Léon Gastinel

Léon Gustave Cyprien Gastinel (* 13. oder 15. August 1823 in Villers-les-Pots, Côte-d’Or; † 18. Oktober 1906 in Fresnes, Val-de-Marne) war ein französischer Geiger und Komponist.

Leben

Gastinel war ein Sohn des Apothekers Claude Gastinel (1787–1857) und dessen Frau Marie-Josèphe (geborene Destigny). Er erhielt seine erste musikalische Erziehung durch einen Mann namens Valencey aus Auxonne, der ihm diee Grundlagen der Musiktheorie und die methodischste Art ein Instrument zu erlernen beibrachte. Im Alter von neun Jahren zog er mit seinen Eltern nach Dijon, wo er Flötenunterricht erhielt. Doch bald wandte er sich einem neuen Instrument zu, da ihm die begrenzten Möglichkeiten des Flötenspiels bewusst geworden waren. Er wurde von dem nur wenige Jahre älteren Jules Mercier (1819–1868) im Violinspiel unterwiesen. Etwa zu der Zeit, als er begann seine ersten musikalischen Ideen zu Papier zu bringen, spürte er, dass dafür das Klavier unerlässlich war. So wurde er ein Schüler von Jules Sénart, der seinerseits ein Schüler von Franz Liszt war, der ihm das Spielen auf dem Pianoforte beibrachte und sowohl sein Mentor als auch ein enger Freund wurde.[1]

Seit dem 22. Dezember 1840 besuchte er das Pariser Konservatorium, wo er drei Jahre lang Violine sowie einen Kurs in Harmonielehre besuchte. Ab 1845 studierte Gastinel Komposition und Kontrapunkt bei Fromental Halévy. 1846 nahm er am Wettbewerb des Institut de France teil und wurde seine Kantate nach Camille Doucets Dichtung Velasquez mit dem Grand Prix de Rome prämiert, durch den ihm eine Studienreise nach Italien ermöglicht wurde. Während seines Aufenthalts in Rom ließ er im Jahr 1848 in der Kirche San Luigi dei Francesi eine Messe für vierstimmigen Chor und Orchester aufführen. In Neapel komponierte er eine italienische Oper, die jedoch aufgrund der politischen Unruhen jener Zeit, nicht aufgeführt wurde.

1849 kehrte Gastinel nach Paris zurück, veröffentlichte Klaviertrios und Violinstücke und komponierte er zwei Ouvertüren für großes Orchester, die im Oktober desselben Jahres und 1850 im Rahmen der öffentlichen Sitzungen der Akademie der Schönen Künste des Instituts aufgeführt wurden. Am 19. Januar 1853 ließ er seine Oper Le Miroir (‚Der Spiegel‘) aufführen, die jedoch wenig erfolgreich war. Bei einem Konzert der Vereinigung der Musiker präsentierte er die Motette Ave Regina caelorum, deren Charakter und Komposition von Kennern gelobt wurden. Seine Streichquartette, die im Mai 1854 von Jean-Delphin Alard, Adolphe Blanc, Casimir-Ney (1801–1877) und Auguste-Joseph Franchomme bei ihren Jahrestagungen aufgeführt wurden, fanden hingegen großen Anklang. In den Jahren 1853 und 1854 ließ Gaslinel zwölf Motetten zur Marien- und Sakramentssegnung in der Kirche St-Vincent-de-Paul singen. Am 12. Mai 1860 wurde seine einaktige komische Operette Titus et Bérénice im Théâtre des Bouffes-Parisiens aufgeführt.[2]

Seine Operette L’opéra aux fenêtres[3] aus dem Jahr 1857 wurde unter dem Titel Die Oper an den Fenstern auch in Deutschland aufgeführt.[4] Er wandte sich überwiegend der Chor- und Orchesterkomposition zu, zu denen drei große Messen (die eine nur mit Frauenchor), zwei Symphonien, vier Oratorien gehören.

Vom 16. August 1882 bis zum 17. Mai 1884 war er Bürgermeister von Fresnes.[5]

Familie

Seit dem 4. Januar 1868 war Gastinel mit Marguerite Marie Désirée (geborene De May, verwitwete Boissard; 1829–1907), die fünf Kinder aus ihrer Verbindung mit Denis André Ferjus Boissard (1818–1862) mit in die Ehe brachte:

  • Ferjus Boissard (1850–1923)
  • Alphonse Boissard (1852–1917) wurde Arzt in Paris
  • Amédée Boissard (1853–1942)
  • Mathilde Boissard (* 1858) ⚭ mit Léon Ruynat de Gournier (1847–1913)
  • Louis Boissard (* 1861) wurde Börsenmakler

Aus der Ehe mit ihr hatte Gastinel einen Sohn

  • Georges Amédée Joseph Marie Léon Gastinel (25. Mai 1869 – 19. Februar 1951),[6] der Professor am Lycée Janson de Sailly und später Generalinspektor des Nationalen Bildungswesens wurde. Er war mit Jeanne Fanny Bouglé (4. Mai 1873 – 1. November 1954) verheiratet, mit der er vier Kinder hatte.

Ehrungen (Auswahl)

Werke (Auswahl)

Zwei Suiten für Klavier, Violine und Violoncello wurden unter dem Titel Souvenirs d’Italie, Rome et Naples (Erinnerungen an Italien, Rom und Neapel) in Paris von Richault veröffentlicht, der auch weitere seiner Werke verlegte.

  • Air varié pour violon avec piano
  • Première symphonie concertante pour deux violons, avec orchestre
  • Fantaisie pour violon avec piano
  • Le Dernier Jour (‚Der Jüngste Tag‘, Oratorium)
  • Le Buisson vert 1861

Komische Opern

  • Le miroir (1853)
  • L’opéra aux fenêtres (1857)
  • Titus et Bérénice (1860)
  • Le buisson vert (1861)
  • La kermesse (‚Die Kirmes‘, 60 Mal im Théâtre-Lyrique aufgeführt)
  • La dame des prés
  • La tulipe bleue

Große Oper

  • Le Rêve (1890)
  • Le Barde Lyrisches Drama (1895 ‚Der Bardenkönig‘)

Ballett

  • Le reve : ballet Léon Gustave Cyprien Gastinel: Le reve : ballet. 1890 (archive.org – Partitur).

Literatur

Commons: Léon Gastinel – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Léon Gastinel (1823–1906) musimem.com (französisch).
  2. Titus et Bérénice (Gastinel, Léon) imslp.org (französisch).
  3. Léon Gustave Cyprien Gastinel: L’opéra aux fenêtres. 1857 (französisch, archive.org).
  4. Hermann Mendel, August Reissmann: Gastinel, Léon Gustave Cyprien. In: Musikalisches Conversations-Lexikon. Eine Encyklopädie der gesammten musikalischen Wissenschaften. Für gebildete aller Stände. L. Heimann, J. Schuberth & Co., Berlin / New York 1874, S. 139 (Textarchiv – Internet Archive).
  5. Maries de Fresnes. In: États des communes à la fin du XIXe siècle publié sous les auspices du … Fresnes. Imprimerie typographiquede l’École d’Alembert, Montévrain 1897, S. 27–28 (französisch, Textarchiv – Internet Archive).
  6. Guy Caplat: 52. Gastinel (Georges, Amédée, Joseph, Marie, Léon). In: Publications de l’Institut national de recherche pédagogique. Band 13, Nr. 1, 1997, S. 289–292 (persee.fr).
  7. Jules Guiffrey, J. Barthelemy: Liste des pensionnaires de l’Academie de France a Rome : donnant les noms de tous les artistes récompensés dans les concours du Prix de Rome de 1663 à 1907. Institut de France, Paris 1908 (französisch, archive.org).
  8. a b Gastinel (Léon-Gustave-Cyprien). In: Constant Pierre (Hrsg.): Le Conservatoire national de musique et de declamation : documents historiques et administratifs. Impr. nationale, Paris 1900, S. 761 (französisch, Textarchiv – Internet Archive).