Lány (Svitavy)
| Lány | ||||
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| Basisdaten | ||||
| Staat: | Tschechien | |||
| Region: | Pardubický kraj | |||
| Bezirk: | Svitavy | |||
| Gemeinde: | Svitavy | |||
| Fläche: | 964,4543[1] ha | |||
| Geographische Lage: | 49° 44′ N, 16° 29′ O | |||
| Höhe: | 435 m n.m. | |||
| Einwohner: | 6.137 (1. März 2001) | |||
| Postleitzahl: | 568 02 | |||
| Kfz-Kennzeichen: | E | |||
| Verkehr | ||||
| Straße: | Svitavy – Březová nad Svitavou | |||
| Bahnanschluss: | Brno–Česká Třebová | |||
Lány, bis 1960 Čtyřicet Lánů, (deutsch Vierzighuben) ist ein Stadtteil von Svitavy in der Region Pardubice in der Tschechischen Republik und erstreckt sich beidseits des Flusses Svitava.
Geschichte
Lányliegt im Schönhengstgau (Hřebečsko) in Mähren und wurde zur Zeit der Herrschaft der Přemysliden 1360 als Vierzighuben erstmals urkundlich überliefert. In der deutschen Sprachinsel Schönhengstgau wurden bis 1946 Ostfränkische Dialekte gesprochen. Die Amtssprache der Verwaltung war hier auch in der nach dem Ersten Weltkrieg neu gegründeten Tschechoslowakei weiterhin die Deutsche Sprache geblieben.
Der Ort wurde, wie viele andere Waldhufendörfer mit der Endung -huben im Zuge der mit der mittelalterlichen Warmzeit und der militärischen Christianisierung der „Heidengebiete“ einhergehenden Siedlungsbewegung unter dem König von Böhmen, Markgrafen von Mähren, Herzog von Österreich, der Steiermark, von Kärnten und Krain Ottokar II. Přemysl gegründet. Die Rodung, Urbarmachung und Besiedlung der riesigen Waldgebiete der Mährischen Pforte stand auch unter dem Eindruck der regelmäßigen militärischen Einfälle durch Reiterheere aus Norden und Osten und des Mongolensturm. Das Dorf liegt mit seiner typischen Form demnach in einem ehemaligen Rodungsgebiet südlich der Stadt Svitavy an der Svitava und gehörte seit jeher zu deren Pfarrei. Der Ort gehörte zu der, dem Bistum Olmütz unterstehenden Tafelherrschaft Zwittau. Hier befand sich auch bis zur Säkularisation der Sitz des Oberamtes für die Herrschaft Zwittau.
Der Ort Vierzighuben wurde kurz vor dem Ersten Weltkrieg durch den österreichischen Kaiser Franz Joseph I. von Österreich, Apostolischer König von Ungarn und König von Böhmen, zur Marktgemeinde erhoben. Die Zwittauer Nachrichten berichten davon am 23. Mai 1914 unter der Rubrik „Nah und Fern“:
„Unsere Gemeinde erhielt dieser Tage vom k.k. Ministerium des Innern eine Zuschrift, in welcher ihr mitgeteilt wird, dass Seine Majestät der Kaiser unsere Dorfgemeinde zur Marktgemeinde erhoben hat. Aus diesem Anlasse fand am Donnerstag den 21. Mai um 10 Uhr vormittags eine Festsitzung der Gemeindevertretung statt, in welcher der nunmehrige Bürgermeister Herr Franz Haupt das betreffende Schriftstück zur Verlesung brachte, welches folgenden Wortlaut hat: “Seine k.u.k. Apostolische Majestät haben Allerhöchster Entschließung vom 16. April 1914 die Ortschaft Vierzighuben zum Markte allergnädigst zu erheben geruht. Zu Folge Erlasses des k.k. Ministeriums des Innern vom 30. April 1914 wird hiervon die Gemeindevertretung in Vierzighuben mit dem Beifügen verständigt, dass es derselben freigestellt bleibt, behufs Beurkundung dieses Allerhöchsten Gnadenaktes um die Ausfertigung eines Allerhöchsten Diplomes über die Erhebung der Ortschaft Vierzighuben zum Markte, einzuschreiten. Im Falle der Markt Vierzighuben auch die Bewilligung zur Führung eines Wappens zu Erhalten wünscht, wäre dem Einschreiten der heraldischen und in Farben ausgeführte Entwurf des betreffenden Wappens nebst Beschreibung desselben beizuschließen.„Es wurde beschlossen, dieses denkwürdige Ereignis feierlich zu begehen. Die Bevölkerung wurde hiervon sofort in Kenntnis gesetzt, und als die Dunkelheit hereinbrach, verherrlichte eine prächtige Illumination, die in der Geschichte der Gemeinde einzig dastehende Begebenheit. Die Fenster sämtlicher Häuser im Orte glänzten im Lichterscheine. Beim Feuerwehrdepot nahm ein impossanter Festzug mit einer Musikkapelle und der Freiwilligen Feuerwehr an der Spitze und hunderten von Lampionträgern im Gefolge, Aufstellung, der sich durch ein nach Tausenden zählendes Zuschauerspalier zur Gemeindekanzlei bewegte. Herr Bürgermeister Haupt hielt eine kurze Ansprache an die massenhaft erschienen Ortsbewohner, in welcher er von der erfolgten Erhebung der Gemeinde Mitteilung machte und zum Schlusse ein Hoch auf seine Majestät ausbrachte, in welches die Menge begeistert einstimmte, worauf die Musikkapelle das Kaiserlied spielte. Sodann setzte sich der Festzug abermals in Bewegung, zog durch das Dorf bis zur Schule und zurück zum Gasthause des Herrn Braulik, wo die Auflösung erfolgte. Wir beglückwünschen die Gemeinde Vierzighuben zu dieser kaiserlichen Ehrung und wünschen ihr ein ferneres Blühen und gedeihen.“
Nach dem Münchner Abkommen wurde der Ort Vierzighuben wie auch der übrige, überwiegend deutschsprachige Schönhengstgau als Enklave im Protektorat Böhmen und Mähren dem Deutschen Reich zugeschlagen und gehörte bis 1945 zum Landkreis Zwittau. Die Züge der Deutsche Reichsbahn in und aus der Enklave ins Deutsche Reich wurden währen ihrer Durchfahrt durch das Protektorat Böhmen und Mähren plombiert.
Vierzighuben wurde nach der Kapitulation der Herresgruppe Mitte unter dem Oberkomandierenden der Deutschen Wehrmacht Generalfeldmarschall Schörner am 8. Mai 1945 von der Roten Armee besetzt, die eine tschechische Verwaltung einsetzte. Diese stellte sogenannte „Besitzscheine“ an interessierte Tschechen aus, welche diese zur sofortigen Übernahme des Eigentums der deutschsprachigen Bürger ermächtigte, das sie selbst auswählen durften. So erhielten die Häuser und Höfe in Vierzighuben bereits 1945/1946 neue Besitzer. Die deutschsprachigen Bewohner mussten in Nebenräume oder Hofteile umziehen, während die neuen tschechischen Eigentümer einzogen. 1946 wurde auch die gesamte deutsche Bevölkerung von Vierzighuben über den Bahnhof Zwittau zwangsausgesiedelt und auf verschiedene Städte in Westdeutschland verteilt, gemäß dem Potsdamer Abkommen und den darauf basierenden Beneš-Dekreten.
Der Name Vierzighuben wurde nach 1945 geändert in Čtyřicet Lánů und im Zuge der Eingemeindung 1960 zu Svitavy erhielt der Ort seinen heutigen Namen Lány, der Katastralbezirk heißt weiterhin Čtyřicet Lánů. In den 1980ern wurde dort eine Plattenbau-Siedlung errichtet. Diese diente zunächst als Wohnort für die Bauarbeiter des Schamott-Werks aus der Bundesrepublik Deutschland, danach zogen die Werksarbeiter ein. Die Wohnungen waren voll eingerichtet. So waren diese bereits mit Farbfernseher, Mikrowellengeräten und einer kompletten Kücheneinrichtung ausgestattet.
Im Jahre 1991 lebten im eingemeindeten Ortsteil Lány 5443 Menschen. Beim Zensus von 2001 wurden 636 Wohnhäuser und 6137 Einwohner gezählt.
Bedeutende Bauwerke
Das Redemptoristenkloster mit der Kirche St. Joseph wurde 1894 bis 1896 errichtet.
Vierzighuben hat zwei Kapellen. Die südlich gelegene ist der unbefleckten Empfängnis der Jungfrau Maria und die nördlich gelegene (Czepan Kapelle an der Kreuzung der ehemaligen Czepan Höfe) der hl. Anna geweiht. Diese wurde Ende des 19. Jahrhunderts gebaut.
In den Jahren 2012–2014 wurde die Außenfassade der St. Anna Kapelle (Czepan Kapelle) restauriert. Das Dach über dem Kirchenschiff und der Turm wurden erneuert, die Fassade, der Dachgang und der Eingang zur Kapelle wurden instandgesetzt. Im Zuge der Rekonstruktion wurden zwei Steintafeln mit den 106 Namen der im Ersten Weltkrieg Gefallenen aus Vierzighuben wieder angebracht. Anstoß für die Rekonstruktion der Kapelle war eine Geldspende von Alois Czepan, der in der Nähe der Kapelle geboren wurde und dort bis 1945 aufwuchs. Die Stadt Svitavy, die Region Pardubice und der Tschechisch-Deutsche Zukunftsfonds beteiligten sich ebenfalls finanziell an der Restaurierung.
Im Jahr 2017 wurde die Glocke „St. Joseph“ auf dem Turm der St. Anna Kapelle installiert. Sie stammt aus Troubky und wurde 1918 gegossen. Die Glocke wird von Hand betätigt und mehrmals jährlich zu wichtigen Anlässen (Festen, Karwoche usw.) geläutet. Das Fest der hl. Anna wird hier jährlich im Juli (26.7.), gefeiert.
An der Brünner Straße steht ein Goethe-Denkmal von 1932.
Persönlichkeiten
Oskar Schindler lebte in Vierzighuben und betrieb dort eine, an der Kleinseite gelegene Hühnerfarm und einen Landmaschinenhandel auf dem Hof seines Vaters. Später wechselte er während des Zweiten Weltkriegs nach Krakau und übernahm dort 1939 bis zum 15. Oktober 1944 eine Emaillewarenfabrik. Ende Oktober 1944 kehrte er mit vielen Zwangsarbeitern zurück in den Landkreis Zwittau und verlagerte seine Fabrik nach Brünnlitz. Bei Kriegsende floh er aus Mähren. Sein Grabstein befindet sich an der Friedhofsmauer in Svitavy. Sein Leben in Krakau wurde von Steven Spielberg verfilmt und erschien 1993 in den Kinos unter dem Titel Schindlers Liste.
Weblinks
- Beschreibung von Vierzighuben
- Vierzighuben bei der Stadt Zwittau
- Kapellen in Zwittau und Vierzighuben
- Gründung 1891–1900 Brennessel, 1900–1938 Zwittauer Nachrichten
- Karte der deutschen Mundarten im Schönhengstgau bis 1946