Längi
| Längi | ||
|---|---|---|
| Staat: | Schweiz | |
| Kanton: | Basel-Landschaft (BL) | |
| Bezirk: | Liestal | |
| Einwohnergemeinde: | Pratteln | |
| Postleitzahl: | 4133 (Pratteln) | |
| Koordinaten: | 620453 / 264795 | |
| Fläche: | 0,17 km² | |
| Einwohner: | 2346 (2022) | |
| Einwohnerdichte: | 13'800 Einw. pro km² | |
| Ausländeranteil: (Einwohner ohne Schweizer Bürgerrecht) |
67 %[1] | |
| Karte | ||
Längi ist ein Quartier im Nord-Osten der Baselbieter Gemeinde Pratteln in der Schweiz mit etwa 2'300 Einwohnern (Stand 2022).[1]
Der Quartier-Name kommt vom gleichen Flurnamen. Längi ist vom Adjektiv lang abgeleitet, es beschreibt die längliche Form der Flur.[2] Im Norden und Osten grenzt das Quartier an die Gemeinde Augst, im Süden wird die Längi durch die Autobahn A2 vom Dorf Pratteln getrennt, westlich grenzt es an Salina Raurica. Sie ist durch ihre vielen Plattenbauten charakterisiert. Die Bevölkerung der Längi bezeichnet sich selbst als «Längianer».
Geschichte
Durch die Entdeckung von Salz wurde die Region attraktiv für die Industrie. Die Konzerne bauten Wohnungen für ihre Arbeitenden.[3] Die ersten Wohnblöcke entstanden in den 1950er-Jahren während des Koreakrieges, daher der Spitzname «Korea-Blöck» (Mundart für Wohnblöcke).[4] Durch «planerische Fehleinschätzung» war das Quartier geografisch vom Dorfkern getrennt. 20 Minuten Fussweg hielt die Bevölkerung ab, ins Dorf zu gehen. Die Einwohnenden der Längi fühlten sich nicht als Prattler und vom Dorf her war die Längi mit Vorurteilen behaftet.[4] Von 2008 bis 2015 wurde das Quartier in Zusammenarbeit mit dem Projet urbain aufgewertet.
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Schulhaus Längi im Bau um etwa 1968
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Schulhaus Längi (2025) nach der Renovation von 2022
Quartierverein (QVL)
1971 wurde das Schulhaus in der Längi eröffnet. Zur Eröffnung des Schulhauses wurde das erste Längi-Fest organisiert. Auf den grossen Erfolg kam die Gründung des Quartiervereins am 21. Oktober 1971 – der erste Quartierverein des Kantons.[5]
Zu seinen Haupterrungenschaften zählt der Robinsonspielplatz, die Organisation des traditionellen Längi-Festes und die politische und gesellschaftliche Eingliederung des Quartiers in die Dorfgemeinde.
Zur Einweihung des Schulhauses (1971) fand das erste Längi-Fest statt. Seit damals wird das Längi-Fest fast jährlich organisiert. 2010 wurde es im Rahmen des Projet urbains nach zehn Jahren Pause wieder aufgenommen.[6] Das Längi-Fest ist ein Quartierfest, das Ende August oder zu Beginn des Septembers stattfindet. Es startet am Freitagabend und dauert bis Samstagabend. Der Inhalt stellt sich aus Speis und Trank, tänzerische und musikalische Einlagen und kompetitive Spiele für die Kinder zusammen. Ein wichtiger Teil ist die Integration der jungen Generation.
1972 lancierte die Frauengruppe der SP eine Initiative für den Robi. Der Prattler Einwohnerrat entschied sich 1978 im Gebiet Lohag den Robinsonspielplatz zu erbauen. Am letzten Augustwochenende 1981 wurde im Rahmen des Längi-Festes der Robi eröffnet.[7]
2014 wurde Nilo, der Robi-Esel, zu einer Internetberühmtheit. Er stürzte rückwärts in eine Dole, sein Bild und die Geschichte gingen um die Welt. 2023 verstarb Nilo an einem Herzinfarkt.[8]
Der Längi Berichter war die Quartierzeitung von 1975 bis 2001. Durch Umfragen des Quartiervereins wurde eins deutlich: «Man weiss nicht, wo was los ist». Im Einführungsschreiben des ersten Längi Berichters setzte sich der QVL ein Ziel: «Wir möchten Ihnen […] Tips geben, wie Sie Ihre Freizeit nutzbringend oder unterhaltend, sporttreibend oder lernend […] verbringen können.»[9] Ab Juni 1998 kam der Längi Berichter unter dem Namen Längi-Blatt und mit neuem Design in die Briefkästen – dies aus arbeitstechnischen Gründen.[10] Seit 2002 wird er nicht mehr verlegt. Es gab nie eine offizielle Begründung.
Integration
In den Augen der Prattler Dorfbevölkerung war die Längi ein «Problem-Quartier». In der 2008 erschienen Reportage von Telebasel schildern beide Seiten: Die Dorfbewohner bezeichnen das Längi-Quartier als «Klein Istanbul», «Ghetto» oder «Schutthalde», sie seien froh, dass es so weit vom Dorf entfernt ist. Die Längianer sehen sich dahingegen als eine Einheit, wichtig sei mit den Nachbaren auszukommen – man lebe zusammen, deshalb solle man es zusammen gut haben.[11]
Projet Urbain
2008 nimmt die Gemeinde an einem bundessubventionierten Projekt (vom SEM) teil, dem Project Urbain.[12] Das Projekt wurde auch in anderen Gemeinden / Quartieren der Schweiz durchgeführt. Mit dem Projet urbain wollte man das Image der Längi verbessern, es ging darum, die Lebensqualität der Bevölkerung zu verbessern. Ein Problem war die Abfallentsorgung. Seit dem Beginn des Jahrtausends war der Einfluss der QVL kleiner geworden. Man erhoffte sich durch das Projekt eine Integration und mehr Zusammenarbeit mit den Anwohnenden.
Als erster Schritt des Projektes wurden die Anliegen und Wünsche der Bewohnenden abgeholt. Man schuf Angebote für Gross und Klein. Mit Einbezug der Kinder des Quartiers wurde ein Spielplatz realisiert. Für die Jugendlichen wurde eine Street-Soccer-Anlage eröffnet. Ein Bewegungsparcours regt die Erwachsenen zum Sport an.
Das Müllproblem wurde durch eine Informationskampagne und dem Errichten einer Wertstoffsammelstelle behoben. Im Rahmen des Projektes wurde das Forum Längi (später integriert in den QVL) gegründet. Es engagierte sich ehrenamtlich und schafft Förder- und Spielangebote.[13] Das Projet urbain in Pratteln wurde bis 2015 verlängert, ursprünglich war es nur bis 2011 geplant. Im zweiten Teil gab es auch Förderung in den Quartieren Rankacker/Gehrenacker und Stockmatt/Aegelmatt.[14]
Verkehr
Durch den Bahnhof Pratteln Salina Raurica ist das Quartier per Zug mit der S1-Linie von Basel SBB bzw. Frick/Laufenburg erreichbar. Diese Anbindung war ein wichtiger Teil für die Integration und Attraktivität der Längi. Die Station wurde im Dezember 2008 eingeweiht.[15]
- S 1 Basel SBB – Rheinfelden – Stein-Säckingen – Frick / Laufenburg (SBB)
Mit der Haltestelle Pratteln, Längipark ist die Längi via den Buslinien 81 und 83 erreichbar.
- 81 Liestal, Bahnhof – Füllinsdorf – Augst – Längi – Pratteln – Muttenz – Birsfelden – Aeschenplatz
- 83 Kaiseraugst – Augst – Pratteln, Bahnhof – Pratteln, Wanne
Mit dem Auto ist die Längi über die Autobahn A2 an das Strassennetz Richtung Basel (Deutschland, Frankreich) und ins Mittelland (Luzern, Gotthardpass, Zürich, Bern) angebunden.
Einzelnachweise
- ↑ a b Ivo Willimann: Wohnkalkulator Pratteln; Faktenblatt Quartier Längi. Institut für Betriebs- und Regionalökonomie IBR. Dezember 2022.
- ↑ Basellandschaftliche Gebäudeversicherung (Hrsg.): Flurnamen Pratteln. Pratteln, 2004.
- ↑ Netzwerk Lebendige Quartiere: 15 Jahre Quartierentwicklung Pratteln: vom Projet Urbain zum integrierten Bestandteil der Gemeindeentwicklung. Abgerufen am 25. August 2025.
- ↑ a b Rolf Ackermann, Mathias Baumann, et al.: Heimatkunde Pratteln. Verlag des Kantons Basel-Landschaft, Liestal 2003, ISBN 3-85673-540-2.
- ↑ Miriam Baumeister, Isabel Koellreuter: Salina Raurica; Vom Kulturland zur grössten Gebietsplanung des Kantons Basel-Landschaft. Amt für Raumplanung Basel-Land. 2019.
- ↑ Kurt Sutter: Quartierentwicklung Pratteln Längi: Resultate werden sichtbar 2010. 6. September 2010. Abgerufen am 15. September 2025.
- ↑ QVL: ROBI; es sind alli iglade zum 9. Längi- + Robi-Fescht. Pratteln 1981.
- ↑ Muttenzer & Prattler Anzeiger: Adieu Nilo – der Esel, dessen Bild um die Welt ging, ist tot. 10. November 2023, S. 29.
- ↑ QVL: Längi Berichter. Nr. 1, Pratteln 01.08.1975, S. 3.
- ↑ QVL: Längi-Blatt. Nr. 68, Pratteln Juni 1998, S. 1. (formals Längi Berichter).
- ↑ Christian Keller: Den Ruf als Fluch; Das Leben im Längi-Quartier in Pratteln. telebasel, 1. Oktober 2008, abgerufen am 28. August 2025.
- ↑ Robin Rickenbacher: Pratteln wertet Problemgebiete auf; Das Entwicklungsprogramm «Projet urbain» bringt das Längi-Quartier weiter. Basler Zeitung. 13. Juni 2024, S. 16.
- ↑ Programm Projets urbains (Hrsg.): Quartiere im Brennpunkt: gemeinsam entwickeln, vielfältig gestalten. Bern, 2013.
- ↑ Fabienne Zahnd Birri: Prattler Post. 2014, S. 1.
- ↑ Gemeinde Pratteln: Wohnintegration – „Projet urbain“: Projektskizze. 24. April 2008, S. 7. Abgerufen am 18. September 2025.