Läuferpaar
Das Läuferpaar ist ein Begriff aus dem Schachspiel und bedeutet, dass eine Partei sowohl den schwarz- als auch den weißfeldrigen Läufer noch auf dem Brett zur Verfügung hat. Dies stellt üblicherweise einen Vorteil dar.
Begriffsabgrenzung
In der Grundstellung und den ersten Zügen der Eröffnung einer Partie besitzen sowohl Schwarz als auch Weiß ein Läuferpaar. Der Ausdruck wird zumeist in Situationen verwendet, in denen nur noch einer der beiden Spieler über beide Läufer verfügt[1] oder die Aufgabe des Läuferpaares durch einen Spieler im Raum steht. „Schwarz hat das Läuferpaar“ impliziert also üblicherweise, dass Weiß nicht mehr beide Läufer hat, meist weil er mindestens einen seiner Läufer gegen einen schwarzen Springer getauscht hat.
Vor- und Nachteile
Ein einzelner Läufer ist zwar als langschrittige Figur auch aus einer größeren Entfernung als der Springer wirksam, allerdings kann er im Gegensatz zu diesem aufgrund seiner Bindung an die Feldfarbe lediglich die Hälfte des Brettes betreten. Die beiden Läufer des Läuferpaars decken jedoch beide Feldfarben und haben diesen Nachteil nicht. Die Bezeichnung dieses Stellungsmerkmals durch einen eigenen Begriff erklärt sich daher aus der Stärke zweier Läufer gegenüber zwei beliebigen anderen Leichtfiguren, wobei dies wegen der Reichweite der Läufer insbesondere bei offenen Stellungen – also Stellungen mit nur wenigen Figuren und blockierende Bauern – gilt. Vor allem in Endspielen gilt daher ein Läuferpaar einem Springerpaar oder Springer und Läufer als überlegen, obschon ein einzelner Springer und ein einzelner Läufer ansonsten in etwa als gleichwertig gelten (siehe dazu: Bauerneinheiten).
Die Stärke eines Läuferpaars zeigt sich beispielsweise auch in der elementaren Mattführung gegen einen blanken König. Während das Mattsetzen mit einem Springerpaar ohne zusätzliche Figuren auf dem Brett bei bestmöglichem Gegenspiel nicht forciert werden kann und das Mattsetzen mit Springer und Läufer selbst für starke Spieler als komplexe Aufgabe gilt, ist das Mattsetzen mit dem Läuferpaar verhältnismäßig simpel.
In geschlossenen, von unbeweglichen Bauernketten geprägten Stellungen sind Läufer meist im Nachteil, insbesondere wenn sie hinter ihren eigenen Bauern stehen und nicht ins gegnerische Lager hinein wirken können. Dies kann einzelne Läufer und gleichermaßen das Läuferpaar betreffen.
Sofern in einer Partie nicht mehr beide Spieler ihre beiden Läufer besitzen, sollte der Spieler mit Läuferpaar also entsprechend nach einer Öffnung des Spiels streben, wohingegen der Spieler ohne Läuferpaar möglichst lange die Stellung geschlossen halten oder mindestens einen Läufer abtauschen sollte.[1]
Gründe zur Aufgabe des Läuferpaars
Wenn ein Spieler sich zur Aufgabe des Läuferpaars entschließt, meist durch Abtausch eines Läufers gegen einen Springer, tut er dies üblicherweise im Austausch für bestimmte Kompensation – häufig eine Schwächung der gegnerischen Bauernstellung, Entwicklungsvorsprung oder stellungsspezifische, taktische Vorteile.
Beispiel für die Aufgabe des Läuferpaars in der Eröffnung
Die in der Praxis früheste Aufgabe des Läuferpaares erfolgt durch Weiß im 3. Zug der Partie – in einigen Varianten der Trompowsky-Eröffnung 1. d4 Sf6 2. Lg5. Nach 2. … d5, 2. … c5 oder 2. … g6 tauscht Weiß meist gleich mit 3. Lxf6 ab und hat nach jeweils exf6 oder gxf6 für die Aufgabe des Läuferpaares den Vorteil einer geschwächten schwarzen Bauernstruktur.
Einzelnachweise
- ↑ a b Das Läuferpaar. Abgerufen am 29. Juni 2020 (deutsch).