten, die viel zu oft zum Schweigen gebracht und vergessen wird“ („as an African artist and feminist, I have the duty to be loud about our perspective that is way too often silenced and forgotten“). Sie hat auch Spannungen zwischen westlichen und afrikanischen Feministinnen erlebt.[7] Nachdem in einem Interview mit Télérama aus dem Jahr 2023 ihre Haltung gegen die Rechte von Transgender-Personen nicht erwähnt wurde, führte die öffentliche Empörung zu einer Korrektur durch die Zeitung.[20][21][22]

„Wenn man als Feministin in der Elfenbeinküste und vielen Teilen Westafrikas kämpft, steht man manchmal für sehr grundlegende Dinge ein. Manche westlichen Frauen verstehen beispielsweise nicht, dass wir uns an einigen Orten immer noch dafür einsetzen müssen, dass der Platz der Frau nicht in der Küche ist. Ich merke deshalb auch immer wieder, dass ich je nach feministischem Thema in meiner Kunst unterschiedliche Reaktionen bekomme. Manchmal spreche ich über ein Thema, und in der Elfenbeinküste lieben sie es, aber aus dem Westen gibt es Gegenwind. Und andersherum. Das ist auch einer der Gründe, warum ich es manchmal leid bin, Aktivistin zu sein. Selbst innerhalb feministischer Gemeinschaften, die sich eigentlich für die Stärkung der Frauen einsetzen sollten, wird aus jeder kleinen Meinungsverschiedenheit ein Streit. Dann werden aus Freundinnen plötzlich Feindinnen. Einige Feministinnen sind mir gegenüber sogar aggressiv geworden, nur weil sie andere Ansichten haben. All das hat meinen Feminismus geprägt.“[3]

Nachdem Ky international mehr Aufmerksamkeit erlangt hatte, begann sie, in ihrer Kunst verstärkt Botschaften zum Thema Rassismus zu vermitteln.[4] Sie gab an, dass sie zwar zuvor den Wunsch verspürt hatte, ihre Hautfarbe und ihre afrikanischen Merkmale zu verändern, die Akzeptanz ihrer natürlichen Haare sie jedoch dazu gebracht habe, auch andere afrikanische Merkmale anzunehmen; dies sei ein wichtiger Motivationsfaktor für ihre Kunst gewesen, die sich auf natürliches Haar konzentriert.[4][6]

Ky wird von vielen als Galionsfigur der Bewegung für natürliches Haar angesehen.[15]

Filmographie

Ehrungen

Im Jahr 2018 wurde Ky im Rahmen des Programms „On the Rise Côte d’Ivoire“ der Association des Conseils en Lobbying et Affaires Publiques de Côte d'Ivoire (ACLAP-CI) zu einer der zwanzig besten jungen Persönlichkeiten gewählt.[24] Im selben Jahr wurde sie mit dem Prix Jeunesse Francophone 3535 zu einer der fünfunddreißig einflussreichsten jungen Persönlichkeiten der französischsprachigen Welt gekürt.[25]

Im Jahr 2019 wurde Ky vom Paper Magazine zu einer der „100 Personen, die 2019 die Welt verändern“ („100 People Taking Over 2019“) gewählt.[26] Ende desselben Jahres erhielt sie im Rahmen des Elite Model-Wettbewerbs in der Kategorie Social Media in Zusammenarbeit mit TikTok einen Vertrag.[27]

Commons: Laetitia Ky – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Meet The Digital Creator Winners Of Elite Model Look 2019. In: Elite Model Look. Abgerufen am 2. April 2020 (englisch).
  2. a b c d e Rebecca Appel: Laetitia Ky’s strong hair and its powerful message. In: CNN. 31. Januar 2019, abgerufen am 23. Juni 2023 (englisch).
  3. a b c Justine Konradt: Insta-Watchlist mit Laetitia Ky: „Mit meinen Haaren erobere ich ein Stück meiner Identität zurück“. In: monopol-magazin.de. 30. Juni 2025, abgerufen am 15. Januar 2026.
  4. a b c d e f 'Some people are freaked out': how Laetitia Ky tackles abortion, sexism and race with her extraordinary hair. In: the Guardian. 31. März 2022, abgerufen am 21. Januar 2023 (englisch).
  5. Could you make art out of your hair? In: BBC News. Abgerufen am 13. Februar 2020 (englisch).
  6. a b c Morgan Fargo: Love & Justice tackles abortion, sexism, FGM with hair sculptures. In: Stylist. 13. April 2022, abgerufen am 21. Januar 2023 (englisch).
  7. a b Kristina Kay Robinson: Laetitia Ky’s Hair Sculptures Celebrate Black Beauty and Power. In: Hyperallergic. 14. März 2022, abgerufen am 21. Januar 2023 (englisch).
  8. a b VIDEO. Cette Ivoirienne sculpte ses cheveux au nom du féminisme. In: www.20minutes.fr. Abgerufen am 13. Februar 2020 (französisch).
  9. Laetitia KY And Di’Ja Collaborate, In This Colourful Photo Series About Ankara Inspired Hair Braids. In: Naijalife Magazine. 22. Juni 2017, abgerufen am 13. Februar 2020 (englisch).
  10. Laetitia Ky, la jeune artiste Ivoirienne fait son grand retour. In: www.elle.ci. Archiviert vom Original am 13. Februar 2020; abgerufen am 13. Februar 2020 (französisch).
  11. Laetitia KY’s whimsical hair sculptures are powerful political expressions. In: Dazed. 17. Februar 2019, abgerufen am 13. Februar 2020 (englisch).
  12. Biennale di Venezia Biennale di Venezia: Biennale di Venezia. In: www.labiennale.org. 2022; (italienisch).
  13. Dal mito di Medusa alla moda: Laetitia Ky e Marco Rambaldi in dialogo in una galleria d’arte contemporanea. In: Elle Decor. 2022; (italienisch).
  14. Moët & Chandon brinda alla stagione delle feste e gli altri eventi di novembre. In: Vogue Italia. 3. November 2022, abgerufen am 21. Januar 2023 (italienisch).
  15. a b c Meet Laetitia Ky, the unconventional Ivorian artist taking hair sculpting to a different level. In: Face2Face Africa. 13. August 2019, abgerufen am 13. Februar 2020 (englisch).
  16. This Ivorian Artist Can Sculpt Her Hair Into Anything. In: Bored Panda. Abgerufen am 13. Februar 2020 (englisch).
  17. Laetitia Ky – Infringe. 21. September 2017, abgerufen am 13. Februar 2020 (englisch).
  18. Meet Laetitia Ky: The Picasso of ponytails. In: Grazia Middle East. Abgerufen am 13. Februar 2020 (englisch).
  19. The Picasso of Ponytails? Meet Laetitia Ky, an Ivory Coast-Based Artist Who Makes Unbelievably Inventive Sculptures With Her Hair. In: artnet News. 6. September 2019, abgerufen am 13. Februar 2020 (englisch).
  20. Avec la sculptrice Laetitia Ky, le cheveu se fait politique. In: telerama.fr. 9. März 2023, abgerufen am 15. September 2025 (französisch).
  21. Elie Hervé: Dans les médias, «une fenêtre s’est ouverte sur les discours antitrans». In: Les Jours. 29. November 2023; (französisch).
  22. Elie Hervé: Transphobia. Enquête sur la désinformation et les discriminations transphobes. Solar 2025: S. 14. ISBN 978-2-263-19039-1
  23. Fabien Lemercier: Giacomo Abbruzzese is shooting Disco Boy. In: Cineuropa. 15. September 2021, abgerufen am 8. Februar 2023 (englisch).
  24. On the rise 2018. In: Association des Conseils en Lobbying et Affaires Publiques de Côte d’ Ivoire (ACLAP-CI). Archiviert vom Original am 13. Februar 2020; abgerufen am 13. Februar 2020 (französisch).
  25. Africa 35.35. The African Youth of the Year Awards - Les Awards de la Jeune Personnalité Africaine de l’Année. In: africa3535.com. Abgerufen am 16. März 2020 (englisch).
  26. Kimberley Margarita. In: PAPER. 29. Januar 2019, abgerufen am 13. Februar 2020 (englisch).
  27. Madame Figaro: Et les gagnants du concours Elite Model Look 2019 sont… In: Madame Figaro. 19. November 2019, abgerufen am 13. Februar 2020 (französisch).