Löwendenkmal Bochum
Das Löwendenkmal an der Königsallee direkt neben der Schiller-Schule ist das kommunale Kriegerdenkmal für die im Ersten Weltkrieg 1914–18 gefallenen Söhne der Stadt Bochum.
Hintergrund
Der überdimensionale, durch einen in der rechten Seite steckenden Pfeil tödlich getroffene, steinerne Löwe brüllt seinen Schmerz in die Richtung des „Erbfeindes“ Frankreich und erinnert bildlich an die Opfer dieses Ersten Weltkrieges. Es sei ein „… Sinnbild, daß das deutsche Vaterland zwar zerschlagen und verwundet, nicht aber tot am Boden liege.“[1] In seiner Bildsprache erinnert das Denkmal an den Löwe von Belfort, welcher in Erinnerung an den Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 errichtet wurde, aber nach anfänglichen Planungen nicht nach Preußen bzw. Deutschland schaut.
Die Widmungsinschrift am Sockel will die Empfindungen einer Nachkriegsgeneration rechtfertigen:
Im Geiste / unbesiegt“
Gerade nach der Besetzung des Ruhrgebiets durch französische Truppen (1923–1925) ist diese Symbolik von Bedeutung, hier soll wohl auf die Dolchstoßlegende angespielt werden.[2.1] Unweit des später errichteten Denkmals gab es den ersten Toten der Ruhrbesetzung. Ein direkter Zusammenhang mit dem Standort des Denkmals ist nicht bekannt.
Der Grundstein für das Denkmal wurde am 18. September 1927 gelegt. Die einleitenden Grußworte hielt der Bergwerksdirektor Paul Hilgenstock, welcher von 1924 an für die deutsch-nationale Volkspartei im Stadtrat saß. Weitere Grußworte kamen vom Oberbürgermeister Dr. Ruer, von Vertretern der evangelischen, katholischen und jüdischen Gemeinde, sowie von Mitgliedern der Wirtschaft, der Reichswehr und anderen in Bochum vertretenen Behörden. Von dem Denkmal distanzierten sich die SPD und KPD. Die Stiftung ging vom Kreiskriegerverband Bochum-Stadt aus.[3]
Das Denkmal, dessen Errichtung durch Sammlungen und Spenden – insgesamt 65.000 Reichsmark – der im Kyffhäuserbund vereinigten Veteranen ermöglicht wurde, wurde am 13. Mai 1928 feierlich eingeweiht.[4][1] Fast fünftausend Mitglieder der Kriegervereine und des Stahlhelmbundes marschierten durch die Stadt zur Denkmalenthüllung. Die Eröffnungsrede hielt erneut Bergwerksdirektor Hilgenstock, als Vorsitzender des Kreiskriegerverbandes.[5] Unter den Ehrengästen war auch Generalfeldmarschall August von Mackensen zu sehen, der schon damals als letzter Vertreter der längst vergangenen Kaiserzeit galt. In der folgenden Gedenkfeier im Parkhaus betonte er „… daß das Vermächtnis der Toten nicht besser geehrt werden könne, als daß man den deutschen Geist, für den sie gelitten und gestorben seien, in der Jugend fortpflanze.“[1] Für die Stadt Bochum nahm der Oberbürgermeister Dr. Ruer das Denkmal in „Obhut, Pflege und Eigentum“, mit der Zusage unveränderter Erhaltung.[3]
Der Entwurf des Löwendenkmals stammte von dem Kölner Bildhauer Willy Meller, zusammen mit dem Architekten Emil Rudolf Mewes.[3] Beide schufen auch im Jahr 1935 das „Schwertdenkmal“ für die gefallenen Werksangehörigen des Bochumer Vereins.[6] Von Meller, der zu den zehn bekanntesten Bildhauern des NS-Staats zählte,[2.2] in Bochum auch das Denkmal „Schaffender Mensch“ vor der Firma Eickhoff (1939)[2.2] und das Ziegelrelief mit der Plastik des Merkur an der Bochumer Hauptpost (1962).[2.3]
Im Jahr 1953 gab es zum 25. Jahrestag der Einweihung eine Gedenkstunde. In dieser sprach Bürgermeister Calderoni: „Dieses Mal soll nicht den Krieg verherrlichen, sondern ein Mermento für das sein, wasn wir alle erlebt haben und daran mahnen, alles Menschenmögliche zu tun, damit nicht noch einmal so viele Frauen Mütter weinen müssen. In diesem Sinne nehme die Stadt Bochum das Ehrenmal weiter gern in die Obhut.“[3]
Am Volkstrauertag 1983 wurde im Rahmen einer öffentlichen Gemeinschaftsaktion linker Jugendorganisationen (SDAJ, Die Falken) sowie Gewerkschaftsaktivisten von IG Metall und ÖTV ein Teil der Inschrift des Denkmals herausgemeißelt, bevor die Polizei eingriff. Die Westdeutsche Allgemeine Zeitung (WAZ) übertitelte die Aktion am folgenden Tag im Bochumer Lokalteil mit der Headline „Nicht mehr unbesiegt“. Der Aktion gingen mehrere erfolglose Versuche voraus, die Stadtverwaltung Bochum zum Abriss des Denkmals zu bewegen.
Im Jahre 1987 wurde erneut die Frage aufgeworfen, ob dieses Denkmal nicht besser abgerissen werden sollte. Die Stadt Bochum entschied sich dagegen und die Sonderkommission „Denkmal vor der Schule“ wurde gegründet.
Schließlich wurde 1990 eine Erläuterungstafel bewilligt und neben der alten Inschrift angebracht, die den Nationalismus und Militarismus der damaligen Zeit zum Ausdruck bringt. Die Inschrift der neuen Tafel aus Bronze lautet: „Dieses Denkmal – errichtet – 1928 zur Verherrlichung des Heldentodes und des Krieges – ist uns heute Mahnung zur friedlichen Verständigung unter den Völkern!“
Der Löwe wurde am 10. Januar 2002 in die Denkmalliste der Stadt Bochum eingetragen.[3] Um 2023 wurden an dem Denkmalbereich erklärende Metalltafeln zu der Geschichte des Löwen, auf der Grundlage eines Schülerprojektes, von der Schillerschule und der Stadt Bochum angebracht.
Trivia
In Weitmar wurde schon 1926 einer von Pfeilen verwundeter schreiender Löwe als Kriegerdenkmal aufgestellt. Hier war der Stifter des Bärendorf-Brantroper Krieger- & Landwehr-Vereins, einer der größten Vereine dieser Art im Landkreis Bochum. Der Ehrenpräsident des Vereins, Ludwig von Berswordt-Wallrabe, stellte das Grundstück am Rande seines Schlossparks des Haus Weitmar zur Verfügung. Die Statue wurde im Krieg eingeschmolzen. Teile der Denkmalanlage existieren noch heute.[7]
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ a b c Aus Westfalen u. Nachbarländern. In: zeitpunkt.nrw. Die Glocke – Warendorfer Tageblatt, 15. Mai 1928, abgerufen am 15. April 2024.
- ↑ Assel, Marina von: Kunst auf Schritt und Tritt in Bochum: Ein Führer zu moderner Kunst auf öffentlichen Straßen und Plätzen. Studienverlag Brockmeyer, Bochum 1992, ISBN 3-8196-0060-4.
- ↑ a b c d e A 535 - Ehrenmal für die Gefallend des Ersten Weltkrieges (schreiender Löwe). In: Denkmalliste der Stadt Bochum. Stadt Bochum, abgerufen am 24. Oktober 2025.
- ↑ Verwaltungsbericht der Stadt Bochum 1927 und 1928, S. 5 bis 6
- ↑ Ehrenmal für Bochum. In: zeitpunkt.nrw. Iserlohner Kreisblatt, 14. Mai 1928, abgerufen am 15. April 2024.
- ↑ Bochumer Anzeiger vom 9. Mai 1935
- ↑ Enno Neumann: Von der Kaiserlinde zum Heldenhain – Denkmäler, Amtmänner, Weihereden und Bochum 1867–1917 (Dokumentation in zwei Bänden). Angaben zu den Kriegerdenkmälern in Weitmar. Hrsg.: Kortum-Gesellschaft Bochum e.V. Selbstverlag, Bochum 2010, ISBN 978-3-00-030687-7, S. 82 f.
Koordinaten: 51° 27′ 50″ N, 7° 13′ 13″ O