Kurt Ritter (Agrarwissenschaftler)

Kurt Ritter (* 13. April 1894 in Berlin; † 21. Februar 1984 ebenda) war ein deutscher Agrarwissenschaftler und Hochschullehrer.

Leben und Wirken

Er war der Sohn des Rittergutspächters Alfred Ritter und dessen Ehefrau Käthe geborene Kittler. Nach dem Schulabschluss am Realgymnasium absolvierte er 1913/14 eine landwirtschaftliche Lehre und schlug nach der Teilnahme am Ersten Weltkrieg eine universitäre Ausbildung zum Agrarwissenschaftler ein. Ab 1918 studierte er Land- und Volkswirtschaft an der Friedrich-Wilhelms-Universität zu Berlin; 1920 promovierte er zum Dr. agr. Das Thema seiner Dissertation lautete Die Einwirkung des weltwirtschaftlichen Verkehrs auf die Entwicklung und den Betrieb der Landwirtschaft, insbesondere in Deutschland. Danach arbeitete Ritter bis 1928 als Oberlandwirtschaftsrat an der Preußischen Hauptlandwirtschaftskammer. In dieser Zeit habilitierte er sich 1923. Im Jahr 1928 wurde er außerordentlicher und 1935 ordentlicher Professor mit Lehrstuhl sowie Direktor des Instituts für Volkswirtschaftslehre an der Hochschule für Landwirtschaft in Berlin. Dort wurde er 1936 entlassen. Zum 1. Mai 1937 trat er der NSDAP bei (Mitgliedsnummer 5.542.211).[1][2] Von 1939 bis 1941 leistete er Kriegsdienst als Hauptmann. Nach Ende des Zweiten Weltkrieges war er bis 1948 Hauptabteilungsleiter in der Deutschen Verwaltung für Handel- und Versorgung und von 1948 bis 1950 in der Deutschen Wirtschaftskommission. Anschließend war Ritter, 1947 der SED beigetreten, von 1950 bis 1957 Professor mit Lehrstuhl und Direktor des Instituts für Agrarpolitik und Agrargeschichte der Humboldt-Universität zu Berlin. Zudem hatte er von 1950 bis 1953 einen Lehrstuhl und die Leitung des Instituts für Landwirtschaftsplanung an der Hochschule für Ökonomie Berlin inne. 1951 wurde Ritter zum ordentlichen Mitglied der Deutschen Akademie der Landwirtschaftswissenschaften gewählt und übernahm bis 1954 das Amt des Sekretärs der Sektion Agrarökonomik. Daraufhin wurde er Leiter der Forschungsstelle, später Direktor des Instituts für Agrargeschichte der Akademie. Im Jahr 1956 wurde er mit dem Nationalpreis II. Klasse ausgezeichnet. 1962 erfolgte seine Emeritierung.

Schriften (Auswahl)

  • Die Einwirkung des weltwirtschaftlichen Verkehrs auf die Entwicklung und den Betrieb der Landwirtschaft, insbesondere in Deutschland. Parey, Berlin 1921.
  • Deutschlands Wirtschaftslage und die Produktionssteigerung der Landwirtschaft. Parey, Berlin 1922.
  • Zum Problem der Agrarzölle in Deutschland. Mohr, Tübingen 1924.
  • Der Getreideverkehr der Welt vor und nach dem Kriege. Parey, Berlin 1926.
  • Weinproduktion und Weinhandel der Welt vor und nach dem Kriege. Parey, Berlin 1928.
  • Der Welthandel mit Eiern vor und nach dem Kriege. Parey, Berlin 1928.
  • Weltproduktion und Welthandel der Molkereierzeugnisse. Parey, Berlin 1930.
  • Die Schweinehaltung der Welt und der Handel mit ihren Erzeugnissen. Parey, Berlin 1931 (unter Mitwirkung von Joachim Hartisch).
  • Produktion und Aussenhandel der Vereinigten Staaten von Amerika an Gartenbauerzeugnissen. Parey, Berlin 1931 (unter Mitwirkung von Walther Schubring).
  • Die Standardisierung landwirtschaftlicher und gartenbaulicher Erzeugnisse in den Vereinigten Staaten von Amerika und in Kanada. Parey, Berlin 1931 (zusammen mit Werner Ludewig).
  • Weltproduktion und Welthandel an frischen Südfrüchten. Zitrusfrüchte (Apfelsinen, Mandarinen, Zitronen und Pompelmusen), Bananen und Ananas. Parey, Berlin 1933 (zusammen mit Martin Guttfeld).
  • Agrarwirtschaft und Agrarpolitik im Kapitalismus (= Grundriß der Agrarökonomie. Abteilung 2). Zwei Bände und Registerband. Deutscher Bauernverlag, Dresden 1955–1960.
  • Zu einigen aktuellen Tendenzen und Widersprüchen in der kapitalistischen Landwirtschaft. Deutsche Akademie der Landwirtschaftswissenschaften, Berlin 1959.

Literatur

  • Gabriele Baumgartner: Ritter, Kurt. In: Gabriele Baumgartner, Dieter Hebig (Hrsg.): Biographisches Handbuch der SBZ/DDR 1945–1990. Band 2: Maaßen – Zylla. Saur, München 1997, ISBN 3-598-11177-0, S. 722.
  • Andreas Dix: »Freies Land«. Siedlungsplanung im ländlichen Raum der SBZ. Böhlau, Köln [u. a.] 2002, ISBN 3-412-14001-5, S. 456.

Einzelnachweise

  1. Bundesarchiv R 9361-VIII KARTEI/16991002
  2. Olaf Kappelt: Braunbuch DDR. Berlin, 2. Auflage, 2009. S. 491