Längstwellensender Carnarvon
Carnarvon MUU
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Der Sender Carnarvon auf dem Cefn Du (1923)
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| Basisdaten | |||||
| Ort: | Caernarfon | ||||
| Unitary Authority: | Gwynedd | ||||
| Landesteil: | Wales | ||||
| Staat: | Vereinigtes Königreich | ||||
| Koordinaten: 53° 7′ 21″ N, 4° 10′ 42″ W | |||||
| Verwendung: | Fernmeldeanlage | ||||
| Besitzer: | Marconi Company | ||||
| Abriss: | 1939 | ||||
| Daten zur Sendeanlage | |||||
| Betriebszeit: | 1914–1938 | ||||
| Wellenbereiche: | VLF-Sender, LF | ||||
| Stilllegung: | November 1938 | ||||
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| Positionskarte | |||||
Der Längstwellensender Carnarvon war in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts eine Sendeanlage nahe der walisischen Stadt Caernarfon.
Zweck
Er diente der globalen Telekommunikation mithilfe der Funktelegrafie und sendete mit 300 kW Leistung. Entsprechend den tageszeitabhängigen optimalen Ausbreitungsbedingungen für Funkwellen unterschiedlicher Frequenzen nutzte er tagsüber etwa 21 kHz und nachts 52 kHz. Somit handelte es sich zugleich um einen Längstwellen- als auch einen Langwellensender.
Name
Die damalige Schreibweise des Stadtnamens war Carnarvon, woraus sich der Name des Senders ergab. Die Stationskennung war MUU, im Morsecode: – – · · – · · –.
Lage
Ende 1912 war ein passendes Grundstück auf einer Erhebung namens Cefn Du[1] (bedeutet „Schwarzer Rücken“ auf Walisisch) etwa 7 km südwestlich von Caernarfon gefunden. Es liegt im Nordosten von Wales im Bezirk Gwynedd. Der Bau des Senders begann im Februar 1913 und dauerte bis März 1914. Noch im selben Jahr erfolgte die Inbetriebnahme.
Geschichte
Der Funkpionier und Unternehmer Guglielmo Marconi (1874–1937) hatte 1912 eine technisch verbesserte Form des Löschfunkensenders entwickelt, genannt Timed-Spark Continuous Wave Transmitter (deutsch etwa „zeitgesteuertes Funkenentladungssystem“), mit dem erstmals bei hohen Sendeleistungen nahezu ungedämpfte Wellen (CW) erzeugt werden konnten.[2] Damit erreichte man eine hinreichend gute spektrale Reinheit, also Nebenwellenarmut und schmale Bandbreite des Sendesignals. Dies wurde benötigt, damit die unterschiedlichen weltweit betriebenen Lang- und Längstwellensender sich nicht gegenseitig störten.
Im Ersten Weltkrieg wurde der Sender militärisch genutzt und danach wieder für die zivile Telekommunikation als Teil des globalen Funknetzwerks der Marconi-Stationen.
Noch während des Krieges, am 22. September 1918, wurde von hier aus Funkgeschichte geschrieben: Der nach Australien ausgewanderte geborene Engländer Ernest Fisk (1886–1965) veranlasste Testsendungen, die er in seiner neuen Heimat empfangen wollte. Australien war nachrichtentechnisch damals über elektrische Untersee-Telegrafenlinien, wie der Telegrafenlinie Java–Australien und dem transpazifischen Telegrafenkabel, mit dem Rest der Welt verbunden. Fisk hatte für seine Versuche die offizielle Genehmigung erhalten und durfte einen Funkempfänger in seinem Wohnhaus in Wahroonga in New South Wales verwenden. Damit gelang es ihm erstmals, eine Funksendung aus Großbritannien direkt (ohne Funkrelaisstationen) in Australien zu empfangen. Damit bewies er experimentell, dass eine drahtlose Kommunikation über diese weite Distanz (mehr als 17.000 km) zwischen Wales und New South Wales möglich ist. An seinem ehemaligen Haus, das erhalten ist, steht heute, ihm und dieser Leistung zu Ehren, zu der der Sender Carnarvon entscheidend beigetragen hat, das Fisk Memorial.
Nachdem der Sender im November 1938 das letzte Mal in Betrieb war, wurde er im Frühjahr 1939 nicht nur stillgelegt, sondern abgerissen. Die wertvollen Metalle wurden geborgen und verkauft.[3]
Der ehemalige Standort ist inzwischen großteils wieder von der Natur übernommen worden. Die wenigen noch vorhandenen Überbleibsel der Fundamente der einstigen Antennenmasten sind kaum noch zu erkennen.
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Die Anlage im Jahr der Inbetriebnahme (1914)
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Senderhaus (1917)
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Löschfunkensender 300 kW (1919)
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Senderöhren (1922)
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Das Gelände im Jahr 2006
Technik
Die native Resonanzwellenlänge der Antenne lag bei 5600 m. Das entspricht knapp 54 kHz und liegt somit im niederfrequenten Teil des Langwellenbereichs (30–300 kHz entsprechend 1000–10.000 m). Durch eine Abstimmspule (Bild), die auch als Verlängerungsspule diente, und für eine Stromstärke von 300 A ausgelegt war, ließ sich die Antenne auf 14.000 m betreiben, entsprechend 21 kHz. Damit erreichte man das Längstwellenband (3–30 kHz entsprechend 10.000–100.000 m), englisch Very Low Frequency (VLF). Dabei betrug die Kapazität der Antenne 40 µF und der Widerstand 2,1 Ω.[4]
Literatur
- John Rowlands, MW1CFN: Marconi’s Carnarvon Station 1912–1939. Archaeological Reconstruction and History of a Trans-Oceanic Wireless Site. Hrsg.: History of Science Museum der Universität Oxford. 6. Auflage. 2025 (englisch, gov.uk [PDF; 53,3 MB]).
- Great Wireless Stations. Carnarvon. In: Wireless World. Band VII, Nr. 78, September 1919, S. 301–307 (englisch, worldradiohistory.com [PDF; 11,5 MB]).
Weblinks
- Marconi Wireless Station – Carnarvon Revisited. In: Welsh Country. 23. März 2023 (englisch).
- The First Direct Wireless Messages from the United Kingdom to Australia. In: navyhistory.au. Dezember 2018 (englisch).
Einzelnachweise
- ↑ Cefn Du. In: WalkLakes. Abgerufen am 10. Januar 2026 (englisch).
- ↑ Philip R. Coursey: Great Wireless Stations. The Marconi Timed-Spark Continuous Wave Transmitter. In: Wireless World. Band VII, Nr. 78, September 1919, S. 310–316 (englisch, worldradiohistory.com [PDF; 11,5 MB]).
- ↑ John Rowlands, MW1CFN: Marconi’s Carnarvon Station 1912–1939. Archaeological Reconstruction and History of a Trans-Oceanic Wireless Site. Hrsg.: History of Science Museum der Universität Oxford. 6. Auflage. 2025, S. 131 (englisch, gov.uk [PDF; 53,3 MB]).
- ↑ Great Wireless Stations. Carnarvon. In: Wireless World. Band VII, Nr. 78, September 1919, S. 301 (englisch, worldradiohistory.com [PDF; 11,5 MB]).