La Belle Otéro

La Belle Otéro, spanisch Carolina «La Bella» Otero, französisch auch Caroline Otéro genannt, eigentlich Agustina del Carmen Otero Iglesias (* 4. November 1868 [1] in Valga, Provinz Pontevedra, Galicien; † 10. April 1965 in Nizza), war eine spanische Tänzerin, Sängerin und Kurtisane mehrerer gekrönter Häupter, reicher Industriemagnaten und berühmter Künstler. Sie gilt als „Ikone der europäischen Belle Époque“ (Encarna Otero).

Leben

Kindheit und Jugend

Augustina Otero Iglesias wurde als uneheliche Tochter einer Bettlerin und eines Schirmflickers in einem galicischen Dorf geboren. Ihre jüngeren fünf Geschwister stammen von unterschiedlichen Vätern. Im Alter von 10 Jahren erlebt sie eine brutale Vergewaltigung, durch die sie ihr Leben lang unfruchtbar blieb. Dieses biografische Detail verschwieg sie allerdings in ihrem späteren Leben. Mit 14 Jahren gab sie sich selbst den Namen Carolina und ging erst nach Lissabon, wo sie Anschluss an die Theaterszene suchte und auf Engagements als Tänzerin hoffte. Ihren Lebensunterhalt musste sie damals noch überwiegend mit Prostitution bestreiten. Erst nachdem sie nach Barcelona gegangen war, traf sie auf einen Geldgeber, der sie als Künsterlin managen wollte und ihr zu Auftritten verhalf.[2][3][4]

Karriere

Otero gab 1887 ihr Debüt im Teatro Avenida in Barcelona mit einer Tanz- und Gesangseinlage in der Operette La Fran Via. Nachdem sie sich der Truppe von Florio angeschlossen hatte, trat sie in Porto mit spanischen Liedern auf. Dort soll sie einen verarmten spanischen Grafen geheiratet haben. Ihr Auftritt im Kristallpalast von Marseille führte zu einem Skandal. Es folgten Auftritte in Paris. 1890 erschien sie zusammen mit ihrem Tanzpartner Evariste in New York. Ihr Gastspiel war so erfolgreich, dass es bis 1891 verlängert wurde. Darüber hinaus hatte sie durch Liebhaber wie William K. Vanderbilt, der ihr eine Yacht schenkte, Zugang zur High Society erlangt, was ihrem Renommee sehr zugutekam.[4]

Ihre gesamten Einnahmen verspielte sie nach ihrer Rückkehr nach Europa im Casino von Monte Carlo. Es folgten Auftritte im Berliner Wintergarten, in Wien, Budapest, Moskau und Sankt Petersburg.

1894 gab sie ihr Debüt in den Folies Bergère, wo ihr der Direktor Edouard Marchand aufgrund ihres Erfolges ein Engagement über zehn Spielzeiten gab.[3] Gastspielreisen führten sie u. a. nach München und Berlin. Der Deutsche Kaiser Wilhelm II. entwarf für sie die Pantomime Das Modell, die sie zusammen mit Paul Franck aufführte. Im Oktober 1900 verkörperte sie in Paris die Rolle der Mercédès in Une fête à Seville, einer Pantomime von René Bréviaire. Es folgten weiter erfolgreiche Auftritte in Varietés und Revuen bis 1905.

Als Mätresse steigerte Carolina Otero das Ansehen ihrer Begleiter und profitierte gleichzeitig vom Prestige ihrer Liebhaber. Nicht nur Könige, auch Neureiche und Industrielle zählten zu ihren Gönnern und Liebhabern. Der französische Automobilhersteller De Dion-Bouton stimmte sogar die Höhe seiner Fahrezeuge auf ihre Hüte ab.[3]

Im Dezember 1906 heiratete sie den englischen Industriellen René Wep in Paris. 1908 trat sie in den Folies-Bergère auf und im September 1909 in der Pantomime La Belle Mexicaine. 1912/13 zog sie sich von der Bühne zurück und begann, an den Spieltischen der Casinos ihr Vermögen zu verspielen, bis man ihr Geld zahlte, damit sie nicht mehr erschien. Auf einigen Wandgemälden in Salons der Spielcasinos von Nizza, Cannes und Monte Carlo ist La belle Otéro bis heute verewigt. Im Alter von nahezu 97 Jahren starb Otero 1965 in Nizza. Zur Erinnerung wurde an dem Haus, in dem sie bis zuletzt in bescheidenen Verhältnissen lebte (26 rue d’Angleterre, Nizza), eine Gedenktafel angebracht.

Ikone der Belle Époque

In den Jahren 1892 bis 1910 lernte sie zahlreiche gekrönte Häupter, Mitglieder des Hochadels und der damaligen Gesellschaft kennen, darunter Fürst Albert I. von Monaco, König Leopold II. von Belgien, Zar Nikolaus II., Großfürst Nikolai, Kaiser Wilhelm II., König Alfons XIII. von Spanien, König Eduard VII. (damals noch Kronprinz), König Peter I. von Serbien, Abbas II., den Dichter Gabriele D’Annunzio und den Schah von Persien, mit dem sie eine mehrjährige Beziehung unterhielt.[4][3]

Von ihren Verehrern und Liebhabern bekam sie kostbare Geschenke, Juwelen und Wohnungen und profitierte auch sonst durch diese Bekanntschaften. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts gehörte die Otéro zu den reichsten Frauen ihrer Zeit, ihr Juwelenbesitz gilt als legendär. Die französische Tageszeitung Le Figaro zählte 1905 einige Schmuckstücke der Otéro auf; darunter befanden sich so erlesenen Stücke wie ein Collier, das angeblich der Königin Marie-Antoinette gehört haben sollte (in Wirklichkeit eine Nachbildung), Diamanten der französischen Kaiserin Josephine, eine Perlenkette aus dem Besitz der Kaiserin Eugénie, eine Kette der Kurtisane Léonide Leblanc sowie ein eigens für Otero angefertigter Diamantbolero von Louis-François Cartier.

Filmschauspielerin

Im August 1898 drehte Caroline Otéro in Sankt Petersburg mit Félix Mesguich, ein Angestellter der französischen Filmfirma Lumière, einen einminütigen Film Valse Brillante. Der Film sorgte für einen Skandal, da ein Offizier in einer leichtfertigen Szene zu sehen war.

Bildergalerie

Werke

  • Die Erinnerungen der schönen Otero. Autobiographie. Enoch, Hamburg 1927.

Literatur

  • Marie-Hélène Carbonel: La veritable biographie de la belle Otéro et de la Belle Epoque. Fayard, Paris 2003, ISBN 2-213-61555-1.
  • Carlos Díaz Martinez (Hrsg.): La belle Otéro. Edicion Xerais de Galicia, Vigo 2001, ISBN 84-8302-699-6.
  • Brygida M. Ochaim, Claudia Balk: Varieté-Tänzerinnen um 1900. Vom Sinnenrausch zur Tanzmoderne, Ausstellung des Deutschen Theatermuseums München 23.10.1998 – 17.1.1999. Stroemfeld, Frankfurt am Main/Basel 1998, ISBN 3-87877-745-0.
  • Carmen Posadas: La belle Otéro. Die große Verführerin der Belle Epoque. Ein Leben wie ein Roman. Europa-Verlag, Hamburg 2003, ISBN 3-203-81250-9.
  • Bernd Ruland: Hexe der Liebe. Die faszinierende Geschichte der teuersten Frau der Welt. Schweizer Verlagshaus, Zürich 1966, DNB 457986557.

Film

  • Richard Pottier (Regie): La belle Otéro (dt. Affäre einer Primadonna), Les Filmes modernes, Frankreich 1954 (92 Min.)
Commons: La Belle Otéro – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  • Literatur von und über La Belle Otéro im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
  • Christiane Kopka: 4. November 1868: Geburtstag der Tänzerin und Kurtisane Carolina Otéro In: WDR5, ZeitZeichen, 04. November 2023, (Podcast, 14:37 Min., verfügbar bis 04. November 2099).
  • Huren und Schmuck. In: Z-Magazin. NZZ, 13. November 2008, abgerufen am 4. Juli 2018.
  • Maria Primo: Caroline Otéro: Geliebte, Gespielin, Grande Dame. In: cigar clan. Ehemals im Original (nicht mehr online verfügbar); abgerufen am 9. August 2013.@1@2Vorlage:Toter Link/www.de.cigarclan.com (Seite nicht mehr abrufbar. Suche in Webarchiven)
  • Encarna Otero Cepeda: La Bella Otero. Unha icona da Belle Époque europea. In: culturagalega.gal. Erstellt 2007, abgerufen am 4. Juli 2018 (galicisch).
  • La Belle Otero (1868–1965). In: Hotel Carlton (Hotelkette). Abgerufen am 4. Juli 2018 (französisch).
  • Ray Hahn: La Belle – „The Beautiful“ – Everyone Called Her That. In: South Jersey Postcard Club Newsletter. Juli 2003, abgerufen am 4. Juli 2018 (englisch).
  • Abbildungen von Schmuckstücken und Einzelheiten zur Biografie: Bolero, Diamanten, Perlen (Seiten des Royal Magazin, abgerufen am 4. Juli 2018).

Anmerkungen

  1. Geburtsdatum nach eigenen Angaben, getauft wurde sie ausweislich des Taufregisters am 20. Dezember 1868; siehe Encarna Otero Cepeda: La Bella Otero. Unha icona da Belle Époque europea. Onlinepublikation auf culturagalega.gal (2007), Abruf am 2. Juli 2018 (galicisch).
  2. Das erste It-Girl: Carolina „La Belle“ Otéro (geb. am 4.11.1868). WDR, abgerufen am 20. Oktober 2025.
  3. a b c d Vor 150 Jahren geboren: Die Tänzerin und Mätresse Carolina „La Bella“ Otero. Deutschlandfunk, abgerufen am 20. Oktober 2025.
  4. a b c Kurtisane „La Belle Otéro“. Selbst Wilhelm II. gab ein Vermögen, um mit ihr ins Bett zu gehen. In: Die Welt, abgerufen am 20. Oktober 2025.