LNWR-Klasse A

LNWR-Klasse A
Nr. 50 im grauen Fotografieranstrich
Nummerierung: LNWR: 1801–1880, 2525–2555
LMS: 8953–9064
BR: 48953…49064
Anzahl: 111
Hersteller: LNWR Crewe Works
Baujahr(e): 1893–1900
Ausmusterung: Umbau:
1904–1906:
15 zu Klasse C
1906–1909:
62 zu Klasse D
1909–1912:
34 zu Klasse C1
Spurweite: 1435 mm (Normalspur)
Gesamtradstand: 5260 mm
Dienstmasse: 50,8 t
Radsatzfahrmasse: 14,6 t
Anfahrzugkraft: 80 kN
Treibraddurchmesser: 1360 mm[1.1]
Steuerungsart: Hochdruckzylinder: Stephenson
Niederdruckzylinder:
Slip-Exzenter
Zylinderanzahl: 2 außenliegende Hochdruckzylinder,
1 innenliegender Niederdruckzylinder
HD-Zylinderdurchmesser: 381 mm (15 in)
ND-Zylinderdurchmesser: 762 mm (30 in)
Kolbenhub: 610 mm(24 in)
Kessellänge: 4724 mm
Kesselüberdruck: 12,1 bar (175 psi)
Anzahl der Heizrohre: 210
Heizrohrlänge: 4060 mm
Rostfläche: 1,9 m²
Strahlungsheizfläche: 10,7 m²
Rohrheizfläche: 127,7 m²
Verdampfungsheizfläche: 138,5 m²
Tender: 3-achsig
Wasservorrat: 9,1 m³ (2000 imp gal)
Brennstoffvorrat: 5,1 t Kohle
Entwurf von Francis William Webb
Quelle:[2]

Die LNWR-Klasse A war eine von Francis Webb entworfene Baureihe schwerer vierfach gekuppelter Dreizylinder-Verbundlokomotiven für den Güterzugdienst der London and North Western Railway (LNWR). Zwischen 1893 und 1900 wurden insgesamt 111 Exemplare in den bahneigenen Crewe Works gebaut. Keine davon ist erhalten geblieben.[3]

Geschichte

Nach Vergleichsfahrten mit Zweizylinder-Lokomotiven wurde die Dreizylinder-Verbundlokomotive bevorzugt. Sie wurde als Standardlokomotive für schwere Güterzüge, vor allem für Kohlenzüge, bestimmt. Ab 1904 ließ George Whale, der Nachfolger von Francis Webb, die Lokomotiven nach und nach umbauen. Dabei wurden die Umbauten laufend verbessert:

  • Von 1904 bis 1906 wurden 15 Lokomotiven zu Einfachexpansions-Lokomotiven der Klasse C umgebaut. Dabei wurde der Niederdruckzylinder entfernt und die Hochdruckzylinder auf 495 mm (19 ½ in) vergrößert.
  • Von 1906 bis 1909 wurden 62 Lokomotiven zur Klasse D umgebaut. Diese entsprach der Klasse C, war jedoch mit einem leistungsfähigeren Kessel ausgestattet, da der Kessel der A-Klasse für die größeren Zylinder der C-Klasse zu klein war.
  • Von 1909 bis 1912 wurden 34 Lokomotive zur Klasse C1 umgebaut. Diese Klasse entsprach der C-Klasse, verwendete jedoch kleinere Zylinder, um die Leistung des Kessels der A-Klasse optimal auszunutzen. Die Zylinder hatten einen Durchmesser von 470 mm (18 ½ in).[4]

Die meisten Lokomotiven wurden bei der LNWR oder bei deren Nachfolger, der London, Midland and Scottish Railway (LMS), ein zweites Mal umgebaut und mit Überhitzern ausgestattet. So entstanden ab 1912 die Lokomotiven der G1-Klasse mit einem Kesseldruck von 11 bar (160 psi) sowie ab 1935 die Lokomotiven der G2a-Klasse mit einem Kesseldruck von 12,1 bar (175 psi). Letztere verfügten über verbesserte Bremsen und eine optimierte äußere Steuerung.[5][6]

Alle Lokomotiven gelangten zur LMS, wo sie die Nummern 8953 bis 9064 erhielten. Insgesamt 67 Lokomotiven gelangten noch zu British Railways (BR), wo sie neue Betriebsnummern erhielten, indem der LMS-Nummer eine 4 vorgestellt wurde. Bei der BR wurden die Lokomotiven nach und nach ausrangiert. Die letzten acht G2a, die auf Lokomotiven der Klasse A zurückgingen, wurden jedoch erst 1962 ausrangiert, also nur sechs Jahre vor der Einstellung des Dampfbetriebs bei der BR.[3.1]

Technik

Die Dreizylinder-Vierkuppler-Schlepptenderlokomotiven besaßen die Achsfolge D mit vier Kuppelachsen ohne Laufachsen. Um die Kurvengängigkeit zu verbessern, hatten die erste und die letzte Achse ein Seitenspiel von 13 mm (½ in)[1.2] und die dritte Achse hatte keine Spurkränze. Der Antrieb erfolgte über außenliegende Hochdruckzylinder und einen innenliegenden Niederdruckzylinder. Alle Zylinder waren schräg gestellt unter der Rauchkammer angeordnet und wirkten auf die zweite Kuppelachse. Die starke Schrägstellung von 6,7° verstärkte die Nickbewegung um die Querachse der Lokomotive während der Fahrt.[1.1]

Die Steuerung der Hochdruckzylinder war als innenliegende Stephenson-Steuerung mit innerhalb des Rahmens angeordneten Schieberkästen und stehenden Flachschiebern ausgeführt, die des Niederdruckzylinders als Slip-Exzenter-Steuerung mit oben liegendem Schieberkasten. Alle fünf Exzenter waren auf der Treibachse angeordnet.[1.2]

Sowohl die erste Achse der Lokomotive als auch die erste Achse des Schlepptenders waren mit Sandstreueinrichtungen ausgestattet. Die Sandstreueinrichtung im Tender konnte beim Bremsen oder Rückwärtsfahren unterstützen. Ein Beispiel hierfür ist das Rückwärtsfahren in ein Nebengleis, um eine Hauptstrecke zu verlassen und einen Personenzug vorbeifahren zu lassen.[4]

Commons: LNWR-Klasse A – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

  1. Ernest Leopold Ahrons: The British steam railway locomotive, 1825-1925. Locomotive Pub. Co., London 1927 (archive.org [abgerufen am 27. November 2025]).
    1. a b S. 291
    2. a b S.292
  2. Steve Llanso: 0-8-0 Steam Locomotives in Great Britain – London & North Western. In: steamlocomotive.com. Abgerufen am 22. Juli 2025 (Abschnitt Class A (Locobase 2181)).
  3. LNWR/LMS Webb "A" Class 0-8-0. In: BRDatabase. Abgerufen am 16. November 2025 (englisch).
    1. Fleet
  4. a b Goods Engines of LNWR: 'A' Class. London and North Western Railway Society, archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 20. August 2008; abgerufen am 3. Dezember 2025 (englisch).
  5. Kay Friebertshäuser: London & North Western Klasse A. Abgerufen am 24. November 2025.
  6. LNWR Society: Goods Engines of LNWR - ‘G1’ Class. Archiviert vom Original am 20. August 2008; abgerufen am 4. Dezember 2025 (englisch).