Kurzwellenhören

Kurzwellenhören (englisch Shortwave listening), abgekürzt SWL, ist das Hören von Funksendungen, wie Rundfunk, Amateurfunk oder Weltraumfunk, mithilfe geeigneter Empfangsgeräte und Antennen. Knapp wird es auch als „DXen“ bezeichnet (von englisch distant exchange für „Fernaustausch“).

Die BandbezeichnungKurzwelle“, womit Wellenlängen im Bereich zwischen 10 m und 100 m, entsprechend einer Frequenz zwischen 3 und 30 MHz gemeint sind, darf hierbei nicht wörtlich genommen werden. Auch benachbarte Frequenzbereiche, wie die Mittelwelle und die Ultrakurzwelle (UKW), gehören dazu.

Geschichte

Das Kurzwellenhören, zunächst auch als Radiohören bezeichnet, ist eine Tätigkeit, die in früheren Zeiten, ab den 1920er-Jahren, sowohl als professioneller und militärischer Dienst als auch als ein Hobby betrieben wurde. Letzteres von Privatpersonen häufig aus Interesse an der damals brandneuen und für viele Menschen höchst faszinierenden Funktechnik oder schlicht aus Liebhaberei. Das ist bis heute der Fall: Kurzwellenamateure befassen sich gerne mit der Suche nach weit entfernten oder schwer hörbaren Rundfunksendern. Im Gegensatz zu einer Amateurfunklizenz, für die eine Prüfung abgelegt werden muss, ist das Kurzwellenhören auch ohne Lizenz erlaubt – dies war allerdings nicht immer so.

Im Deutschen Kaiserreich (1871–1918) galt nach dem Gesetz über das Telegrafenwesen des Deutschen Reiches vom 6. April 1892: „Das Recht, Telegraphenanlagen für die Vermittelung von Nachrichten zu errichten und zu betreiben, steht ausschließlich dem Reich zu.“ Damit war der private Betrieb von Sendern oder Empfängern, egal ob kabelgebunden oder drahtlos, grundsätzlich verboten. Auch in der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg änderte sich daran zunächst nichts. Bezeichnend war der „Funkerspuk“, ein Versuch der revolutionären Kontrolle des Rundfunks während der Novemberrevolution (1918). Dieser scheiterte zwar, hatte aber zur Folge, dass die Weimarer Republik (1918–1933) in ihrer Anfangszeit das junge Medium Radio sehr restriktiv behandelte. So blieb nicht nur das private Senden weiterhin verboten, sondern auch Bau, Besitz und Betrieb von Rundfunkempfangsgeräten sowie generell der Empfang von Sendungen war verboten. Dieses allgemeine Empfangsverbot wurde erst 1923 aufgehoben.

Als Geburtsstunde des Rundfunks in Deutschland gilt der 29. Oktober 1923. Kurz darauf, am 14. Mai 1924, wurden erstmals Empfangsgenehmigungen von der Deutschen Reichspost in Form einer „Audionversuchserlaubnis für die private Errichtung einer Funkempfangsanlage“ an Radioamateure erteilt. Sie durften nur hören – nicht senden –, hatten jedoch auch dafür technische Kenntnisse nachzuweisen.[1]

Zu dieser Zeit, im November 1923, gelang den beiden Funkamateuren Léon Deloy (1894–1969) und Fred Schnell (1890–1957) das erste Transatlantik-Funkgespräch mithilfe von Kurzwellen. Die beiden Amateure bewiesen damit etwas experimentell, das die „Funk-Profis“ damals als allgemein für unmöglich ansahen, nämlich die Funkverbindung über so große Entfernungen mithilfe von Kurzwellen.

In den folgenden Jahrzehnten entwickelte sich nicht nur die Funktechnik, sondern speziell auch das Kurzwellenhören zu einem internationalen Phänomen und einem Hobby, das Menschen auch heute noch weltweit und auf friedliche Weise miteinander verbindet.

Der Empfang von Kurzwellensendungen ist nun generell und ohne Ablegung einer Prüfung erlaubt. In Deutschland kann man jedoch auch zum Kurzwellenhören eine Prüfung ablegen, und zwar beim Deutschen Amateur-Radio-Club (DARC). Danach erhält man, ähnlich wie ein Funkamateur, ein eigenes, personengebundenes, weltweit einzigartiges Kennzeichen mit dem exklusiven Präfix DE.[2] Das DE-Kennzeichen für Empfangs-Amateure ähnelt einem Amateurfunkrufzeichen, ist aber am Buchstaben E an zweiter Position eindeutig als Empfangskennzeichen zu erkennen.

Vereine

Kurzwellenhörer sind national in Clubs und Vereinen organisiert und international miteinander vernetzt. In den Vereinigten Staaten wurde 1933 der National Radio Club (NRC) gegründet, der älteste und zugleich größte DX‑Club der Welt.[3] In Europa gibt es die Assoziation Deutschsprachiger Kurzwellenhörer (ADDX) und den British DX Club (BDXC), um nur zwei Beispiele zu nennen, sowie als Dachverbände das European DX Council (EDXC) sowie den Worldwide DX Club (WWDXC).

Literatur

  • Nils Schiffhauer: Kurzwellenempfang heute – Die neuen Perspektiven der SDRs. 1. Auflage. VTH, Baden-Baden 2012, ISBN 978-3-88180-872-9.
Commons: Kurzwellenhören – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Commons: Funkempfänger – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

  1. Internationale Rundfunk- und Fernseh-Chronik, abgerufen am 18. Oktober 2025.
  2. Informationen für Kurzwellenhörer (SWL). (PDF; 1,1 MB) In: DARC. Juli 2023, abgerufen am 18. Oktober 2025.
  3. National Radio Club. The World’s Oldest & Largest MW DX Club. In: National Radio Club. 2025, abgerufen am 18. Oktober 2025 (englisch).