L’Action française (Zeitung)
L’Action française (Die französische Aktion), Organ des integralen Nationalismus, war eine französische monarchistische Zeitung, die am 21. März 1908 in Paris gegründet und nach der Befreiung im August 1944 wegen Kollaboration verboten wurde. Die Tageszeitung wurde von Charles Maurras geleitet, dem Führer der monarchistischen Bewegung Action française. Ihre redaktionelle Ausrichtung wird aufgrund ihres vehementen Antiparlamentarismus, Antirepublikanismus und Antisemitismus als rechtsextrem bezeichnet.
Politische Linie
L’Action française lehnte die Politik der Dritten Republik ebenso vehement ab wie den Liberalismus und die Demokratie. Maurras' Zeitung vereinte Mitarbeiter verschiedener nationalistischer und traditionalistischer Bewegungen und war der Schmelztiegel der wichtigsten rechtsextremen Strömungen Frankreichs in den 1930er Jahren. Mit Anprangerungen und persönlichen Angriffen betrieben ihre Journalisten, allen voran Léon Daudet, während des Ersten Weltkriegs und zwischen den beiden Weltkriegen eine anhaltende royalistische und antirepublikanische Propaganda, die in den Unruhen vom 6. Februar 1934 und der Stavisky-Affäre ihren Höhepunkt fand. Die Tageszeitung führte auch eine unermüdliche Kampagne gegen das sowjetische Regime, den Kommunismus, die Juden und die Freimaurerei.
Die Tageszeitung praktizierte Verleumdung – es kam oft vor, dass Personen zu Unrecht beschuldigt wurden[1] –, die Verwendung gefälschter Dokumente[2] und die Anstiftung zum Mord[3]. Die Action française war auch Ursprung einer intellektuellen und literarischen Schule, die zahlreiche Philosophen, Historiker, Dichter und Romanciers um Publikationen wie die Revue critique des idées et des livres[4] oder die Revue universelle[5] versammelte.
Geschichte
Vorläufer der Zeitung war die Revue d’Action française[6] von Henri Vaugeois[7] und Maurice Pujo[8].
Die erste Ausgabe von L’Action française erschien am 21. März 1908 und trug das Motto „Tout ce qui est national est nôtre“ (Alles Nationale gehört uns), das dem Duc d’Orléans zugeschrieben wurde.[9] Sie wurde von zwölf Persönlichkeiten unterstützt: Henri Vaugeois, Léon Daudet, Charles Maurras, Léon de Montesquiou[10], Lucien Moreau[11], Jacques Bainville, Louis Dimier[12], Bernard de Vesins[13], Robert de Boisfleury[14], Paul Robain[15], Frédéric Delebecque[16] und Maurice Pujo.[9] Von da an verzeichnete die gesamte maurrassianische Presse einen gewissen Erfolg. Im Jahr 1908 entstand auch die Revue critique des idées et des livres, die bis zum Krieg als Ideenlabor und literarisches Sprachrohr der maurrassianischen Bewegung fungierte.[17]
Die Zeitung, die Tausende von kostenlosen Abonnements verschickte, war stark defizitär und rief regelmäßig zu Spenden auf, um „gegen das jüdische Gold“ zu kämpfen.[18] Viele Spender gehörten dem Adel an; 1912 spendete der Thronanwärter der Orléanisten, der Duc d’Orléans, 1000 Francs pro Monat.[18] 1914 hatte die Tageszeitung 20.000 Leser, von denen die Hälfte Abonnenten waren.[19] Bis 1920 stieg die Auflage nicht an.[20] Zwischen 1920 und 1926 beliefen sich die Verluste der Zeitung auf fast fünf Millionen Francs. Der Milliardär François Coty spendete zwischen 1924 und 1928 zwei Millionen Francs an L’Action française.[21] Zwischen 1930 und 1935 beliefen sich die durchschnittlichen Verluste auf über eine Million Francs pro Jahr.[22] Tatsächlich war „die einzige Zeit, in der das Budget von L’Action française ausgeglichen zu sein schien, kurz bevor sie ihr Erscheinen einstellte“.[23] Die Auflage schwankte zwischen 50.000 und 100.000 Exemplaren, mit einem Höchststand von 200.000 im Jahr 1934 während der Stavisky-Affäre und der Krise vom 6. Februar 1934.[24]
In den Zwanzigern lasen viele Offiziere der französischen Armee, die für den integralen Nationalismus von Maurras empfänglich waren, die Zeitung.[25] 1926, als sie eine Auflage von fast 100.000 Exemplaren hatte, zählte die nationalistische Zeitung laut Eugen Weber 45.000 Abonnenten und ebenso viele Einzelkäufer, zu denen noch die 25.000 Abonnenten der Sonntagsbeilage L’Action française agricole hinzukamen.[26][27] Am 5. Februar 1934 erreichte die Auflage einen Höchststand von 200.000 Exemplaren[20]. Im Jahr 1939 sank sie jedoch wieder auf 45.000 Exemplare.
Auf militärischer Ebene wurde ab 1928 jeden 10. und 25. des Monats eine Sonderseite mit der Rubrik von General Lavigne-Delville gedruckt, die somit die Verbindung zwischen Presse, Armee und Macht herstellte.[28][29] Doch im selben Jahr führte die Verurteilung durch die Römische Kurie dazu, dass viele Abonnements nicht verlängert wurden.
Einige Mitarbeiter der Action française, die dem Pangermanismus und generell Deutschland feindlich gegenüberstanden, kritisierten in den 1930er Jahren die deutsche Politik. Da sie keinen neuen Krieg wollte, unterstützte L’Action française 1938 das Münchner Abkommen, und Maurras gratulierte Neville Chamberlain zu den Verhandlungen mit Adolf Hitler. Nach dem Waffenstillstand von 1940 zog sich die Zeitung nach Limoges und im Oktober 1940 nach Lyon zurück. Die Sympathie von Maurras und seinen Vertrauten für das Vichy-Regime machte sie zu einer dessen ideologischen Säulen. Nach der Besetzung des gesamten Landes im November 1942 wurde die Angleichung an die Besatzungsmacht, das nazistische Deutschland, deutlicher spürbar.
Mehrere Journalisten, darunter Jacques Delebecque[30], der im Propagandadienst des Vichy-Regimes tätig war und während der Säuberungsaktion bis 1949 in der Schweiz Zuflucht suchte, waren an der Kollaboration mit den Nazis beteiligt.[31] Die Zeitung veröffentlichte regelmäßig Meldungen des französischen Informationsdienstes.[A 1] Sie stand den Widerstandskämpfern, die sie als Terroristen bezeichnete, äußerst feindselig gegenüber.[32] Maurras fordert die Hinrichtung der Widerstandskämpfer und ihrer Familienangehörigen.[33]
Nach der Befreiung Frankreichs wurde die Tageszeitung wegen Kollaboration verboten und ihre wichtigsten Redakteure (Charles Maurras und Maurice Pujo) wurden inhaftiert.
Mitarbeiter
Die französische Sprachversion bietet unter Principaux collaborateurs du quotidien eine sehr ausführliche Mitarbeiterliste.
Nachfolgeblätter
- Aspects de la France (1947–1992), gegründet von Georges Calzant[34], wobei die Ausrichtung und die Initialen „AF“ erhalten blieben.[35]
- La Nation française (1955–1967), gegründet von Pierre Boutang[36], eine Zeitschrift, die versuchte, sich an die Realtitäten der Nachkriegszeit anzupassen.[37]
- L’Action française étudiante (1971–1980)[38]
- L’Action française Hebdo (1992–1998)
- L’Action française 2000 (1998–2018)[39]
- Le bien commun (seit 2019)[40]
Literatur
- Olivier Forcade, Philippe Vial, Éric Duhamel: Militaires en République, 1870–1962; Les officiers, le pouvoir et la vie publique en France. Publications de la Sorbonne, 1999.
- Laurent Joly: D’une guerre l'autre. L’Action française et les Juifs, de l’Union sacrée à la Révolution nationale (1914–1944). In: Revue d’histoire moderne & contemporaine. 2012, S. 97–124, doi:10.3917/rhmc.594.0097.
- Eugen Weber: Action Française Royalism and Reaction in Twentieth Century France. Stanford University Press, 1962.
- Französische Übersetzung 1985, ISBN 978-2-21301-678-8
Weblinks
- L’Action française auf Wikiquote
- Gesamtausgabe auf Gallica
- L’Action française. In: Retronews. (französisch).
- L’Action française. In: Britannica. (englisch).
- Angaben zu L’Action française in der Datenbank der Bibliothèque nationale de France.
Anmerkungen
- ↑ Das Office français d'information (so in der frankophonen Wikipédia zu finden) war die staatliche Presseagentur Vichys.
Einzelnachweise
- ↑ Siehe Literaturliste Weber 1985, S. 115
- ↑ Siehe Literaturliste Weber 1985, S. 110
- ↑ Siehe Literaturliste Weber 1985, S. 410
- ↑ Angaben zu Revue critique des idées et des livres in der Datenbank der Bibliothèque nationale de France.
- ↑ Angaben zu Revue universelle in der Datenbank der Bibliothèque nationale de France.
- ↑ Angaben zu Revue d’Action française in der Datenbank der Bibliothèque nationale de France.
- ↑ Angaben zu Henri Vaugeois in der Datenbank der Bibliothèque nationale de France.
- ↑ Maurice Pujo. In: Deutsche Biographie (Index-Eintrag).
- ↑ a b L’Action française auf Gallica
- ↑ MONTESQUIOU-FEZENSAC Léon de. In: La France savante. Abgerufen am 2. Januar 2026 (französisch).
- ↑ Angaben zu Lucien Moreau in der Datenbank der Bibliothèque nationale de France.
- ↑ Louis DIMIER. In: Académie française. Abgerufen am 2. Januar 2026 (französisch).
- ↑ Angaben zu Bernard de Vesins in der Datenbank der Bibliothèque nationale de France.
- ↑ Angaben zu Robert de Boisfleury in der Datenbank der Bibliothèque nationale de France.
- ↑ Angaben zu Paul Robain in der Datenbank der Bibliothèque nationale de France.
- ↑ Angaben zu Frédéric Delebecque in der Datenbank der Bibliothèque nationale de France.
- ↑ Jacques Prévotat: L’Action française et les catholiques. Le tournant de 1908. In: Mil neuf cent. 2001, S. 129–126, doi:10.3917/mnc.019.0119.
- ↑ a b Siehe Literaturliste Weber 1985, S. 67
- ↑ Gilles Richard: Histoire des droites en France – De 1815 à nos jours. Perrin, 2017, S. 122.
- ↑ a b Laurent Martin: La presse écrite en France au XXe siècle. Librairie générale française, 2005, ISBN 978-2-253-11541-0, S. 75.
- ↑ Siehe Literaturliste Weber 1985, S. 219
- ↑ Siehe Literaturliste Weber, S. 404
- ↑ Siehe Literaturliste Weber 1985, S. 68
- ↑ Ralph Schor: L’opinion française et les étrangers en France, 1919–1939. Publications de la Sorbonne, 1985, ISBN 978-2-85944-071-8, S. 11.
- ↑ Siehe Literaturliste Forcade, Vial, Duhamel 1999, S. 30
- ↑ Ariane Chebel d’Appollonia: L’extrême-droite en France de Maurras à Le Pen Band 1. Complexe, 1996, ISBN 978-2-87027-573-3, S. 184.
- ↑ Siehe Literaturliste Weber 1985, S. 212
- ↑ Siehe Literaturliste Forcade, Vial, Duhamel 1999, S. 517
- ↑ L’Action française vom 10. Januar 1929; Beispielseite auf Gallica
- ↑ Angaben zu Jacques Delebecque in der Datenbank der Bibliothèque nationale de France.
- ↑ Alain Clavien: Les intellectuels collaborateurs exilés en Suisse. In: Matériaux pour l’histoire de notre temps. 2002, S. 84–89 (persee.fr).
- ↑ Siehe Literaturliste Weber 1985, S. 515, 517
- ↑ Siehe Literaturliste Weber 1985, S. 515 f.
- ↑ Angaben zu Georges Calzant in der Datenbank der Bibliothèque nationale de France.
- ↑ Angaben zu Aspects de la France in der Datenbank der Bibliothèque nationale de France.
- ↑ Pierre Boutang. In: Deutsche Biographie (Index-Eintrag).
- ↑ Angaben zu La Nation française in der Datenbank der Bibliothèque nationale de France.
- ↑ Angaben zu L’Action française étudiante in der Datenbank der Bibliothèque nationale de France.
- ↑ L’AF2000. In: Action française. Abgerufen am 4. Januar 2026 (französisch).
- ↑ Le Bien commun. In: Action française. Abgerufen am 4. Januar 2026 (französisch).