La Boissière-d’Ans

La Boissière-d’Ans
Staat Frankreich
Region Nouvelle-Aquitaine
Département Dordogne
Arrondissement Nontron
Gemeinde Cubjac-Auvézère-Val d’Ans
Koordinaten 45° 14′ N, 0° 59′ O
Postleitzahl 24640
Ehemaliger INSEE-Code 24047
Eingemeindung 1. Januar 2017
Status Commune déléguée

Kirche Saint-Martin

La Boissière-d’Ans (Aussprache [la bwaˈsjɛʁ dɑ̃s], okzitanisch La Boissiera d’Ans) ist ein Ort und ehemalige französische Gemeinde mit 247 Einwohnern (Stand: 1. Januar 2023) im Département Dordogne in der Region Nouvelle-Aquitaine. Sie gehörte zum Arrondissement Nontron. Die Bewohner werden Boissièriens und Boissièriennes genannt.

Der Erlass der Präfektin vom 26. September 2016 legte mit Wirkung zum 1. Januar 2017 die Eingliederung von La Boissière-d’Ans als Commune déléguée zusammen mit den früheren Gemeinden Cubjac und Saint-Pantaly-d’Ans zur Commune nouvelle Cubjac-Auvézère-Val d’Ans fest.[1]

Geografie

La Boissière-d’Ans liegt etwa 42 Kilometer südöstlich von Nontron, etwa 42 Kilometer nordnordwestlich von Sarlat-la-Canéda und etwa 22 Kilometer ostnordöstlich von Périgueux in der Région naturelle des Périgord central, Teil des touristisch benannten Périgord blanc. Das Ortsgebiet befindet sich im Einzugsgebiet der Dordogne und wird entwässert von der Auvézère, die es von Ost nach West durchquert, und vom Flüsschen Blâme, das beim Weiler Forge d'Ans kaskadenartig in die Auvézère mündet.

Das Ortszentrum bilden einzelne Häuser, die sich um die Kirche gruppieren. Das ehemalige Bürgermeisteramt befindet sich etwa 700 Meter südöstlich im Weiler La Guillaumette. Der Ort umfasst neben der Hauptsiedlung auch die Dörfer und Weiler Le Barge, Barsac, Bos de Mayac, Les Bouyges, Les Bouyjou, Les Brouillets, La Cerise, Le Coderc, Courouyas, La Croix de l’Oratoire, La Crouzille, La Forge d’Ans, La Graule, Grattelouve, La Guillaumette, Lac Blanc, Laussinotte, Le Peyvra, La Peysonnie, Le Pied du Coq, Pigerou, Pompougnac, Puy Harnier und Les Rebières.

Das Relief des Gebiets von La Boissière-d’Ans zeigt beiderseits der Auvézère eine hügelige, bewaldete Landschaft, die sich markant von den Flusstälern abhebt. Der höchste topografische Punkt mit 256 m befindet sich im Nordteil des Ortsgebiets, der tiefste Punkt mit 122 m Höhe im äußersten Südwesten beim Austritt der Auvézère aus dem Ortsgebiet. Das Ortszentrum liegt etwa zehn Höhenmeter über der Auvézère auf einer Höhe von etwa 125 m.

Umgeben wird La Boissière-d’Ans von zwei Nachbargemeinden und zwei Communes déléguées von Cubjac-Auvézère-Val d’Ans:

Mayac
Cubjac (Cubjac-Auvézère-Val d’Ans) Saint-Pantaly-d’Ans
(Cubjac-Auvézère-Val d’Ans)
Brouchaud

Etymologie und Geschichte

Das Gebiet des Dorfes war bereits in der Urgeschichte bewohnt und permanent in der gallorömischen Zeit besiedelt. Die erstmalige Erwähnung im Jahre 1120 in der Form Sanctus Martinus de Boseira ist nicht gesichert. Immerhin hat das Dorf den heiligen Martin von Tours als Schutzpatron behalten. 1382 erschien der Ort in der Form Buxeria, im 16. Jahrhundert als La Buxière in den Schriften. Boissière stammt vom okzitanischen boissièra, was einen Ort bezeichnet, der mit Buchsbäumen bedeckt ist. Dieses Wort kommt aus dem lateinischen buxaria, abgeleitet von buxus (deutsch Buchsbaum).

Der Namenszusatz Ans erschien erstmals im 13. Jahrhundert im Zusammenhang mit der Capella d’Ans (1243). Ans ist der Name einer Kastellanei, die sich noch im 14. Jahrhundert über 18 Pfarrgemeinden erstreckte und die die bedeutendste der Vizegrafschaft Limoges war.

Der Name stammt wahrscheinlich von einem gallorömischen Namen einer Person Antius, der ursprünglich eine Person aus Anzio, (lateinisch Antium), einer Stadt in der italienischen Region Latium, bezeichnete.[2]

Die Kastellanei Ans war im 15. Jahrhundert eine Justizherrschaft, deren Burg sich in La Boissière befand. Es war der Sitz der politischen und militärischen Autorität und die Residenz des Kastellans.

Am 2. November 1603 verkaufte der verschuldete König Heinrich IV. die Burg Ans, das Dorf und die Pfarrei La Boissière für 17.500 Livres an Jean de Marquessac. 1618 heiratete Jeanne de Marquessac René de Hautefort und brachte Ans in den Besitz der Familie Hautefort. Francois de Hautefort baute die Mühle in La Boissière d’Ans unweit der Ruine der ehemaligen Burg in eine Schmiede um. Von 1691 bis 1830 wurden Kanonen für die königliche Marine bei Forge d’Ans gegossen. Nach der Herstellung wurden sie auf dem Landweg über 34 Kilometer zum Hafen von Moustier an der Vézère transportiert, von wo aus sie über den Fluss und dann über das Meer zum Arsenal von Rochefort transportiert wurden. Die treibende Wasserkraft der Schmiede lieferte der Blâme, auf dem ein Damm errichtet worden war.[3]

Die Schmiede ging in den Besitz der Familie Bertin über, dann 1791 in den Besitz von Jean Festugière. Es erreichte seinen Höhepunkt während der Revolutions- und Napoleonischen Kriege und spezialisierte sich auf die Herstellung von Artillerie. Sie galt damals als eine der wichtigsten Schmieden im Périgord und verdankte dies Jean Festugière, dessen Tod im Jahr 1829 den Beginn des Niedergangs der Schmiede markierte, der mit einem allgemeinen Niedergang der Metallurgie im Périgord einherging, deren Betrieb, noch immer sehr handwerklich und archaisch, sich angesichts der Konkurrenz durch die industrielle Revolution und das englische Modell kaum in der Lage zeigte, Neuerungen einzuführen. Wie die meisten der letzten Schmieden des Landes wurde sie 1860 durch die Freihandelsabkommen mit England schwer getroffen und schloss trotz des Versuchs eines neuen Eigentümers, ihre Tätigkeit 1862 neu auszurichten, 1870.[4]

Bevölkerungsentwicklung

La Boissière-d’Ans: Einwohnerzahlen von 1793 bis 2020
Jahr  Einwohner
1793
  
317
1800
  
297
1806
  
375
1821
  
234
1831
  
305
1836
  
361
1841
  
355
1846
  
360
1851
  
342
1856
  
352
1861
  
376
1866
  
418
1872
  
364
1876
  
408
1881
  
373
1886
  
376
1891
  
415
1896
  
402
1901
  
380
1906
  
404
1911
  
376
1921
  
286
1926
  
288
1931
  
309
1936
  
274
1946
  
251
1954
  
214
1962
  
224
1968
  
192
1975
  
185
1982
  
202
1990
  
227
1999
  
218
2006
  
234
2013
  
227
2020
  
222
Quelle(n): EHESS/Cassini bis 1999,[5] INSEE ab 2006[6][7][8]
Anmerkung(en): Ab 1962 offizielle Zahlen ohne Einwohner mit Zweitwohnsitz

Sehenswürdigkeiten

  • Forge d’Ans, Haus der früheren Meister und Überreste der Hochöfen
  • Schloss Les Brouillets aus dem 15. Jahrhundert
  • Wasserfall des Blâme bei seiner Mündung in die Auvézère
  • Romanisch-gotische Kirche Saint-Martin

Literatur

  • Chantal Tanet, Tristan Hordé: Dictionnaire des noms de lieux du Périgord. Editions Fanlac, Périgueux 2000, ISBN 2-86577-215-2 (französisch).
Commons: La Boissière-d'Ans – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

  1. Recueil des actes administratifs N°24-2016-026. (PDF) Département Dordogne, 30. September 2016, S. 114–118, abgerufen am 22. Oktober 2025 (französisch).
  2. Tanet, Hordé, Seiten 31, 62
  3. La Route des Canons (französisch) (Memento vom 18. August 2009 im Internet Archive)
  4. Glady de Brégeot: Au pays d’Ans - La route des canons de la marine Royale fondus de 1691 à 1830 aux forges d’Ans. Périgord et alentour, 2. Januar 2021, abgerufen am 22. Oktober 2025 (französisch).
  5. Notice Communale La Boissière-d’Ans. EHESS, abgerufen am 22. Oktober 2025 (französisch).
  6. Populations légales 2006 Commune de la Boissière-d’Ans (24047). INSEE, abgerufen am 22. Oktober 2025 (französisch).
  7. Populations légales 2013 Commune de la Boissière-d’Ans (24047). INSEE, abgerufen am 22. Oktober 2025 (französisch).
  8. Populations légales 2020. INSEE, abgerufen am 22. Oktober 2025 (französisch).