La France (Sigmaringen)

La France war eine vom 26. Oktober 1944[1] bis zum 13. März 1945[2] herausgegebene Tageszeitung. Herausgeber war Jean Luchaire, Informationsbeauftragter der Commission gouvernementale de Sigmaringen (Regierungskommission von Sigmaringen), der Exilregierung des Vichy-Regimes in Sigmaringen im Südwesten Deutschlands. Die Zeitung diente auch als Amtsblatt für die Kommission.

Geschichte

Otto Abetz, ehemaliger deutscher Botschafter im besetzten Frankreich und seit den 1930er Jahren ein Freund von Luchaire, drängte und half diesem, die Leitung der französischen Propaganda in Sigmaringen zu übernehmen. Mit deutscher Finanzierung gründete Luchaire daraufhin die Zeitung La France und einen Radiosender, Ici la France. Diese Finanzierung ermöglichte es Luchaire, in einer französischen Exilgemeinde, die unter schwierigen Bedingungen lebte, Mitarbeiter zu rekrutieren und ihnen komfortable Gehälter zu bieten.[3]

La France umfasste ursprünglich vier Seiten, später zwei, und kostete 4 Francs oder 20 Pfennige. Die Auflage betrug 45.000 Exemplare.[4] Die erste Ausgabe erschien am 26. Oktober 1944 mit einem Foto von Philippe Pétain und einem Leitartikel, in dem Sigmaringen als „Festung der Legitimität des Marschalls“ bezeichnet wurde.[2][5]

Die Zeitung wurde in der Karlstraße Nr. 3 hergestellt; in einem Gebäude, in dem auch das Informationsministerium der Regierungskommission untergebracht war und in dem mehr als 200 Beamte arbeiteten.[5] Die Zeitung wurde ursprünglich von Jacques Ménard[6] geleitet, dem ehemaligen Chefredakteur der Tageszeitung Le Matin und ehemaligen Präsidenten der Vereinigung antijüdischer Journalisten während der Besatzungszeit.[7] Im Dezember wurde er zugunsten von Henry Mercadier, Mitglied der Parti populaire français von Jacques Doriot, entlassen. Die Redaktion befand sich im zweiten Stock, direkt über dem Office français d’information, der offiziellen Presseagentur des Vichy-Regimes, die in Sigmaringen zu einer Außenstelle der offiziellen deutschen Presseagentur, des Deutschen Nachrichtenbüros, geworden war.

Während die Befreiung Frankreichs durch die Alliierten voranschritt, wurden drei weitere französischsprachige Zeitungen in Deutschland veröffentlicht: Le Petit Parisien, die Zeitung von Jacques Doriot, die in Konstanz gedruckt wurde und eine Auflage von mehr als 80.000 Exemplaren hatte, L’Écho de Nancy[8], eine kollaborierende Zeitung, die von Deutschen geleitet wurde und ihnen gehörte mit Sitz in Neustadt an der Weinstraße, und La voix du Reich, eine deutsche Zeitung, die jedoch auf Französisch erschien.[9]

Literatur

  • Philippe Randa: Dictionnaire commenté de la collaboration française. J. Picollec, 1997, ISBN 978-2-912476-00-5, S. 518.
  • Henry Rousso: Petain et la fin de la collaboration; Sigmaringen, 1944–1945. Editions Complexe, 1984 (google.de).
  • Henry Rousso: Un château en Allemagne; La France de Pétain en exil, Sigmaringen 1944–1945. Fayard/Pluriel, 2012, ISBN 978-2-8185-0042-2 (google.de).

Einzelnachweise

  1. La France vom 26. Oktober 1944 auf Gallica
  2. a b La France vom 13. März 1945 auf Gallica
  3. Jean-Paul Cointet, L'enclave française de Sigmaringen (1944-1945) in Deux mille ans d’histoire (Radiosendung), 20. Oktober 2013
  4. Christine Sautermeister: Louis-Ferdinand Céline à Sigmaringen; réalité et fiction dans D’un château l’autre : essai. Écriture, 2013, ISBN 978-2-35905-095-0.
  5. a b Siehe Literaturliste Russo 1984, S. 122 f.
  6. Angaben zu Jacques Ménard in der Datenbank der Bibliothèque nationale de France.
  7. Pierre-André Taguieff, Grégoire Kauffmann, Michael Lenoire: L’antisémitisme de plume 1940–1944. Univers Poche, 2014, ISBN 978-2-8238-1589-4 (google.de).
  8. Angaben zu L’Écho de Nancy in der Datenbank der Bibliothèque nationale de France.
  9. Siehe Literaturliste Rousso 2012