Albert Hauff
Ludwig Hermann Albert Hauff (* 15. Oktober 1838 in Tübingen, Königreich Württemberg; † 8. September 1904) war ein deutscher Buchhändler in Riga und Übersetzer in Berlin.
Leben und Wirken
Albert Hauff kam aus Tübingen. 1882 gründete er eine Buch- und Musikalienhandlung in Riga in der Alexanderstraße 5.[1] Er führte zeitweise auch eine große Leihbücherei mit deutscher, russischer, englischer und französischer Literatur und Noten und gab einige Publikationen in einem kleinen Verlag heraus.[2] Nach 1881 gab er diese ab.[3]
1885 zog Albert Hauff mit seiner Familie nach Berlin. Dort führte er einige Jahre ein Übersetzerbüro und war auch als Redakteur tätig.[4] 1900 hatte er brieflichen Kontakt zu dem Philologen Prof. Otto Keller, den er wahrscheinlich aus seiner Jugendzeit kannte.[5]
Albert Hauff war mit (Charlotte) Lilly Scheinpflug († 1900) seit 1875 verheiratet.[6] Sie hatten mindestens zwei Kinder
- Lilly Hauff (1876–1948), Schulleiterin und Frauenrechtlerin in Berlin
- Hermann Albert Alexander Hauff (1877–1930), Kaufmann, Buchhändler und Dokumentarfilmproduzent in Berlin[7]
Werke (Auswahl)
Übersetzungen
L. Albert Hauff und seine Mitarbeiter übersetzten über dreißig Erzählbände und Romane aus dem Russischen, vor allem von Fjodor Dostojewski und Leo Tolstoi, meist im Verlag von Otto Janke in Berlin.[8] '
- Fjodor Dostojewski
- Arme Leute, Minden, Leipzig 1887; Neuausgabe Janke, Berlin 1890
- Der Doppelgänger, Janke, Berlin 1889[9][10]
- Des Onkels Traum, 1889
- Nettchen Neswanow, 1889
- Der Spieler, 1890
- Erniedrigte und Beleidigte, 1890
- Aus dem todten Hause, 1890; Neuauflage Erinnerungen aus dem todten Hause, 1899
- Tollhaus oder Herrenhaus?, 1890
- Der Unbekannte, 1890
- Leo Tolstoi
- Der Gefangene im Kaukasus und andere russische Soldatengeschichten, 1888
- Familienglück, 1888
- Die Kosaken, 1889
- Die Kreutzer-Sonate, 1890, mehrere Neuauflagen Digitalisat Digitalisat
- Vernunft und Dogma. Eine Kritik der Glaubenslehre, 1891 (Digitalisat)
- Anna Karenina, 1892
- Warum wir am Leben hängen, 1892
- Krieg und Frieden, 1893, mehrere Neuauflagen bis 2024
- Sewastopol, 1894
- Christentum und Vaterlandsliebe, 1894
- Gottes Reich ist in euch, 1894
- Das Nichtsthun, 1894
- Hungersnot in Russland, 1894
- Auferstehung, 1899, eine der ersten deutschen Übersetzungen dieses Werkes
- Meine ersten Erinnerungen [1900], mehrere Neuauflagen bis 2012
- Du sollst nicht töten, [um 1901] (Digitalisat)
- Weitere russische Autoren
- Alexej Pissemski, Hohe Herrschaften, 1890 (Digitalisat)
- Alexej Pissemski, Der reiche Bräutigam, 1890
- Iwan Turgenjew, Visionen, 1892[11]
- Iwan Turgenjew, Die lebendige Reliquie und andere Aufzeichnungen eines Jägers, 1893
- Iwan Turgenjew, Mumu, das Hündchen des Taubstummen, 1894
- Dmitri Grigorowitsch, Russische Gastfreundschaft, 1894 (Digitalisat)
- Ignati Potapenko, Das Recht auf Glück, 1904
- Ignati Potapenko: Sie schämen sich – zu spät. 1904
- Übersetzungen aus dem Französischen
- Arthur Chuquet, Der Krieg 1870–71, Pahl, Zittau 1895
- André Liesse, Die soziale Frage, Pahl, Zittau 1896
Weitere Veröffentlichungen
- Eigene Publikationen
- Deutsch-russische Handels-Correspondenz, Hartleben, Leipzig 1898
- Herausgegebene Publikationen in Riga
Albert Hauff gab in Riga einige Publikationen als Verlag Издательство А. Гауфа heraus.
- Eduard Echtler, Ansicht von Riga von der Dünaseite, Aquarell nach einer Fotografie, 1862[12]
- Георг Борнъ (Georg Füllborn), Турецкій султанъ или тайны Константинопольскаго двора (Der Türkenkaiser und seine Feinde oder Die Geheimnisse des Hofes von Konstantinopel), 1877[13]
- Георг Борнъ (Georg Füllborn), Невеста каторшника или тайны Бастиліи (Adrienne, die Braut des Sträflings oder Die Geheimnisse der Bastille), 1880, 1881
- В. Геймбург (Wilhelmine Heimburg), Тогда и теперъ, 1880
Weblinks
- Scheibenkolonnenaddierer Ugrich und Hauff Denz (PDF; 4,6 MB), S. 5, mit biographischen Angaben
- Literatur von und über Albert Hauff im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Suche nach Albert Hauff. In: Deutsche Digitale Bibliothek
Einzelnachweise
- ↑ Das Inland. Eine Wochenschrift vom 27. Mai 1863, S. 335; mit einem Lob für das gute Sortiment und die Lage in der Petersburger Vorstadt, die den Interessenten längere Wege in die Innenstadt erspart
- ↑ O. A. Schulz, Allgemeines Adreßbuch für den Deutschen Buchhandel, 1874, S. 116, erwähnte die große Leihbibliothek
- ↑ Verzeichniss der Sammlungen des Börsenvereins der Deutschen Buchhändler, II, Leipzig 1897, S. 803, gab eine Buchhandlung Samuel Wilhelm Schmidt & Albert Hauff in Riga an, die von seinem Nachfolger geführt wurde, aber noch seinen Namen führte, wie dieses nach Besitzerwechseln in dieser Zeit oft üblich war
- ↑ Joseph Kürschner (Hrsg.), Deutscher Litteratur-Kalender, 1889, S. 180; in der Friedrichstraße 234, bot Übersetzungen aus dem Russischen, Englischen, Französischen, Italienischen, Holländischen, Schwedischen und S[panischen?] an; siehe auch in Hauff. In: Berliner Adreßbuch, 1890, I., S. 424., und andere Jahre, 1894 gab es dieses Institut nicht mehr
- ↑ Albert Hauff Kalliope, mit einem Brief an Otto Keller, in dem er diesen über den Tod seiner Frau Lilly informierte
- ↑ Rigasche Stadtblätter, vom 3. Juli 1875, S. 236, mit Ankündigung (Aufgebot) der Hochzeit von Ludwig Hermann Albert Hauff und Charlotte Lilly Scheinpflug in der Petri- und Domkirche
- ↑ Scheibenkolonnenaddierer von Ugrich und Hauff Wilfried Denz, 2021 (PDF; 4,6 MB); mit vielen biographischen Informationen, auch über Albert Hauff (sen.); auch Rigasche Stadtblätter vom 9. Juni 1877, S. 121, mit Nachricht über die Taufe von Hermann Albert Alexander Hauff
- ↑ Verlags-Katalog Otto Janke, Berlin 1904, S. 76, und öfter, mit einigen Übersetzungen von A. L. Hauff
- ↑ Oskar Wetzel (Bearb.), Christian Gottlob Kayser's Vollständiges Bücher-Lexicon, Band 25, Leipzig 1891, S. 302; mit den meisten Titeln bis 1890 (die Ausgaben bei Minden fehlen)
- ↑ Hilmar Schmuck, Willi Gorzny (Bearb.), Gesamtverzeichnis des deutschsprachigen Schrifttums 1700–1910, Band 30, K. G. Saur, München 1981, S. 135ff., mit den meisten deutschen Ausgaben von Dostojewski bis 1910 (die Ausgaben bei Minden fehlen)
- ↑ Börsenblatt für den Deutschen Buchhandel vom 10. Dezember 1892, S. 7669, mit einigen Übersetzungen von L. A. Hauff bei Otto Janke in Berlin
- ↑ Wilhelm Neumann, Lexikon baltischer Künstler, 2022, S. 69; auch in Rigasche Stadtblätter vom 21. März 1863, S. 112, gelobt
- ↑ А. С. Венгеров (ред.), Русскія книги, томъ ІІІ, С. Петербургъ 1899, С. 117