L&YR-Klasse 8

L&YR-Klasse 8
Heißdampflokomotive L&YR Nr. 1670
Nummerierung: L&YR: 1. Serie:
1649–1683
LMS: 10400–10474
50412…50455
Anzahl: 1. Serie: 20
2. Serie: 55 + 15 Umbau
Hersteller: L&YR Horwich Works
Baujahr(e): 1. Serie: 1908–1909
Umbau: 1920–1921
2. Serie: 1921–1925
Ausmusterung: 1. Serie,
(nicht umgebaut):
1925–1926
2. Serie + Umbauten:
1935–1951
Achsformel: 2′C
Bauart: 1. Serie: 2’C n4
2. Serie + Umbau: 2’C h4
Spurweite: 1435 mm (Normalspur)
Kuppelachsradstand: 4140 mm
Gesamtradstand: 7720 mm
Radstand mit Tender: 14.720 mm
Dienstmasse: Nassdampf: 78,3 t
Heißdampf: 80,3 t
Reibungsmasse: 60 t
Radsatzfahrmasse: 20,1 t
Anfahrzugkraft: 121 kN
Treibraddurchmesser: 1905 mm
Laufraddurchmesser: 927 mm
Steuerungsart: 1. Serie: Flachschieber mit Joy-Steuerung
2. Serie + Umbau: Kolbenschieber mit Walschaerts-Steuerung
Zylinderanzahl: 4
Zylinderdurchmesser: 1. Serie: 406 mm (16 in)
2. Serie + Umbau:
419 mm (16 ½ in) oder
400 mm (1534 in)
Kolbenhub: 660 mm (26 in)
Kesselüberdruck: 12,4 bar
Brennstoffvorrat: Kohle
Bremse: Vakuumbremse
Steuerung: Joy (erste Serie), Walschaerts (überarbeitete Serie)
Konstrukteur:George Hughes
Technische Daten:[1]

Die Klasse 8 der britischen Eisenbahngesellschaft Lancashire and Yorkshire Railway (L&YR) war eine Reihe von Vierzylinder-Ten-Wheeler-Dampflokomotiven für den Schnellzugverkehr, entworfen von George Hughes und ab 1908 in den Horwich Works gebaut. Von 1908 bis 1909 entstanden 20 Maschinen einer ersten Serie mit Nassdampfkessel, von der in den Jahren 1920 und 1921 insgesamt 15 Maschinen zu Heißdampflokomotiven umgebaut wurden. Zwischen 1921 und 1925 folgten weitere 55 Heißdampflokomotiven als Neubauten.[2.1][3.1]

Geschichte

Bau

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts verlangten das gestiegene Gewicht der Züge leistungsstärkere Lokomotiven. Hughes entwarf dafür eine Baureihe mit einem Nassdampfkessel, Flachschiebern und Joy-Steuerung. Wegen ihrer Größe wurden die Lokomotiven damals als Dreadnoughts bezeichnet. Allerdings galten die Maschinen als träge, schlecht fahrend und schwach in der Dampfentwicklung.[4]

Um die Leistung zu steigern, wurden sie mehrere Umbauten unterzogen: Zwischen 1919 und 1920 erhielten 15 Maschinen Heißdampfkessel, Kolbenschieber, Walschaerts-Steuerung und etwas größere Zylindern. Damit gehörten sie vorübergehend zu den stärksten Lokomotiven Großbritanniens.[5] Die bessere Leistung im Vergleich zu Lokomotiven der London and North Western Railway (LNWR) führten dazu, dass die L&YR zwischen 1921 und 1925 weitere 55 Exemplare von der Baureihe bestellte. Acht Maschinen wurden noch an die L&YR geliefert, sechs an die Nachfolgergesellschaft, die LNWR und 41 gingen direkt an die 1923 nach dem Zusammenschluss der britischen Bahnen entstandene London, Midland and Scottish Railway (LMS). Die letzten 20 Lokomotiven wurden ursprünglich als Tenderlokomotiven mit der Achsfolge 2’C2’ bestellt, doch aufgrund von Zweifeln am Bedarf später in Ten-Wheeler umgewandelt.[6] Die Lokomotiven der Klasse 8 erhielten bei der LMS die Nr. 10400 bis 10474 und wurden der Leistungsklasse 5P zugeteilt.[3.2]

Betrieb

Die Nassdampfmaschinen galten als unzuverlässig, insbesondere aufgrund wegen der Probleme mit den vier innenliegenden Joy-Steuerungen. Zudem waren sie äußerst ineffizient. Aufgrund ihres hohen Kohleverbrauchs wurden sie schließlich 1912 während des landesweiten Kohlenstreiks stillgelegt.

Bei der LMS wurden die Heißdampfmaschinen neben den Einsätzen auf dem ehemaligen Gebiet der L&YR hauptsächlich auf der West Coast Main Line zwischen Crewe und Carlisle eingesetzt. Mit der Einführung der LMS-Klasse 6P Royal Scot wurden Einsätze südlich von Crewe in Richtung London seltener.[7]

Die Lokomotiven galten als zuverlässig, wenn auch nicht herausragend. Sie waren mit der LNWR-Klasse Dreadnought vergleichbar.[8] Obwohl die Klasse 8 zu einigen herausragenden Leistungen fähig war, waren ihre Dampfbildung, ihr Kohleverbrauch und ihre Zuverlässigkeit nicht besonders gut, weshalb sie für den allgemeinen Einsatz auf den anglo-schottischen Strecken als ungeeignet angesehen wurde.[9]

Ausmusterung

Da die LMS auf eine Reduktion der Baureihenvielfalt zielte wurden die Klasse 8 relativ früh ausrangiert. Die fünf nicht umgebauten Nassdampflokomotiven verschwanden schon in den Jahren 1920 bis 1921, die Heißdampflokomotiven wurden ab 1934 schrittweise ausgemustert – 50 Lokomotiven verschwanden alleine zwischen 1935 und 1936. Von den ursprünglich 70 Lokomotiven gelangten nur noch sieben zu den British Railways (BR). Sie erhielten neue Nummern im Bereich 50412…50455, indem die führende 10 der LMS-Nummer durch eine 50 ersetzt wurde. Die letzte Lokomotive wurde 1951 ausgemustert.

Technik

Die Lokomotiven hatten drei Kuppelradsätze und ein vorderes Laufdrehgestell. Über dem dritten Kuppelradsatz befand sich die Belpaire-Feuerbüchse. Der Antrieb erfolgte durch vier Zylinder. Diese hatten bei den Nassdampfmaschinen die Masse 16 × 26 Zoll (406 × 660 mm) und bei den Heißdampfmaschinen einen Durchmesser von 16 ½ Zoll (419 mm) oder 1534 Zoll (400 mm) bei gleichem Kolbenhub wie die Nassdampfmaschinen. Die mittleren Zylinder wirkten auf den ersten, als Kropfachse ausgebildeter Treibradsatz, die beiden äußeren Zylinder auf den zweiten.

Die Steuerungen waren bei den Nassdampfmaschinen als Joy-Steuerungen ausgebildet, wobei alle Steuerungen innenliegend angeordnet waren. Bei den Heißdampflokomotiven waren die Walschaerts-Steuerungen der Außenzylinder außen angeordnet.

Nr. 10456 wurde im Juli 1926 Versuchsweise zur Verbundlokomotive umgebaut. Dabei wurde sie mit 16-Zoll-Hochdruckzylindern (406 mm) und 22-Zoll-Niederdruckzylindern (559 mm) ausgestattet.

Einzelnachweise

  1. 4-6-0 Steam Locomotives in Great Britain: Lancashire & Yorkshire. In: steamlocomotive.com. Abgerufen am 19. Dezember 2025.
  2. LYR/LMS Hughes "1506" Class 4-6-0. In: BRDatabase. Abgerufen am 16. November 2025 (englisch).
    1. Fleet
  3. LYR/LMS Hughes "5P" Class 4-6-0. In: BRDatabase. Abgerufen am 16. November 2025 (englisch).
    1. Fleet
    2. Summary
  4. 4-6-0 Class 8 'Dreadnought' LYR/LMS - Vehicle Details. Abgerufen am 20. Dezember 2025 (britisches Englisch).
  5. Three-Cylinder Locomotivos for North Eastern and Caledonian. In: Railway mechanical engineer. Band 96, Nr. 12. Simmons-Boardman Pub. Co, New York City NY 1916, S. 680 (archive.org [abgerufen am 20. Dezember 2025]).
  6. Bertram Baxter: British locomotive catalogue 1825-1923. Vol. 3B, Lancashire & Yorkshire Railway and its constituent companies. Moorland, Ashbourne 1982, ISBN 978-0-903485-85-2, S. 93 (archive.org [abgerufen am 20. Dezember 2025]).
  7. Barry C. Lane: Lancashire & Yorkshire Railway Locomotives. Pendragon, 2010, ISBN 978-1-899816-17-0, S. 176.
  8. David St John Thomas: LMS 150 : the London Midland & Scottish Railway : a century and a half of progress. Newton Abbot : David & Charles, 2002, ISBN 978-0-7153-1378-7, S. 47 (archive.org [abgerufen am 20. Dezember 2025]).
  9. A Modern Locomotive History: Ten Years' Developemnt on the LMS – 1923–1932. In: E. S. Cox (Hrsg.): Journal of the Institute of Locomotive Engineers. S. 108–109 (org.uk [PDF]).