Kushyar ibn Labban
Kushyar ibn Labban (arabisch أبو الحسن كوشيار ابن لبّان ابن باشهري الجيلي Abū al-Hasan Kūschyār ibn Labbān ibn Bāschahrī al-Dschīlī, DMG Abū al-Ḥasan Kūšyār ibn Labbān ibn Bāšahrī al-Ǧīlī) (* in Gilan; gestorben in Bagdad) war ein iranischer Mathematiker und Astronom des 10. und 11. Jahrhunderts. Der ihm in manchen Schriften beigelegte Titel Kiyā ist ein alter persischer Ehrentitel („königlicher Herrscher“, "Meister"), der gelegentlich an Gelehrte vergeben wurde.[1]
Leben
Kushyar stammte aus dem persischen Gilan am Kaspischen Meer. Der Name seines Vaters (Labban) bedeutet Löwe.
Nach dem Biographen al-Bayhaqi (gestorben 1065) starb er um 961, die übrigen biographischen Angaben schließen das aber als zu früh aus. Ibn al-Nadim erwähnt ihn nicht, lebte aber auch in Bagdad und vervollständigte sein Werk Fihrist bis 995. Üblicherweise wird angenommen, dass er zwischen 971 und 1029 aktiv war.
Über Kushyar ist wenig bekannt, außer dass er der Lehrer von Ali ibn Ahmad al-Nasawi (fl. nach 1029) war, dem Autor eines Rechenbuchs. Einige seiner arabischen Schriften waren sehr einflussreich, so ist Kushyars beliebtes astrologisches Handbuch al-Madḫal fī ṣināʿat aḥkām an-nujūm auch ins Persische, Chinesische und Türkische übertragen worden.[2] In mehreren Handschriften erhalten ist sein umfangreiches astronomisches Tafelwerk (az-Zīğ al-Ǧāmiʿ). Ein weiterer ihm zugeschriebener Ziğ (az-Zīğ al-Bāliġ) ist nur in Teilen erhalten und zeigt Ähnlichkeiten mit anderen Sindhind Ziğes.[3] Er stellte keine eigenen astronomischen Messungen an, sondern übernahm sie aus der Schule von Al-Battani. In seinen astronomischen Abhandlungen sind auch Tafeln trigonometrischer Funktionen (wie schon vorher von al-Battani und Abu l-Wafa begonnen).
Kushyar ist vor allem für ein Buch über indische Zahlschrift und Arithmetik bekannt (Usul Hisab al-Hind), eines der ältesten im arabischen Raum. Es stammt aus der Zeit um 1000. Im Hauptteil behandelt er Dezimalzahlen (Sexagesimalsystem nur in Tafeln). Er kennt die Null, verwendet aber keinen Dezimalpunkt. Kushyar gibt auch Methoden zum Ziehen von Quadratwurzeln und Kubikwurzeln und verwendet die Neunerprobe.
Es gibt einen hebräischen Kommentar zur Arithmetik aus dem 15. Jahrhundert von Anabi.
Literatur
- A. S. Saidan: Kushyar ibn Labban ibn Bashahri, Abu 'L-Hasan, Al-Jili (fl. ca. 1000), Dictionary of Scientific Biography, Band 7, S. 531–533.
- Martin Levey, M. Petruck (Herausgeber und Übersetzer): Kushyar ibn Labban, Principles of Hindu reckoning, Madison, 1965
- van Dalen, Benno: Ptolemaic Tradition and Islamic Innovation. The Astronomical Tables of Kūshyār ibn Labbān (Ptolemaeus Arabus et Latinus – Texts 2). Brepols, Turnhout 2021.[1]
Weblinks
- John J. O’Connor, Edmund F. Robertson: Kushyar ibn Labban. In: MacTutor History of Mathematics archive (englisch).
Einzelnachweise
- ↑ Mohammad Bagheri: Ibn Labbān, Kūshyār: Kiyā Abū al‐Ḥasan Kūshyār ibn Labbān Bāshahrī al‐Jīlī (Gīlānī). In: The Biographical Encyclopedia of Astronomers. Thomas Hockey et al., 2007, abgerufen am 25. Oktober 2025.
- ↑ Mohammad Bagheri: Ibn Labbān, Kūshyār: Kiyā Abū al‐Ḥasan Kūshyār ibn Labbān Bāshahrī al‐Jīlī (Gīlānī). In: The Biographical Encyclopedia of Astronomers. Thomas Hockey et al., 2007, abgerufen am 23. Oktober 2025.
- ↑ Benno van Dalen: Ptolemaic Tradition and Islamic Innovation: The Astronomical Tables of Kūshyār ibn Labbān. Brepols, Turnhout 2021, S. 19.